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Forschung und Unterricht:Neue Projekte gegen Antisemitismus

Das Land Bayern startet ein Projekt, um jüdische Friedhöfe besser zu dokumentieren. Laufende, teils ehrenamtliche Initiativen sollten gebündelt und fachlich gesteuert werden, teilte das Kunstministerium am Sonntag mit. Ziel dabei sei auch, durch Grabinschriften mehr über die jüdische Geschichte in Bayern zu erfahren und die Informationen öffentlich zugänglich zu machen. Das dreijährige Projekt wird vom Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) koordiniert. Allein in der Bayerischen Denkmalliste sind laut Ministerium 106 jüdische Friedhöfe erfasst. Auch die Bezirke sind beteiligt. Da die Grabsteine fast durchweg stark beschädigt sind und die Inschriften zunehmend verwittern, ist ihre Erfassung dem Ministerium zufolge ein "Wettlauf gegen die Zeit". "In Zeiten eines zunehmenden Antisemitismus und eines Verlustes an Wissen über die jüdische Kultur in Bayern begrüßen wir es sehr, dass dieses Projekt demnächst am BLfD starten kann", sagte der Präsident des Bayerischen Bezirketags, Franz Löffler.

Angesichts des Anschlags auf eine Synagoge in Halle in der vergangenen Woche ergänzte Kunstminister Bernd Sibler (CSU): "Wir müssen gerade vor dem Hintergrund von Halle und anderer schrecklicher Vorfälle in der letzten Zeit unmissverständlich deutlich machen, dass Jüdinnen und Juden zu Bayern gehören und Teil unserer Kultur sind. Deshalb haben wir dieses wertvolle Projekt gestartet."

Um judenfeindliche Einstellungen stärker einzudämmen, wollen die Antisemitismusbeauftragten aus Bund und Ländern das Thema in den Schulen intensiver besprechen lassen. "Das Problemfeld Antisemitismus wird bald in den Schulen stärker als bisher auf der Höhe der Zeit behandelt werden können", sagte der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU). Die Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten, die Kultusministerkonferenz und der Zentralrat der Juden hätten dazu eine neue Arbeitsgruppe eingerichtet. Die Arbeitsgruppe soll laut Spaenle über die bisherige Verankerung des Themas in Lehrplänen hinaus neue Akzente erarbeiten und aktuelle Materialien zur Verfügung stellen.