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Forchheim:Gaffer der eigenen Rettung: Unfallfahrer filmt Bergungseinsatz

Der Mann musste aus seinem Auto herausgeschnitten werden. Die Feuerwehr ist fassungslos: Nach den Schaulustigen "fangen nun die Patienten zu filmen an".

Ein Autofahrer hat auf der Autobahn 73 bei Forchheim mit dem Handy gefilmt, wie er selbst aus einem verunglückten Wagen geschnitten worden ist. Der Wagen war mit hoher Geschwindigkeit unterwegs, hatte abbremsen müssen, war ins Schleudern geraten und in die Leitplanken gekracht. Als das Dach des verunglückten SUV von Rettungskräften aufgeschnitten wurde, sahen diese, wie der verletzte Fahrer des Wagens den Rettungseinsatz mit dem Handy festhielt. "Das ist uns noch nicht passiert", sagt Klaus Horsch, hauptamtlicher Gerätewart der Freiwilligen Feuerwehr Forchheim. Die Einsatzkräfte hätten sich ob des filmenden Mannes "nur angeschaut", und die Aktion fassungslos und "ohne Worte" zur Kenntnis genommen, berichtet Horsch.

Eine Notärztin habe den verletzten Mann später gefragt, ob er das Filmen nicht lassen wolle. Darauf habe dieser das Handy weggesteckt. "Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man fast lachen darüber", sagt Horsch. Inzwischen hätten sich Gaffer - wie im vorliegenden Fall - mitunter im Griff, "und nun fangen die Patienten zu filmen an".

Nach Angaben von Klemens Nothaas, dem stellvertretenden Leiter der zuständigen Verkehrspolizeiinspektion, wurde der Fahrer mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert, seine Beifahrerin mit dem Krankenwagen. Beim Fahrer seien diverse Knochenbrüche festgestellt worden, Lebensgefahr bestand nicht. Sein Mobiltelefon habe der Mann behalten dürfen. Über Folgen müsste man dann nachdenken, wenn der Mann das gefilmte Material öffentlich machen würde und darauf eventuell Rettungskräfte erkennbar wären, sagt Nothaas.

© SZ vom 24.06.2020 / prz/imei
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