Süddeutsche Zeitung

Förderung:Das e-Bafög kommt nicht an

  • Nach einer Bafög-Novelle können Schüler und Studenten seit diesem Wintersemester ihre Förderung über das Internet beantragen.
  • In Bayern wurden bisher nur 31 Anträge elektronisch gestellt.
  • Besser angenommen wird dagegen das Angebot, die Formulare online auszufüllen und ausgedruckt per Post zu schicken.

Von Anne Kostrzewa

Die Ausbildungsförderung Bafög können Schüler und Studenten seit diesem Wintersemester vollumfänglich online beantragen. Das Kultusministerium feierte die Neuerung als kleine Revolution - wenn auch als gesetzlich auferlegte: Eine Bafög-Novelle verpflichtete alle Bundesländer, Anträge von August an auch elektronisch zu ermöglichen.

Das Problem: Die Studentenschaft nimmt das neue e-Bafög sehr zaghaft an. Bayernweit wurden bislang nur 31 Anträge voll elektronisch gestellt - bei 80 000 Bafög-Empfängern in Bayern eine verschwindend geringe Zahl.

"Ein Bafög-Antrag ist ohnehin sehr kompliziert und bürokratisch", sagt Uwe Scheer vom Studentenwerk Erlangen-Nürnberg. "Die Hürden des e-Antrags sind ebenfalls nicht gering." Wer in Bayern seinen Antrag vollständig online stellen will, braucht allem voran ein Kartenlesegerät für den neuen Personalausweis. Das Gerät kostet je nach Modell bis zu 60 Euro. Zu teuer, sagt eine Münchner Studentin: "Davon kann ich drei Wochen essen."

Besser angenommen wird das Angebot, alle nötigen Formblätter online auszufüllen, auszudrucken und per Post abzuschicken. Im Portal bafoeg-bayern.de können auch alle nötigen Unterlagen eingescannt und digital übermittelt werden. Bayernweit wird derzeit knapp ein Drittel der Erstanträge auf diesem Weg gestellt. Für Folgeanträge nutzt immerhin jeder fünfte Bafög-Bezieher das Online-Portal.

"Eine große Zeitersparnis kann vom Online-Antrag nicht erwartet werden", sagt ein Sprecher des Studentenwerks München. Ein Vorteil sei aber, dass das Abtippen der Daten entfällt, wobei sich immer wieder Fehler einschlichen. Die Papierberge in den Bafög-Ämtern beseitigt das e-Bafög indes nicht: Dort wird nämlich jeder Online-Antrag ausgedruckt und in Papierakten abgeheftet.

Rein elektronische Akten kann es erst geben, wenn sich die Länder auf ein einheitliches System fürs e-Bafög einigen. "Wenn wir keine Insel-Lösung für Bayern wollen, müssen wir wohl noch mal von vorne anfangen", sagt Michael Piazolo (Freie Wähler), der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses im Landtag. Seine Fraktion hat der Staatsregierung deshalb gerade einen Antrag vorgelegt, der klären soll, inwiefern Bayerns Studenten und die Verwaltung tatsächlich von der jetzigen Form des e-Bafög profitieren.

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SZ vom 22.12.2016/amm
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