Flüchtlinge in Bayern:Wie sich Helfer vernetzen

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Hösle weiß aus eigener Erfahrung, dass die in Helferkreisen Mitwirkenden unglaublich viel Zeit und Kraft investieren. Oft auch Nerven, wenn sie etwa Asylbewerber bei Behördenbesuchen beistehen müssen. Aber sie bekämen viel zurück - längst nicht nur die Dankbarkeit der Asylbewerber.

"Unsere Gesellschaft war bis dato in einem gesättigten und paralytischen Zustand", sagt Hösle. Nun begännen die Leute etwa auch darüber nachzudenken, ob sie tatsächlich gute Kleidung in den Mülleimer werfen sollen, statt sie Menschen in Not zu geben. Auch BRK-Helferin Sara Wurzinger machte diese Erfahrung: Es entstehe eine neue Form von Zusammenhalt. "Die Zusammenarbeit mit allen anderen Helfern, das klappt wirklich gut", sagt sie. Das schweiße zusammen.

Wie viele Asylhelfer es in Bayern gibt, kann Hösle nicht sagen. Und das, obwohl "inzwischen alle Helferkreise miteinander vernetzt seien" - etwa über Facebook oder andere Kommunikationsnetzwerke wie WhatsApp und Doodle. Indes, die Unkenntnis über die genaue Zahl der Asyl-Initiativen eint den Babenhauser Künstler mit dem bayerischen Sozialministerium.

Warum die Landespolitik hinterherhinkt

Sozialministerin Müller kündigte am Freitag an, bis Ende 2016 insgesamt 500 000 Euro zur Verfügung zu stellen, um hauptamtliche Koordinatorenstellen für ehrenamtliche Asylhelfer zu fördern. Es gebe zwar bereits viele Asylhelfer - etwa für Sprachkurse oder Kleiderspenden. Doch da seien noch mehr Interessierte, "die gerne helfen würden, aber nicht wissen, wohin sie sich wenden können", sagt Müller. Diese bekämen mit den Koordinatorenstellen einen zentralen Ansprechpartner.

Auch hier hat die Wirklichkeit die Landespolitik weit hinter sich gelassen. Die Stadt Passau etwa hat längst eine Koordinationsstelle eingerichtet, kleinere Gemeinden, wie etwa Hebertshausen im Kreis Dachau, geben die Telefonnummern der Asylhelfer über ihre Gemeindeblätter weiter. Dorthin könne man sich wenden, wenn man selbst mithelfen wolle oder auch nur gebrauchte Fahrräder für die Flüchtlinge abzugeben habe.

Zumeist haben die örtlichen Helferinitiativen inzwischen selbst eine Internetseite - bisweilen perfekt gestaltet mit Anmeldeformular. Oder so wie etwa im oberbayerischen Eichenau: mit Ansprechpartnern, je nachdem, wie sich Interessierte einbringen wollen - etwa bei der Organisation von Sprachkursen, bei Patenschaften für Einzelpersonen oder Familien bis hin zur medizinischen Versorgung der Flüchtlinge.

Was die Helfer eint

"Die Struktur unserer Helferkreise ist sehr bunt und regional oft völlig unterschiedlich", sagt Adi Hösle. Das gelte auch für die politische Einstellung der Helfenden. Darunter seien Konservative ebenso wie Grüne oder Rote. "Was uns alle eint, ist die Überzeugung, diesen Menschen, die hier völlig allein gelassen ankommen, helfen zu müssen." Hösles Credo würde auch Sara Wurzinger unterschreiben, obwohl sich das BRK-System organisatorisch doch so völlig von den kleinen Helferkreisen unterscheidet.

Beim BRK funktioniert die Hilfe - vergleichbar einem Hochwasser-Einsatz - nahezu militärisch exakt durchgeplant. Doch Florian Halter, der den BRK-Hilfseinsatz am Brennpunkt Freilassing organisiert, stellt eines klar: "Keiner wird bei uns zum Dienst verdonnert. Wer helfen will, kann helfen."

Momentan greift das BRK nur auf eigenes Personal aus den Bereitschaften sowie der Wasser- und Bergwacht zurück, denn für die Arbeit ist eine Sanitäterausbildung unabdinglich. "Aber wir sagen anderen Hilfswilligen nicht: Aus, das war's!" Diese Leute, sagt Halter, würden zum Helferkreis "Freilassing hilft" weitergeleitet. Das Netz der Freiwilligen steht zusammen.

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