Flüchtlinge in Pfarrkirchen Wer im Bus sitzt, weiß er vorher nie

Immer montags gibt er bei der Regierung von Niederbayern die Zahl der freien Betten durch. 50 hat er hier, verteilt auf Zwei- bis Fünfbettzimmer mit Gemeinschaftsdusche. Wasmeier weiß nie vorher, wer im Bus sitzen wird, welche Schicksale, welche Nationalitäten. Er achtet peinlich darauf, dass es mit den Nachbarn keine Probleme gibt. "Ich will ein gutes Klima, weil wir in der politischen Diskussion stehen", sagt er. Gerade hat ihn ein junger Eritreer um ein Kruzifix für sein Zimmer gebeten, Wasmeier hat es in einem leeren Raum für ihn abgeschraubt. "Schreiben's des!"

Diese Menschen fliehen nach Deutschland

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Von den Ankömmlingen sind nur wenige auf dem Gang zu sehen. "Die sind fertig, die hauen sich in die Falle", sagt der Heimleiter. Da ist die Frau aus Kongo, die auf der Flucht mehrmals vergewaltigt wurde, zuletzt im griechischen Durchgangslager. Da ist ein junger Syrer, der dünn und stumm im Eingang steht und nicht so recht zu wissen scheint, was er hier verloren hat. Tagsüber schlichtet Wasmeier Streit, wenn es nachts zu laut war: "Manche schreien wie am Spieß, wenn sie schlimme Träume haben. Da sind die anderen sauer, weil sie aufwachen." Alltag im Asylbewerberheim. Gerade war eine Gruppe vom Frauenbund da und hat Winterkleidung gebracht.

Viel Wohlwollen spürt der Heimleiter hier. In der Kirche haben sie sich gefreut, als die Flüchtlinge halfen, die schwere Erntekrone hinauszutragen. Aber damit die Stimmung so bleibt, muss alles picobello sein. Kein Schmutz, keine Gewalt. Wasmeier wartet, wie er sagt, "auf Besuch der Neonazis". Die stellen sich vor jedes Heim im Rottal und fotografieren es. In Schönau hat eine rassistische Gruppierung mit dem perfiden Namen "Dritter Weg" Flugblätter gegen Asylbetrug verteilt. Die Leute im Ort habe das "Gott sei Dank" null beeindruckt.

Kein Zögern vom Passauer Bischof

Im Passauer Palais sitzt der neue Bischof in seinem blitzweißen Büro und verfolgt mit Interesse, was da rund um die Wallfahrtskirche geschieht. Stefan Oster sagt: "Es liegt in der Natur von jedem von uns: Das Fremde macht zunächst Unbehagen." Früher, als er noch als Journalist gearbeitet habe, habe sich das aber stärker bemerkbar gemacht, meint er. "In den Achtzigerjahren war es problematischer. Die Menschen haben sich geöffnet, die Gesellschaft hat sich entwickelt."

Für ihn war es keine Sekunde eine Frage, das Salvatorkolleg zu öffnen; Betten, Küchen, alles sei doch schließlich da. Gerade hat er eine Predigt für die Diakonenweihe am Samstag geschrieben. Es geht um das Weltgericht im 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Da teilt Jesus die Menschheit zur Linken und zur Rechten ein. "Der Herr zählt hier lauter Unterlassungen. Da hat keiner etwas Böses getan, sondern er hat etwas Gutes unterlassen", erklärt der Bischof. "Und so ist die Kirche, jeder Christ, jede Christin, aufgerufen, Menschen in Not zu helfen."

Auf jene Menschen in Pfarrkirchen, die unterschwellig Angst verspüren, will der Bischof auch eingehen. Ein runder Tisch der Diözese zur Flüchtlingsarbeit soll aufklären. Und die Wallfahrt, "ein Herzensanliegen der Gläubigen", will Oster auch erhalten. Er sucht gerade intensiv nach Ordensleuten, die in das Kloster einziehen könnten. Der Bischof lächelt. Denn die Chancen stehen gut. Und so könnte es sein, dass bald Flüchtlinge und Patres gemeinsam auf dem Gartlberg wohnen.