Flucht nach Deutschland Endstation Bahngleis

Kontrolle am Bahnhof Raubling - 175 illegale Migranten wurden im Juli bayernweit aufgegriffen, als sie mit Güterzügen einreisen wollten.

(Foto: Bundespolizei)

Immer wieder finden Bundespolizisten Flüchtlinge auf Güterzügen. Dabei wäre es ihnen am liebsten, niemanden zu entdecken. Unterwegs bei Rosenheim an einem Morgen der Suche.

Von Matthias Köpf, Raubling

Die Lichtkegel streichen träge durch die regenfeuchte Dunkelheit. Planen, Containerwände, Kupplungen ziehen langsam vorbei, bis die Waggons mit einem letzten Ruck ganz zum Stehen kommen und wieder ein paar Zentimeter zurückschwingen, weil die beiden schweren Loks nicht mehr ziehen.

Dafür werden nun die Lichtkegel schneller, streifen Schienen, Schwellen, nassen Schotter, blank polierte Räder. Dann der Funkspruch, alle Oberleitungen sind vom Netz, der Mann von der Bahn hat am Nachbargleis das Erdungskabel auf den Draht gehoben.

Erst jetzt setzen sich die Polizisten in Bewegung, die sich in Vierergruppen am Bahnsteig verteilt haben. Sie schwingen sich auf die Puffer zwischen den Waggons, klettern auf Querstreben, spähen über Dachkanten, zwängen sich unter Waggons.

Hier unten im Gestänge und Gewirr aus rostigem, dreckigem, metallisch stinkendem Stahl treffen sich die Lichtkegel der Taschenlampen, strahlen zurück von der Warnweste des Kollegen auf der anderen Seite des Zugs. Auf schmutzigen Stoff, Turnschuhe, nackte Haut treffen sie diesmal nicht.

Knappe 20 Minuten brauchen die Beamten für den etwa 200 Meter langen Güterzug. Am Ende wieder ein Funkspruch: "Absuche beendet, keine Feststellungen." Dieses Ergebnis ist den Bundespolizisten, die an diesem sehr frühen und sehr regnerischen Morgen im Bahnhof von Raubling bei Rosenheim schon wieder bei einer Güterzugkontrolle im Einsatz sind, das liebste.

Natürlich suchen sie, um zu finden. Deshalb leuchten sie ja auf die schmalen Stege, die den Boden der Containerwaggons bilden, öffnen Container ohne Zollplomben, winden sich in die stählernen Wannen unter den Lkw-Aufliegern, die per Bahn über den Brenner gekommen sind.

Die Beamten der Bundespolizei schauen ganz genau hin, wenn sie die Auflieger der Züge, die vom Brenner kommen, überprüfen.

(Foto: Claus Schunk)

Diese Wannen zählen zu den bevorzugten Verstecken der Menschen, die auf diesem Weg nach Deutschland kommen wollen: in einem an die 100 Kilometer pro Stunde schnellen Güterzug, keinen Meter über den Gleisen, keinen Meter von den stählernen Rädern, zwischen dreckigen Zwillingsreifen eines Lkw, die wenigstens vor der ärgsten Zugluft und vielleicht vor oberflächlichen Blicken schützen.

Vor den Blicken der mehr als 30 Bundespolizisten schützen sie nicht, die heute in Raubling im Einsatz sind und bei aller Akribie hoffen, trotzdem möglichst wenige Migranten zwischen den Fahrgestellen hervorziehen zu müssen. Denn die Fahrt ist für die blinden Passagiere lebensgefährlich.