bedeckt München 23°

Fränkisches Seenland:Aufklärung statt Geheimniskrämerei

Der Große Brombachsee im Fränkischen Seenland

Der Große Brombachsee ist der größte Stausee des Fränkischen Seenlandes, ein Paradies für Wassersportler und Aktivurlauber. Doch mit dem "sanften Tourismus" könnte es bald vorbei sein, fürchten Kritiker von Center Parcs.

(Foto: Imago)

Center Parcs plant in der Region eine riesige Ferienanlage. Die Informationen flossen allerdings dürftig, die Unruhe in den Gemeinden wuchs. Nun will das Unternehmen mit allen Beteiligten reden.

Von Clara Lipkowski, Nürnberg

Ein geplanter Ferienpark bewegt zurzeit viele Menschen im Fränkischen Seenland - auf ziemlich konträre Weise. Nun geht das Unternehmen Center Parcs mit einem Informationsmarathon in die Offensive. Am Dienstag wollen die Verantwortlichen über den Stand des riesigen Bauvorhabens informieren, einen Masterplan und Gutachten zur Umweltverträglichkeit vorlegen. Drei Veranstaltungen sind im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen angesetzt. Offenbar will sich Center Parcs auch demonstrativ unbeeindruckt zeigen von Schlagzeilen, die vor gut einem Monat das Vertrauen in die Firma und ihre Pläne nicht gerade gestärkt hatten: Der französische Mutterkonzern ist in der Pandemie finanziell ins Straucheln geraten. Center Parcs beschwichtigte: Bestehende und geplante Ferienparks in Deutschland seien davon nicht betroffen.

Die Stimmung ist aufgewühlt. Gerade hat eine Gruppe in Pfofeld, der direkt betroffenen Gemeinde, ein Bürgerbegehren angestoßen und will damit letztlich erreichen, dass die Gemeinde zunächst Interesse bekundet, das Areal selbst zu kaufen. Eine andere Bürgerinitiative sammelt Unterschriften für eine Petition, Anfang der Woche waren es knapp 29 000. Die Forderung: Den Wald, in dem Center Parcs bauen und Teile roden will, erhalten und deutlich kleiner bebauen. "Wir wollen keinen Center Parcs" ist die gängige Losung.

Rund 800 Ferienhäuser für etwa 350 Millionen Euro will das Unternehmen auf das Grundstück am Ufer des Sees setzen. Nachdem es viele Jahre ruhig zuging am Brombachsee, brach darüber im vergangenem Sommer Streit aus. Es war bekannt geworden, dass Center Parcs schon seit zwei Jahren mit dem Areal liebäugelt und in Kontakt mit Gremien und der Staatsregierung stand. Eingeweiht waren führende Kommunalpolitiker, Abgeordnete - nur die Bevölkerung nicht. Sogar mancher Lokalpolitiker wusste nichts vom mutmaßlich größten Tourismusprojekt in Süddeutschland. Dann kam ökologische Kritik: Mit dem Großprojekt werde der "sanfte Tourismus" im Fränkischen Seenland unwiederbringbar zerstört. Weitere Unruhe entstand, als Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit regionalen Politikern und einem Center-Parcs-Lobbyisten über das Gelände spazierte, und zwar inoffiziell, während einer Bürgerinitiative der Zutritt verwehrt wurde.

In den Gemeinden rund um den See wird weiter spekuliert. Wird Center Parcs tatsächlich mehr Wirtschaftskraft für die ganze Region bringen oder werden Gäste vor allem im Park ihr Geld ausgeben? Wie wird der viele Müll entsorgt, das Abwasser? Die einen sagen: In Wahrheit werde Center Parcs gar keine oder höchstens minimale Gewerbesteuern zahlen. Center Parcs widerspricht. Nun steht im Raum, dass das Unternehmen doch mehr Fläche als die 150 Hektar beanspruchen könnte.

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Landtag einstimmig den Beschluss fasste, das Fränkische Seenland künstlich zu schaffen. Ziel war, das Wasser in Bayern besser zu verteilen und in den trockenen Norden zu schaffen. Der Beschluss vom 16. Juli 1970 zielte aber auch auf Tourismus in der Region ab. Nur wie viel Tourismus, das war nicht so klar.

Bei der Einweihung 1986 sagte der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU), mit den Seen werde die Landschaft noch schöner werden. "Menschenwerk und Natur harmonieren in seltener Eintracht." Noch mal 14 Jahre später wurde der Große Brombachsee eingeweiht. Inzwischen kann von Eintracht keine Rede mehr sein. Landrat Manuel Westphal und der Pfofelder Bürgermeister Reinhold Huber ermahnten Ende 2020 per offizieller Mitteilung sinngemäß, dass alle mal wieder runterkommen sollten. Es sei Zeit, zu einer "sachlichen Argumentationsebene" zurückkehren.

Sauer sind auch Anwohnerinnen und Anwohner, die Center Parcs im Seenland gutheißen. Dagegen seien eigentlich nur wenige, dafür aber besonders laut und teils aggressiv, sagten sie. Plakate würden zerstört oder entfernt, auf denen der Ferienpark befürwortet werde, heißt es. Kürzlich haben mehr als 50 Pfofelder Bürger ein "Bekenntnis" für den Park veröffentlicht. Wer ins Seenland fährt, sieht in der Tat wenige positive Schilder, dafür solche, auf denen "Kein Center Parcs" prangt.

In den lokalen Zeitungen gehen die Diskussionen weiter. Der Bund Naturschutz (BN) hat sich schon früh gegen das Projekt positioniert, zwischenzeitlich musste der Kreisvorsitzende gehen, weil er sich nicht energisch genug gegen Center Parcs ausgesprochen hatte. Der BN sieht den ländlichen "idyllischen" Charakter des Fränkischen Seenlands "akut bedroht", der Wald sei "sensibel", ein wichtiger Kohlenstoffspeicher, unbedingt schützenswert.

Noch gehört das Grundstück dem Bund, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) plant den Verkauf an Center Parcs, wollte aber zuletzt den Ausgang eines Ratsbegehrens abwarten. Darüber will der Gemeinderat von Pfofeld am Dienstag entscheiden. Der Wald war lange Munitionslager der Bundeswehr und ist heute verseucht und daher abgesperrt. Center Parcs hat angekündigt, das Gelände reinigen zu wollen. Auch dazu erhoffen sich die Beteiligten nun Details.

Zunächst versammelt sich am Dienstag der Zweckverband Brombachsee, ein Zusammenschluss verschiedener Gemeinden, mit Center-Parcs-Vertretern. Danach kommt der Kreistag zusammen und lässt sich vom Unternehmen informieren. Am Abend geht es weiter im Gemeinderat Pfofeld. Mit den Gruppen, die für und gegen den Park trommeln, will sich das Unternehmen auch noch treffen, zur Not online. Center Parcs gibt sich betont offen. Auch die Bürgerinitiative gegen den Ferienpark hat ihr Kommen angekündigt und will die gesammelten Unterschriften für ihre Petition mitbringen.

© SZ vom 16.03.2021/syn, van
Zur SZ-Startseite
Biber

SZ PlusMensch und Natur
:"Der Biber ist der beste Biotop-Bauer"

Er staut Flüsse, erntet Maisfelder ab und baut Tunnel, die Traktoren einsinken lassen: Der Biber ist ein kleines, aber mächtiges Tier, das immer wieder für Konflikte sorgt. Harry Heine ist Biberberater und vermittelt zwischen Mensch und Natur.

Von Wieland Bögel

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB