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Flüchtlingshilfe der Sozialverbände:Am Rande der Kapazität

Die Sozialverbände, die den Flüchtlingen - wie hier in der Bayernkaserne - helfen, fehlt es an Personal.

(Foto: Stephan Rumpf)

Sie helfen aus mit Kleidung, Zelten, Betten und Essen: Jetzt geraten die Sozialverbände selbst an ihre Grenzen. Ihnen fehlen vor allem Berater für die vielen Flüchtlinge. Aber bei der Personalsuche machen sie sich gegenseitig Konkurrenz.

Von Dietrich Mittler

In den zurückliegenden Wochen sind Bayerns Wohlfahrtsverbände angesichts der stetig steigenden Zahl an Asylbewerbern immer wieder in die Bresche gesprungen, um Flüchtlinge mit Betten, Zelten, Kleidung, Nahrung und Getränken zu versorgen. Nun geraten sie selbst an die Grenzen ihrer Kapazität. "Wir stehen langsam mit dem Rücken an der Wand", sagt Leonhard Stärk, der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Regional - insbesondere in Oberbayern - werde der Bestand an Feldbetten knapp. "Wir kaufen nun Betten beim Händler, weil wir sonst den Bedarf bald nicht mehr decken können", sagte Stärk.

Im Sozialministerium werden die Verbände an diesem Mittwoch im neu gegründeten Koordinationsausschuss vortragen, wie die akute "Ausnahmesituation" - so die Wortwahl von Sozialministerin Emilia Müller (CSU) - gemeistert werden kann. Erfreulicherweise macht die Suche nach neuen Erstaufnahme-Einrichtungen in Bayern Fortschritte. Am Dienstag besichtigte Müller Teile der ehemaligen US-Kaserne "Ledward Barracks" in Schweinfurt, in der im Laufe des Jahres 2015 mindestens 500 Asylbewerber unterkommen können.

Doch nun geht es auch darum, System und Ordnung in die Verteilung der Asylbewerber auf die neuen Standorte zu bringen. "Da geht es ums Handwerk", heißt es aus dem Kreis der Hilfsorganisationen. Dazu gehöre, dass die benötigten Kapazitäten bereitstehen - und dabei geht es nicht nur um Betten. Die ehrenamtlichen Hilfskräfte, die in der Ferienzeit eingesprungen waren, um die heillos überfüllten Erstaufnahme-Einrichtungen München und Zirndorf zu entlasten, müssen nun wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen. Anders als im Katastrophenfall - wie beim Hochwasser im vergangenen Jahr - werden sie bei Hilfsaktionen für Asylbewerber nicht von ihren beruflichen Pflichten freigestellt.

Doch auch bei der Suche nach hauptamtlichen Kräften, die solche Arbeiten übernehmen könnten, tun sich derzeit Engpässe auf. Bei Suche nach Asylsozialberatern etwa stehen die Verbände nach übereinstimmenden Angaben jetzt vor einer schweren Aufgabe. Es brauche dringend mehr Sozialarbeiter. "Wir können unsere Leute nicht in der Geschwindigkeit aufstocken, wie die Flüchtlinge kommen", sagt ein Sprecher der Inneren Mission München. Der Stellenmarkt sei ziemlich leergefegt. Und seien die Sozialpädagogen erst einmal gefunden, brauche es wiederum mehr Verwaltungskräfte. Von den Dolmetschern gar nicht zu reden, die letztlich die Brücke zwischen den Asylsozialberater und den Flüchtlingen schlagen.

Gegenwärtig machen sich die sozialen Organisationen bei der Personalsuche gegenseitig Konkurrenz. Für die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge etwa müssen weitere Erzieher, Sozialpädagogen und Therapeuten rekrutiert werden. "Das ist ein Problem", sagt Werner Pfingstgraef von der Rummelsberger Diakonie. Er spricht potenzielle Mitarbeiter mittlerweile schon am Ausbildungsplatz, beziehungsweise an den Universitäten an.

Am Freitag bereits stehen weitere Gespräche im Sozialministerium an. Hier liegt der Fokus auf politischen Fragen. BRK-Präsident Theo Zellner sagte, es sei zwar begrüßenswert, dass die Asylsozialberatung nun in den Erstaufnahme-Einrichtungen aufgestockt werde. Dies müsse aber in einem zweiten Schritt auch in allen anderen Flüchtlingsunterkünften geschehen. Zudem müsse sich der Freistaat mehr als bislang an den Kosten beteiligen. "Dies werden wir mit Nachdruck vertreten", sagte Zellner.

© SZ vom 24.09.2014

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