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Forstwirtschaft:Mehr Geld für Waldumbau

Minister will 200 zusätzliche Planstellen für Förster schaffen

Der Waldumbau in Bayern soll massiv verstärkt werden. Das hat Forstminister Helmut Brunner (CSU) jetzt erklärt. Bis 2030 will er dazu 200 Millionen Euro zusätzlich in das Förderprogramm investieren und es damit mehr als verdoppeln. Außerdem sollen 200 zusätzliche Planstellen für Förster geschaffen werden. Sie sollen die Waldbesitzer beim Aufbau von stabilen Mischwäldern unterstützen. Brunners Ziel ist, dass von nun an jedes Jahr 10 000 Hektar Fichtenwälder in Mischwälder mit Buchen und anderen Laubbäumen umgebaut werden - bisher waren es ungefähr 6000 Hektar pro Jahr. "Angesichts des Klimawandels haben wir aber keine andere Wahl", sagt Brunner. "Es gibt keine Alternative zum Waldumbau." Vor allem die Schaffung der 200 neuen Planstellen ist eine Überraschung. Die Forstverwaltung musste in der Vergangenheit stets Stellen abbauen.

Orkan Kolle hat es vor drei Wochen einmal mehr gezeigt. Fichtenwälder sind am anfälligsten für alle möglichen Kalamitäten, die sich im Zuge des Klimawandels häufen - ob es sich um Sturmschäden oder Schädlinge wie den Borkenkäfer handelt. Die Bäume, die Kolle mit seinen Orkanböen von bis zu 140 Kilometern pro Stunde umgelegt hat, waren überwiegend Fichten. Der Grund für ihre Empfindlichkeit ist, dass die Bedingungen für sie hierzulande ungünstig sind. Fichten brauchen es kühl und feucht. Natürlicherweise kommen sie in Skandinavien und Russland vor. In Mitteleuropa und damit auch in Bayern wachsen sie von Natur aus nur in den höheren Lagen der Mittelgebirge und im Hochgebirge. Vor allem in Franken, im südlichen Niederbayern und in Nordschwaben sind die Verhältnisse für Fichten seit jeher schlecht. Die natürliche Baumart hier wie im übrigen Bayern ist die Buche.

Gleichwohl ist die Fichte nach wie vor die am meisten verbreitete Baumart im Freistaat. 42 Prozent der Bäume hier sind Fichten. Es folgt die Kiefer mit 17 Prozent. Und erst an dritter Stelle steht die Buche (14 Prozent), die ursprüngliche Hauptbaumart im Freistaat. Die Dominanz der Fichte kommt daher, dass ihr Holz universal einsetzbar ist - als Baumaterial und Werkstoff genauso wie als Brennstoff. Außerdem wachsen Fichten vergleichsweise schnell. Deshalb nennt man sie auch seit jeher den "Brotbaum der Förster". Auf der anderen Seite sagt ein altes Sprichwort: "Willst Du den Wald bestimmt vernichten, so pflanze nichts als reine Fichten."

Dem Bund Naturschutz (BN), in dem auch viele Förster organisiert sind, geht Brunners Ankündigung nicht weit genug. "Der Waldumbau ist ein Wettlauf mit der Zeit", sagte der BN-Chef Hubert Weiger kürzlich, als er im Bayerischen Wald von Kolle zerstörte Wälder besichtigte. "Wir müssen ihn massiv beschleunigen." Der BN fordert 100 Millionen Euro im Jahr für den Waldumbau und deutlich mehr Förster als die 200 neuen Planstellen in Brunners Programm. Außerdem müsse die Jagd verschärft werden, damit das Wild nicht die jungen Bäumchen auffrisst. Das Kabinett hat Brunners Pläne bereits grundsätzlich befürwortet.