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Finanzminister Markus Söder:Der Chef auf dem Bolzplatz

Markus Söder eröffnet Schifffahrtssaison

Oberwasser: Markus Söder als Kapitän der MS Bernried auf dem Starnberger See, ganz in seinem Element.

(Foto: Fuchs)

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Seehofer-Nachfolge? Das war einmal. Markus Söder hat auch in diesem Jahr beim Maibockanstich bewiesen, dass er vor Kraft kaum laufen kann. Ilse Aigner kommt dagegen nicht in die Gänge.

Von Frank Müller

Im Januar hat Horst Seehofer verkündet, er wolle nun zwei Jahre nichts mehr zur Kronprinzenfrage sagen. Und sich daran weitgehend gehalten. Damit hat sich der CSU-Chef gleich zwei Gefallen getan. Zum einen hat er damit das Namedropping um die Führungsreserve für seine Nachfolge eingebremst.

Am Ende konnte schon jedes Neumitglied der Schüler-Union Seehofers Worte im Schlaf herbeten, dass zwar der Markus (Söder) gute Karten habe, aber auch die Ilse (Aigner), dass man aber dabei den Joachim (Herrmann) nicht vergessen dürfe und keinesfalls natürlich die Christine (Haderthauer), übrigens auch nicht den Alexander (Dobrindt).

Zum zweiten entgeht Seehofer dadurch, dass er diese Litanei nicht mehr ständig aufsagt, einer ziemlichen Peinlichkeit. Ein Gleichgewicht dieser fünf Namen würde ihm heute niemand mehr abnehmen. Auch wenn es bis zur Entscheidung über die Nachfolge noch Jahre dauern dürfte und Vorhersagen deswegen unmöglich sind: Zumindest derzeit hat sich Finanzminister Markus Söder im Kampf um Platz zwei in Bayern sehr klar nach vorne geschoben.

Ein Schwall von Frechheiten

Seit Monaten schon lässt sich in München fast täglich beobachten, wie hoch das Oberwasser ist, auf dem Söder schwimmt. Vorläufiger Höhepunkt war nun der Auftritt des Finanzministers beim Maibock-Anstich. Niemand im Kabinett oder in der Partei würde es wagen, Seehofer einen solchen Schwall von Frechheiten zu übermitteln, ob im Ernst oder im Scherz.

"Im Kabinett geht es sehr harmonisch zu, die Stimmung ist gut, nur einer stört", sagte Söder am Mittwochabend in seiner selbst geschriebenen Rede im Münchner Hofbräuhaus über Seehofer. "Unsere Sorge ist nicht, wann er aufhört, unsere Sorge ist, ob er überhaupt irgendwann aufhört."

Auch Seehofer hat es einst ohne Furcht vor dem Freund nach oben geschafft

Das Besondere an Söders Witzeleien ist, dass ihr Prinzip der ironischen Rempelei nicht zuletzt von Seehofer selbst gepflegt wird. Dessen despektierlicher Umgang mit Parteifreunden ist bei diesen gefürchtet. Der Unterschied zwischen Seehofer und Söder: Der Regierungschef tritt kraft Amtes nach unten. In die Gegenrichtung zurückzugeben, wie es der Finanzminister tut, erfordert deutlich mehr Mut.

Dass andererseits Seehofer auch das gefällt, zumindest aber Respekt abnötigt, darauf kann man wetten. Schließlich hat auch er es ohne Furcht vor dem Freund nach oben geschafft. Und ein bolzplatzhaftes Verständnis von Parteiarbeit gehört eben zu seinem Politikstil.

In Seehofers stahlgebadeter Regierungsmannschaft gibt es vermutlich keinen mehr, der inzwischen nicht mal gerne ein Bein stehen ließe, wenn der Chef vorbei will. Bislang tut das nur Söder, und das auch nicht erst seit jetzt. Beim Anstich vor einem Jahr empfahl Söder Seehofer als Biermarke einen "eiskalt gehopften Hallodri" - das war mindestens ebenso grob wie nun der viel gelobte Auftritt des Finanzministers vom vergangenen Mittwoch. Zumal damals das Verhältnis der beiden auf einem Tiefpunkt zu sein schien. Seehofers legendäre Weihnachtsfeier, auf der er Söder charakterliche Defizite und "zu viele Schmutzeleien" bescheinigte, lag da erst wenige Monate zurück.

Ilse Aigner kam bis heute nicht richtig in die Gänge

Zwischen den beiden Maibockanstichen lag die Landtagswahl, die eigentlich durch einen von Seehofer sorgsam eingefädelten Dualismus die eigene Macht festigen sollte. Markus Söder hier, Ilse Aigner dort - dieses Rennen war vielleicht einmal offen.

Doch Ilse Aigner kam nach einem rumpelhaften Start bis heute nicht richtig in die Gänge. Oft sah man sie fahrig und schlecht gelaunt vorbeihasten - und traf Sekunden später einen entspannten, scherzenden Söder. Der hebt "die Ilse" regelmäßig als vertraute Weggefährtin empor. Von ihr dagegen weiß man, dass sie Söder nicht traut.

Oft wird Aigners schwieriger Start mit dem unangenehmen Auftrag erklärt, als Wirtschaftsministerin die Energiewende managen zu müssen. Doch auch als Finanzminister ist man kein natürlicher Strahlemann.

Söder hat den Job bislang souverän ohne Fehler erledigt, muss aber mitverantworten, dass der Etat des Freistaats zuletzt spürbar aufgebläht wurde. Und noch immer neigt der Ex-Generalsekretär zum gelegentlichen Schwadronieren. Wenn er eine Kommission gegen Finanzbetrüger einsetzt, heißt das bei ihm gleich "Steuer-FBI".

Ist Bayern also nach dem gescheiterten Günther Beckstein noch einmal reif für einen Franken in der Staatskanzlei? Auf dem Ur-Münchner Maibock-Event zu bestehen, ist für einen Franken wichtig, wenn er zum Überbayern werden will. Wohl auch deswegen sagt Vielredner Söder unumwunden: "Die Maibockrede ist für mich die schwierigste Rede im ganzen Jahr."

© SZ vom 03.05.2014/amm

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