Flüchtlingsunterkünfte in Bayern:Betreuung und Perspektiven

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Bei der Versorgung traumatisierter Flüchtlinge sehen die Flüchtlingsvertreter dramatische Defizite. Zwar gebe es in Lindau, München und Nürnberg psychosoziale Einrichtungen, auch psychiatrische Kliniken würden einbezogen. Schätzungen gehen aber davon aus, dass mehr als 30 Prozent der Flüchtlinge traumatisiert sind - nur ein Bruchteil der Betroffenen bekommt Beistand.

Die Lücke füllen fast überall kirchliche und andere Initiativen, die Asylbewerber beraten und unterstützen. Es sind Menschen wie Margot Wingruber aus Grassau (Oberbayern), die als Freiwillige helfen. Die Sozialpädagogin glaubt: Ohne Ehrenamtliche gäbe es in vielen Unterkünften niemanden, der bei der Eingewöhnung in Deutschland, bei Behördengängen oder Arztterminen helfe. Oder bei der Wohnungssuche, wenn Flüchtlinge bleiben dürften.

Solche Szenen erlebt sie beim Besuch der Unterkunft im Ort ständig. Seit vielen Jahren leben hier Asylbewerber. Momentan sind es 87 Flüchtlinge, erklärt die Regierung von Oberbayern als Betreiberin. Für die Betreuung sorgten "eine Verwaltungsleitern und ein Hausmeister". Die Chefin kümmere sich seit 2010 auch um eine zweite Unterkunft in Engelsberg. Seit 2009 habe die Asylbewerber in Grassau keine qualifizierte Fachkraft mehr betreut, nun ist wieder eine verpflichtet. Margot Wingruber findet, diese Vernachlässigung sei auch "eine Form der Abschreckung".

Nachbarschaft

Was in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in der Asylbewerberunterkunft in Gemünden am Main passiert ist, ist unklar. Fest steht, dass es in dieser Nacht an der Außenseite des Hauses, das erst 2012 in Betrieb genommen wurde, zu brennen begann, die Bewohner wurden in Sicherheit gebracht. Da ein Zeuge zwei Gestalten zündeln sah, wird wegen Brandstiftung ermittelt. Obwohl es zuvor weder Drohungen noch Probleme gab - die Unterkunft war häufig Positivbeispiel in der Unterbringung -, sind die Flüchtlingsräte alarmiert.

Immer wieder stoßen die Unterkünfte auf Ablehnung. Bürgerinitiativen fordern, in Ruhe gelassen zu werden, anonyme Flugblätter werden verteilt. Das Bayerische Sozialministerium hat im November 2012 eine Clearing-Stelle eingerichtet, an die sich die Landkreise wenden können, um Ratschläge zu bekommen. Einigen Gemeinden gelingt es, die Flüchtlinge ohne Probleme aufzunehmen. Kennenlern-Abende und Unterkünfte, die auch Einheimische gern besuchen, zählen zu den Erfolgstrategien. Thal vom Flüchtlingsrat glaubt, es gehe darum, offen zu kommunizieren. "Wenn der Landrat rumdruckst und spät informiert, kann sich eine negative Dynamik entwickeln."

Perspektiven

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) entscheidet über jeden der 100.000 Anträge, die 2013 für Deutschland geschätzt werden. 300 Sachbearbeiter sind dafür angestellt. Im Moment liegt die Bearbeitungszeit bei acht Monaten - so lange warten die Asylbewerber im Schnitt, bis über ihren Status entschieden ist. Danach haben sie noch die Möglichkeit, vor Gericht zu klagen. In Bayern durfte 2012 gut ein Viertel bleiben. Gute Chancen haben Menschen, die vor Bürgerkriegen wie in Syrien geflüchtet sind. Anträge aus Serbien, Mazedonien oder Weißrussland, die einen erheblichen Teil der Gesamtsumme ausmachen, haben dagegen kaum Chancen. Aus dem Bamf heißt es, aussichtslose Anträge bearbeite man rasch, um Platz für die zu schaffen, die wirklich schutzbedürftig sind. Doch wenn diese einen positiven Bescheid erhalten, geht die Wohnungsnot von vorne los. Gerade in Oberbayern haben Familien enorme Probleme, eine Unterkunft zu finden und zu bezahlen.

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