Forschung Viel Sonne, viel UV-Strahlung

An diesem Dienstag soll der UV-Index Stufe 7 erreichen: Bei mehr als 20 Minuten in der Sonne, etwa im Englischen Garten, besteht dann bereits Sonnenbrandgefahr.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • In ganz Deutschland gibt es zwölf Stationen, die sowohl die UV-Strahlung, als auch eine radioaktive Belastung messen.
  • In den kommenden eineinhalb Jahren soll das Netz weiter ausgebaut werden.
  • Die Zahl der neu an Hautkrebs erkrankten Menschen stieg in den vergangenen Jahren an.
Von Thomas Anlauf

Die Abkühlung ist nur kurz gewesen. Nach dem einen frühherbstlichen Wochenende strahlt nun wieder die Augustsonne. Und mit der Sonne steigt auch die Gefahr durch starke ultraviolette Strahlung. So stieg die Strahlenbelastung in München am Montag auf Stufe 6 des internationalen UV-Indexes (UVI), an diesem Dienstag soll bereits die Stufe 7 erreicht werden. Was bedeutet: Nach 20 Minuten in der Sonne besteht bereits Sonnenbrandgefahr. "Der Klimawandel beschert uns mehr sonnige und heiße Tage - und damit auch mehr krebserregende UV-Strahlung", teilte das Bundesumweltministerium mit. Anlass für die Warnung ist der geplante Ausbau des bundesweiten UV-Messnetzes mit seiner Zentrale im Bundesamt für Strahlenschutz in Neuherberg bei München.

Dort werden die Daten aller Messstationen in Deutschland zusammengeführt, ausgewertet und veröffentlicht. Bislang gibt es zwölf Stationen, die Münchner Werte werden beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) alle sechs Minuten ermittelt. In den kommenden eineinhalb Jahren sollen noch weitere 20 Stationen bundesweit dazukommen, deren Daten alle in die Zentrale nördlich von München geschickt und dort verarbeitet werden. Im Juli vergangenen Jahres wurde eine Messstation am Schneefernerhaus am Südhang der Zugspitze in Betrieb genommen. Denn besonders im Hochgebirge kann die UV-Belastung sehr hoch sein. Der UV-Index kann im Sommer auf 11 klettern, was einer extrem hohen UV-Intensität entspricht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, bei derart starken UV-Belastungen zwischen 11 und 15 Uhr nicht ins Freie zu gehen. Zum Vergleich: An der Nord- und Ostseeküste wird im Sommer normalerweise ein Maximalwert von 8 erreicht, was immerhin auch einer "sehr hohen UV-Intensität entspricht und nach weniger als 20 Minuten ungeschützter Sonneneinstrahlung Sonnenbrand droht.

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"Wir wollen die UV-Prävention stärken", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze bei ihrem Besuch der Zentrale des BfS in Neuherberg. Dafür brauche man aber ein aussagekräftiges deutschlandweites UV-Messnetz. "Das bauen wir nun entsprechend aus", erklärte die SPD-Politikerin. Jedes Jahr erkrankten in Deutschland mehr Menschen an UV-bedingtem Hautkrebs, sagte Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz. Nach Angaben des BfS erkrankten im Jahr 2015 etwa 293 000 Menschen in Deutschland neu an Hautkrebs, davon etwa 258 000 an Hautkrebs hellen Typs und 35 500 am schwarzen Hautkrebs, dem Melanom. Dies sind etwa zehn Prozent mehr als noch im Jahr 2013, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz mit.

Im Sitz des Bundesamts in Neuherberg werten Wissenschaftler übrigens nicht nur UV-Strahlen aus, sondern auch radioaktive Strahlung. Im Münchner Norden, aber auch in der Zentrale des Radiologischen Lagezentrums in Köln sowie an weiteren Standorten in Deutschland laufen die logistischen Fäden in einem atomaren Notfall zusammen. Das BfS ist in diesem Netzwerk die zentrale Instanz zur Bewertung der radiologischen Lage im Ernstfall. Das kann ein Störfall in einem Atomkraftwerk sein, ein Unfall mit radioaktivem Material oder aber sogar ein Anschlag. Auch dieses Krisensystem soll nun ausgebaut werden, wie BfS-Präsidentin Paulini der Bundesumweltministerin erläuterte. "Um im Notfall wirkungsvoll handeln zu können, ist gemeinsame Vorbereitung und Planung sehr wichtig", sagte Paulini.

Entscheidend sei, möglichst schnell Art, Aktivität und räumliche Verteilung von radioaktiven Stoffen in der Umwelt zu kennen. Die Leitung hat laut dem im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Strahlenschutzgesetz das Bundesumweltministerium, das Radiologische Lagezentrum übernimmt im Ernstfall aber die Analyse und die Koordination der Maßnahmen. Für einen schnellen Überblick im Notfall werden auch Hubschrauber eingesetzt, am Montag ließ sich Svenja Schulze in einem Helikopter fotografieren. Die größte Gefahr ging da aber wohl von der Sonne aus.