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Bayerischer Wald:Die Nationalparks für die Besucher aus dem anderen Land öffnen

Die Nationalparks grenzen über viele Kilometer aneinander. (SZ-Grafik)

Anders als der Nationalpark Bayerischer Wald war der Šumava bis weit ins 20. Jahrhundert relativ dicht besiedelt. Zwar hatten die Orte oft nur hundert oder etwas mehr Einwohner. Aber mit ihren Bauernhöfen, den Wiesen und Weiden prägten sie die Grenzlandschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Dörfer abgesiedelt. Die deutschen Bewohner wurden nach Bayern vertrieben, die tschechischen ins Hinterland.

Häuser, Höfe und Kirchen wurden zerstört. Gleichwohl drücken sie immer noch dem Land ihren Stempel auf. In Bučina und den vielen anderen Wüstungen muss man nur genau hinsehen, um im hohen Gras alte Fundamente zu erkennen, dazu die langen Steinriegel, mit denen die Dörfler die Weiden abgrenzten. Es ist diese besondere Mischung aus wilder Waldnatur und alter Kulturlandschaft, die den Šumava zu etwas Besonderem macht.

Den Naturschutz im Park ernst nehmen

Pavel Hubený ist dem Šumava tief verbunden. Der 52-jährige Geograf, der mit seiner jungen Frau und den beiden kleinen Kindern mitten im Wald in einem einsamen Forsthaus lebt, arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Nationalpark. Vor Kurzem wurde er an seine Spitze berufen. "Mit Hubený hat sich auf einen Schlag alles zum Positiven gewendet", sagt Franz Leibl. "Er ist der erste, der richtig ernst macht mit dem Naturschutz im Šumava." Tatsächlich hat Hubený bereits einen Nationalparkplan vorgelegt, der die nächsten 15 Jahre gelten soll: "Er garantiert, dass unsere Naturschätze langfristig erhalten bleiben."

Aber nicht nur das. Leibl und Hubený streben eine enge Zusammenarbeit an. Natürlich zu allererst beim Naturschutz. Er soll nun nicht mehr an der jeweiligen Staatsgrenze aufhören. Auch in der Forschung wollen sie gemeinsame Projekte starten, egal ob über die Luchse in der Region oder den Klimawandel. Vor allem aber wollen Leibl und Hubený ihre Nationalparks sehr viel stärker für Naturliebhaber aus dem jeweils anderen Land öffnen. Dazu planen sie ein Netz aus grenzüberschreitenden Wegen, Lehrpfaden und allerlei naturkundlichen Stationen.

Pilotprojekt über Grenzen hinweg

So wie am Siebensteinkopf. Dort haben die Nationalparks schon vor einiger Zeit "Wege durch Natur und Zeit" markiert - als Pilotprojekt sozusagen. So führt auf deutscher Seite ein Pfad den Reschbach entlang hinauf in Richtung Siebensteinkopf, wo ein wilder Wald wächst, voller abgestorbener, ergrauter Fichten, die wie knochige Finger in den Himmel ragen. Dazwischen kommen schon die jungen Bäume nach. Einige sind erst kniehoch, andere reichen einem schon über den Kopf hinaus. Sie bilden ein schier undurchdringliches Dickicht, durch das man nur den nahen Reschbach rauschen hört.

An einer Gabelung zweigt der Steig auf den Siebensteinkopf ab. Der eigentliche Pfad folgt ein kurzes Stück der tschechischen Grenze. Dann biegt er scharf nach links ab, hinüber zum Moldau-Ursprung. Wenig später hat man die Wahl - entweder man wandert weiter in Richtung Moldauquelle oder hinüber nach Bučina. Die Wüstung ist in diesen milden Wintertagen ein eindrucksvolles Erlebnis - vor allem spätnachmittags, wenn die Sonne glutrot am Horizont untergeht und in der beginnenden Dunkelheit auf einen Schlag Nebelschwaden über die Wiesen ziehen.

© SZ vom 31.12.2015/vewo
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