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Flüchtlinge:Die Kirche zeigt ihr hartes Herz

Die Räumung des Regensburger Pfarrheims ist juristisch in Ordnung. Doch die Kirche hat damit eine Chance zur Diskussion vertan.

Kommentar von Andreas Glas

Eine Kirche ist kein rechtsfreier Raum, und Kirchenasyl ist kein Grundrecht. Formal ist es also in Ordnung, dass sich das Bistum Regensburg nicht länger verantwortlich fühlt für die Menschen aus den Balkanländern, die vier Wochen lang Zuflucht gesucht hatten - zuerst im Dom, dann im Pfarrheim Sankt Emmeram.

Die Kirche kann und darf keine Asylpolitik betreiben, dafür muss der Staat selbst sorgen. Eine politische Debatte darf die Kirche dagegen schon anstoßen. Die Debatte zum Beispiel, ob die derzeitige Abschiebepolitik gegenüber Balkanflüchtlingen zu streng ist und Härtefälle ignoriert. Die Chance auf eine solche Debatte hat das Regensburger Bistum vertan.

Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch statt Nächstenliebe

Dabei bietet die bayerische Asylpolitik einige Ansätze zur Diskussion. Etwa die rigide Abschiebepraxis in den sogenannten Balkanzentren in Ingolstadt oder in Bamberg, wo innerhalb eines knappen Jahres exakt null Asylanträge bewilligt wurden. Dass es unter Tausenden von Antragstellern auch solche gibt, deren Not in Wahrheit nicht so groß ist, wie sie vorgeben, versteht sich von alleine.

Dass darunter aber kein Einziger ist, der in seinem Heimatland tatsächlich um seine Gesundheit oder um sein Leben bangen muss - kann das wirklich sein? In Ländern, in denen Sinti und Roma nachweislich diskriminiert und ausgegrenzt werden?

Statt solche Fragen zu stellen, hat das Regensburger Bistum die Flüchtlinge zunächst stillschweigend geduldet und irgendwann wegen Hausfriedensbruch angezeigt. Sogar die Versorgung mit Lebensmitteln hat die Kirche am Ende blockiert, um die Flüchtlinge, darunter acht Kinder, aus dem Pfarrheim zu ekeln - obwohl die Menschen da bereits angekündigt hatten, freiwillig zu gehen. Mit dieser Hartherzigkeit hat sich die Kirche der Asylpolitik des Freistaats angepasst. Eine eigene Position hätte der Kirche wesentlich besser zu Gesicht gestanden.

© SZ vom 10.08.2016/bhi

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