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Finanzaffäre:Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bürgermeisterin

Sandra Bonnemeier ist seit zwei Jahren Bürgermeisterin von Leutershausen. Sie streitet sich mit dem Stadtrat.

(Foto: Privat)

Sandra Bonnemeier, Rathauschefin von Leutershausen, soll bis zu 200 000 Euro an einen IT-Berater gezahlt haben

Seit die Bürgermeisterin krank beziehungsweise im Urlaub ist, greifen ihre Stellvertreter durch. Und weil nun auch die Ansbacher Staatsanwaltschaft die Vorgänge prüft, die im fränkischen Städtchen Leutershausen seit Monaten für Aufregung sorgen, könnte aus einer Provinzposse ein Kriminalfall werden. Es geht um eine Bürgermeisterin, die noch nicht einmal zwei Jahre im Amt ist, und über vieles, was sie tut, ihren Stadträten keine Auskunft geben will. Zum Beispiel über das Geld, das aus der Stadtkasse an einen IT-Berater floss, mit dem sie schon länger Beziehungen pflegt.

Aufgrund einer Anzeige in Zusammenhang mit diesen Ausgaben hat die Staatsanwaltschaft nun gegen besagte Bürgermeisterin Sandra Bonnemeier ein Ermittlungsverfahren unter dem Verdacht der Untreue eingeleitet. Die Fränkische Landeszeitung recherchierte, dass der IT-Berater aus dem Nachbarlandkreis Schwäbisch-Hall bis zu 200 000 Euro aus der Kasse des 5600-Einwohner-Städtchens kassiert habe. Wofür, das versuchen in der Abwesenheit Bonnemeiers auch die Stadträte von Leutershausen herauszufinden. Ihnen hatte die Bürgermeisterin detaillierte Informationen zu den Ausgaben unter Hinweis auf angeblich bestehende Geheimhaltungspflichten verweigert.

Bonnemeier ist insofern ein Sonderfall in der bayerischen Kommunallandschaft, weil sie sich auf eine Zeitungsanzeige bewarb, mit der die Leutershausener vor zwei Jahren einen neuen Bürgermeister suchten, nachdem sich im Ort niemand fand. Sandra Bonnemeier, in Nordrhein-Westfalen geboren und als Wirtschaftsförderin tätig, meldete sich und wurde erwartungsgemäß mit Dreiviertelmehrheit gewählt. Doch kaum im Amt, begann der Ärger. Mit ihren beiden Stellvertretern und weiten Teilen des Stadtrates ist sie inzwischen verkracht. Fast die Hälfte aller Ratsmitglieder beschwerte sich bei der kommunalen Rechtsaufsichtsbehörde, dem Landratsamt Ansbach, über das Gebaren der Bürgermeisterin. Derweil haben auch unter den Rathausbediensteten Motivation und Stimmung gelitten. Inzwischen gibt es die ersten Kündigungen.

Immer wieder geht es bei alledem um Bonnemeiers Umgang mit Geld. Zum Beispiel die Ausgaben für eine Info-Stele, welche die Bürgermeisterin vor dem Rathaus hat aufstellen lassen, ohne erforderliche Genehmigung. Das Landratsamt verfügte deshalb den Abbau. 60 000 Euro soll die Stele gekostet haben, wobei allein der IT-Berater aus dem Nachbarlandkreis 40 000 Euro kassiert haben soll. Mit dem Mann pflegte Bonnemeier bereits in ihrer früheren Tätigkeit als Mitarbeiterin in Oer-Erkenschwick geschäftliche Beziehungen.

Nicht wenige in Leutershausen und dem dortigen Stadtrat hoffen nun, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nähere Erkenntnisse zu diesen und anderen Zahlungen an den IT-Berater bringen. Bis zu einem Ermittlungsergebnis gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Von Bonnemeier selbst gibt es bislang keine Stellungnahme.