Wenn der 96-jährige Lorenz Zitzmann heute von seinem Beruf erzählt, den er ein halbes Jahrhundert ausgeübt hat, dann bekommt man schon nach wenigen Minuten ein beklemmendes Gefühl. Man sieht ihn vor sich, wie er als junger Mann mit Stoßbesen und Schultereisen bewaffnet in die engen, verrußten Kaminschächte der Häuser einsteigt und Halt sucht. "Platz- und Höhenangst hast ned haben dürfen, wenn du ein Schlotfeger sein wolltest", erzählt Zitzmann, "und am Ende wurde man immer dunkelschwarz." Es gibt ein paar wenige Bilder von ihm, wie er als junger Mann in den Nachkriegsjahren in einer weißen Oberpfälzer Schneelandschaft steht, der Kontrast zu seinem traditionellen schwarzen Kehranzug und dem verrußten Gesicht könnte kaum größer sein. Dabei ist Lorenz Zitzmann aus Waldthurn, Jahrgang 1927, weit mehr als ein gewöhnlicher Kaminkehrer, vielmehr ein selten gewordener Jahrhundertzeuge des dunkelsten Kapitels deutscher Vergangenheit.
NS-TerrorDer Schlotfeger von Flossenbürg
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Lorenz Zitzmann, 96, musste als Jugendlicher erst im Konzentrationslager arbeiten. Später wurde er als Soldat an die Front geschickt. Die Erinnerungen an die Zeit verfolgen ihn bis heute.
Von Thilo Komma-Pöllath, Flossenbürg
