Süddeutsche Zeitung

Nachruf auf Florian Besold:Ein Verfassungspatriot ist tot

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Der Rechtsanwalt und Präsident der Bayerischen Einigung galt als sprachgewaltiger Verfechter der Bayerischen Verfassung. Diese Verfassung alljährlich am 1. Dezember zu feiern, war ihm geradezu eine Notwendigkeit: "Denn Bayern ist es wert".

Von Hans Kratzer

Als am vergangenen 1. Dezember im Münchner Hofbräuhaus die jährliche Verfassungsfeier abgehalten wurde, fehlte zum ersten Mal die wichtigste Person der Traditionsveranstaltung. Der Münchner Rechtsanwalt Florian Besold, die treibende Kraft der Verfassungsfeiern, war einige Tage zuvor schwer erkrankt. Der Festtag wird auch künftig ohne ihn stattfinden, denn in der vergangenen Woche ist Florian Besold mit 74 Jahren gestorben.

Der Historiker Hermann Rumschöttel würdigte Besold in seiner Festrede als "sprachgewaltigen Repräsentanten des bayerischen Verfassungspatriotismus". In der Tat fand die Bayerische Verfassung in Besold einen leidenschaftlichen Verfechter und Förderer. In Zeiten, in denen rechte und linke Kräfte alles attackierten, was die Verfassung vertrete, dürfe man keinen Millimeter nachgeben, tat er regelmäßig kund.

Von 1988 bis 2024 wirkte Besold als Präsident der vor 70 Jahren gegründeten Bayerischen Einigung und als Vorsitzender des Vorstands der Bayerischen Volksstiftung. In diesen Ämtern wirkte er überparteilich, wobei er großen Wert darauf legte, alle gesellschaftlichen Gruppierungen und Konfessionen bei der Gestaltung von Staat und Kultur einzubeziehen.

Die von ihm ausgerichteten Verfassungsfeiern sollen daran erinnern, dass die Bayerische Verfassung am 1. Dezember 1946 durch freie Abstimmung vom Volk angenommen wurde. Am liebsten hätte Besold den Verfassungstag zum gesetzlichen Feiertag erklären lassen. "Immerhin", so sagte er, "würdigen wir an diesem Tag die entscheidende Grundlage unseres Staates." Die Bayerische Verfassung war für ihn kein Wiegengeschenk der Geschichte, sehr wohl aber die entscheidende Klammer des Gemeinwesens und ein Schatz, "von dem die Menschen in vielen Ländern dieser Erde nur träumen können." Er warnte aber auch vor der Gefahr, die Bayerische Verfassung zu folklorisieren.

Oft wies Besold darauf hin, dass es nicht der Landtag, sondern die Bayerische Einigung gewesen sei, die eine Verfassungsfeier ins Leben gerufen habe. "Denn Bayern ist es wert", pflegte er seine Reden zu beschließen. Um die Verfassung populärer zu machen, initiierte er unter anderem den Verfassungspreis "Jugend für Bayern", und darüber hinaus landesweite Wettbewerbe an Schulen, aus denen beispielsweise eine von Schülern ersonnene dritte Strophe der Bayernhymne hervorgegangen ist.

Besold engagierte sich in zahlreichen Vereinen, Verbänden und Institutionen, unter anderem im wissenschaftlichen Beirat " Orte der Demokratie" des Bayerischen Landtags, im Vorstand des Rudolph Moshammer Verein Licht für Obdachlose e.V., im Vorstand der Münchner-Künstlerhaus-Stiftung, im Freundeskreis Haus der Bayerischen Geschichte e.V., im Kuratorium des Instituts für Bayerische Geschichte an der LMU München, im Kuratorium des Münchner Bach-Chors, im Kuratorium der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste und als Missbrauchsbeauftragter der Katholischen Kirche in Schwaben . 2009 wurde ihm der Bayerische Verdienstorden verliehen. Die Beerdigung findet im engsten Familienkreis statt.

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