Flüchtlingsheim in der Oberpfalz Wie Neustadt auf den Brandanschlag reagiert

Ein Asylbewerber und sein Sohn stehen mit einem Polizisten nach dem Anschlag vor dem Flüchtlingsheim.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Im oberpfälzischen Neustadt a. d. Waldnaab ist ein Anschlag auf ein Flüchtlingswohnheim verübt worden.
  • Möglicherweise waren es Ausländerfeinde, die das Feuer gelegt haben.
Von Andreas Glas, Neustadt a.d. Waldnaab

Auch Bürgermeister Rupert Troppmann (CSU) hat das Feuer aus dem Schlaf gerissen. Es war früh am Morgen, als sein Telefon läutete. Die Polizei war dran, erzählte ihm vom Anschlag auf das Flüchtlingswohnheim in Neustadt a. d. Waldnaab, einem 6000-Einwohner-Ort in der Oberpfalz. Dass so etwas geschehen könnte, sagt Troppmann, sei für ihn "unvorstellbar" gewesen. Weil die Bewohner das Feuer rasch bemerkten, wurde keiner von ihnen verletzt. Doch der Verdacht steht jetzt im Raum. Der Verdacht, dass es Ausländerfeinde waren, die das Feuer gelegt haben. "Das entsetzt uns", sagt Neustadts Bürgermeister.

Mitten in der Nacht, um 3.20 Uhr, hatte ein Bewohner Rauchschwaden bemerkt. Sie kamen aus dem Aufenthaltsraum, einer früheren Wirtsstube. Als er nachschaute, brannte dort eine Eckbank, offenbar auch der Teppich. Er weckte seine 18 Mitbewohner, darunter drei Kinder, rettete ihnen womöglich das Leben. Dann rief er die Feuerwehr, die den Brand nach 20 Minuten im Griff hatte, inzwischen ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. Einer der Bewohner soll in der Nacht beobachtet haben, wie zwei Männer aus dem Fenster im Erdgeschoss gesprungen und weggerannt seien. Eine dritte Person soll vor der Unterkunft gewartet haben. "Wir gehen die Ermittlungen mit der entsprechenden Akribie und Sensibilität an", sagt Polizeisprecher Michael Rebele. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund schließt er nicht aus.

Nicht die erste fremdenfeindliche Tat im Landkreis

Sollte sich der Verdacht bestätigen, es wäre nicht die erste fremdenfeindliche Tat im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. In der Ortschaft Floß hatten Rechtsradikale Mitte April Wegweiser und Ortsschilder mit SS-Runen und Hakenkreuzen beschmiert, im Dörfchen Mantel warf ein Unbekannter während des Gottesdienstes einen Stein durch das Kirchenfenster und brüllte Nazi-Parolen. Und bereits vor drei Jahren waren im Landkreis Flugblätter verteilt worden - mit der Aufschrift "Das Boot ist voll - Keine Asylbewerber in Waldau". Das 600-Einwohner-Dorf Waldau liegt ebenfalls im Landkreis Neustadt. "Nachdem sich das in der Region häuft, muss man prüfen, ob es da Zusammenhänge gibt", sagt der Regensburger Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol (Grüne).

Er könne nicht für den Landkreis sprechen, sagt Neustadts Bürgermeister Troppmann, aber in seiner Stadt gebe es "weder ausländerfeindliche Tendenzen noch eine rechtsextreme Szene". Das Gegenteil sei der Fall, sagt Troppmann. Die Asylbewerber seien im Sportverein integriert, es gebe freiwillige Helfer im Ort, kürzlich habe man "eine Vernissage mit Kunst von Asylanten" veranstaltet. Troppmann glaubt, dass Einzeltäter den Brandanschlag verübt haben: "Unser Landkreis hat 100 000 Einwohner, da gibt es immer ein paar Verrückte. Man kann nicht von fünf oder sechs Verrückten auf eine ganze Stadt schließen."

Brand in Oberbayern vor rund einem Monat

Bayernweit häufen sich die Übergriffe auf geplante und bereits genutzte Unterkünfte für Flüchtlinge. Erst vor rund einem Monat hatten Unbekannte im oberbayerischen Reichertshofen Feuer in einem früheren Gasthof gelegt, in den Flüchtlinge einziehen sollten. Zwei Tage danach brannte im fränkischen Waldaschaff der Papiercontainer eines Flüchtlingswohnheims. Und im fränkischen Vorra gab es bereits Ende 2014 einen Brandanschlag auf zwei geplante Asylunterkünfte.

In Neustadt konnten die Asylbewerber inzwischen in ihre Unterkunft zurückkehren. "Ich habe Angst, dass so etwas noch einmal passiert", sagt einer von ihnen.