Flüchtlinge in Bayern:"Vom Paradies in die Wüste"

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Einer der Flüchtlinge kniet davor, und putzt ihn wie besessen. Als ob er sein Leben in der Tennishalle beseitigen könnte. Reden will er nicht. Neben ihm läuft CNN im Fernsehen, ohne Zuschauer. Über der Bar hängen ein paar gelbe Luftballons mit Smileys, vom letzten Tennis-Fasching vielleicht. An den Wänden sind noch adventlich geschmückte Kerzen angebracht. Neben Stanschus und einer jungen Mitarbeiterin sitzen die Freiwilligen vom Helferkreis. Sie bieten Deutschkurse an, organisieren warme Kleidung und Decken.

"Sie unterstützen uns gut", sagte Joseph drinnen in der Halle. Doch all der gute Wille kann nicht helfen, Joseph ist immer noch fassungslos, wenn er in der Tennishalle sitzt. Denn er hat gesehen, dass der Kreis Dachau auch andere Unterkünfte hat als eine Tennishalle im Stil der 1980er Jahre. Im nahen Hebertshausen hat er bis vor wenigen Wochen in einem ehemaligen Altenheim gewohnt. Doch das war chronisch überbelegt, Joseph musste umziehen. "Vom Paradies in die Wüste", sagt er.

Am frühen Nachmittag dringt aus der Halle ein Klirren, Hammerschläge auf Metall. Die ersten vier der sieben Neuen sind kurz nach Mittag gekommen. Sie müssen selbst schauen, wie sie zurechtkommen, ein paar der Arrivierten helfen ihnen beim Zusammenbauen der Metallbetten. Schwieriger wird schon die Suche nach einem freien Platz dafür, denn der Gang in der Mitte muss frei bleiben. "Fluchtwege", hatte Landratsamt-Mitarbeiter Stanschus am Morgen dazu gesagt. Ein junger Mann aus Mali reißt seine eingeschweißte Matratze auf, dann sucht er eine Decke aus dem Haufen. "Microfaser Sommer Steppbett" steht darauf.

Stanschus ist da schon weg, er wird die Neuen erst in der Woche darauf kennenlernen. Er hatte sie schriftlich für zehn Uhr bestellt. Als sie um 11.30 Uhr noch nicht da sind, weil sie die Halle nicht gefunden haben, packt er die Akten zusammen und verabschiedet sich mit seiner jungen Mitarbeiterin. Die Überstunden, sagt er. "Ich könnte bis Mitternacht hier sitzen, es gibt immer noch ein Problem zu lösen." Die beiden gehen vorbei am Tresen, dort hat jemand ein Plakat aufgehängt. "Heimat - Wurzeln für die Zukunft" steht darauf.

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