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Film über König Ludwig II.:Johnny Depp - oder wer?

In diesem Herbst soll an den Originalschauplätzen ein neuer Streifen über König Ludwig II. gedreht werden. Im Gespräch für die Hauptrolle: Johnny Depp.

Der König mochte die Kunst der Fotografie, die damals noch in den Kinderschuhen steckte. Ludwig II. ließ sich gerne ablichten, obwohl er sonst recht scheu war, und er war einer der ersten, der Autogramme an seine Untertanen verteilt hat. Es ist deshalb anzunehmen, dass ihm auch das Medium Film gefallen hätte, das er wegen seines frühen Todes nur um wenige Jahre verpasst hat.

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Soll vielleicht König Ludwig II. spielen: Hollywood-Schauspieler Johnny Depp.

(Foto: Getty Images)

Ein Typ wie Hans Jürgen Syberberg, der 1972 einen umstrittenen Film über Ludwig II. gedreht hat, wäre möglicherweise sein Haus- und Hofregisseur geworden. Vorstellbar auch, dass sein Kammerdiener ihn in kalten Winternächten wohlig im Bett liegend vorgefunden hätte, auf einer Leinwand die Werke seines Lieblingskomponisten Richard Wagner betrachtend.

Vielleicht eine Aufzeichnung der Uraufführung von "Tristan und Isolde" im Juni 1865 im Münchner Nationaltheater, die er, wenn es technisch machbar gewesen wäre, wohl hätte aufzeichnen lassen. Dass sein Leben selbst immer wieder Stoff für Drehbücher liefert, das dürfte ganz in seinem Sinne gewesen sein. Ludwig II. wollte sich verewigt sehen, nicht zuletzt in seinen opulenten Bauten.

Die Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und der nicht mehr fertiggestellte Prachtbau auf der Insel Herrenchiemsee, sie bieten alle drei auf ihre eigene Art eine wundervoll romantische Kulisse. Das weiß auch der Filmfernsehfonds Bayern (FFF), der aus ganz profanen geschäftlichen Gründen an einer Vermietung solcher "Locations" für Dreharbeiten interessiert ist. So begab sich im vergangenen Sommer der Tross von Regisseur Paul Anderson auf die Herreninsel, um dort Aufnahmen für eine 3D-Version von Alexandre Dumas' Klassiker "Die drei Musketiere" zu drehen. Immerhin hat Ludwig II. das Schloss nach dem Vorbild von Versailles erbauen lassen.

"Bayern, das bessere Frankreich" titelte BR-online einen Bericht über die Dreharbeiten. Ja, so hätten wir das gern. Weil Wunsch und Realität jedoch des Öfteren auseinanderklaffen, hält sich hartnäckig ein Gerücht: Angeblich soll ein neuer Spielfilm über Ludwig II. gedreht werden. Auftraggeber: Hollywood; Titelheld: Johnny Depp. Man hört bei diesen Worten schon die Kassen klingeln. Der gebürtige Texaner brächte auf jeden Fall die dunkle Haarpracht mit, die auch dem Bayernkönig zu eigen war. Dass ihm Schnauzer und Kinnbart vorzüglich stehen, hat der Schauspieler bereits in dem Erfolgsstreifen "Fluch der Karibik" bewiesen.

Allerdings hat der bald 48-jährige Depp schon jetzt fast sieben Jahre Lebenszeit mehr auf dem Buckel, als der echte Ludwig erreicht hat. Doch mehr als ein Gerücht ist aus Hollywood bislang nicht zu vernehmen. "Das ist höchstwahrscheinlich eine Ente", meint auch der Produzent Ronald Mühlfellner. Zu alt und zu klein sei Johnny Depp für diese Rolle, außerdem hätten seine persönlichen Nachforschungen in L.A. nichts Konkretes ergeben.

Ein anderes Ergebnis würde Mühlfellner auch kaum gefallen. Ist er doch als Produzent der Bavaria mit einem eigenen Filmprojekt über das Leben des "Märchenkönigs" beschäftigt. Mittlerweile sind die Vorbereitungen in ein konkretes Stadium getreten. An den Kulissen wird bereits gearbeitet, und zwar unter der Leitung des österreichischen Bühnenbildners Christoph Kanter, der zu den renommiertesten Vertretern dieses Metiers zählt. Für die Ausstattung des Films "Das weiße Band" von Regisseur Michael Haneke bekam er den Deutschen Filmpreis.

Was den geplanten Ludwig-Film betrifft, so laufen momentan erste Vertragsverhandlungen mit den gecasteten Schauspielern. Vom kommenden August bis zum Herbst soll gedreht werden - "selbstverständlich in Bayern." Ende 2012 wird das Werk, wenn alles nach Plan geht, dann im Kino zu sehen sein: zwölf Monate nach dem offiziellen Ludwig-Jahr, nach der Landesausstellung, nach der Umsetzung des Visconti-Stoffes durch den Regisseur Ivo van Hove an den Münchner Kammerspielen.

Für Ludwig II. ist immer die richtige Zeit. So denken jedenfalls Mühlfellner und Cornelia Ackers, Mitarbeiterin von Bettina Reitz, die seit 2003 den Programmbereich Spielfilm und Serie beim Bayerischen Rundfunk leitet und dort auch für Spielfilmkoproduktionen zuständig ist. Von Anfang an war der Märchenkönig ihr Thema. Seit vier Jahren arbeiten Peter Sehr und seine Frau Marie Noëlle bereits an dem Drehbuch. Die beiden werden auch die Regie übernehmen.

Wer aber spielt die Titelrolle? Wer hat das Zeug, gegen das übermächtige Bild des Helmut Berger als Visconti-Ludwig anzuspielen? Die Verantwortlichen hüten ihr Geheimnis bislang so eisern wie die Wittelsbacher so manches Mysterium in ihrer Familie. Ein ewig Rätsel aber wird es nicht bleiben. Er sei eine Entdeckung, heißt es - groß, jung, jemand mit Ausstrahlung und unverbrauchtem Gesicht, fähig, das rührend Kindliche Ludwigs darzustellen, aber auch die Abgründe und das Pathologische dieser Figur.

Der Spielfilm soll einen modernen Blick auf den König öffnen. "Wir wollen den Kini nicht verlieren, aber gleichzeitig eine Dimension dazu gewinnen", sagt Ackers. Verglichen mit Luchino Visconti, der in den 70er Jahren drehte, hätten sie den Vorteil, das Phänomen Michael Jackson erlebt zu haben, der eine ähnliche Projektionsmöglichkeit geboten habe wie Ludwig II., vorzügliche Starqualität also.

Wie mit der Todesursache des Königs - Anlass für ständige Diskussionen - umgegangen wird, will man nicht vorwegnehmen. Nur so viel: Der Tod setze doch eigentlich bei der Entmündigung Ludwigs ein, meint Ackers. Vor fast 40 Jahren hat Visconti dem Kult-König ein vierstündiges filmisches Denkmal gesetzt mit Romy Schneider als seelenverwandte Kaiserin Elisabeth (Sisi). Die langen Dialoge und die bis zur Schmerzgrenze ausgedehnten Szenen entsprechen nicht mehr heutigen Sehgewohnheiten. Ausgebreitet haben sich auch die vielen "Kini"-Experten mit ständig neuen Spekulationen über die Todesnacht des 13. Juni 1886 am Starnberger See und auch über seine sexuellen Neigungen.

In diesen vier Jahrzehnten haben viele damals herrschende Tabus an Kraft verloren. Wohl kaum jemand würde heute, wie damals geschehen, die Dreharbeiten behindern oder gar daran denken, Neuschwanstein zu besetzen, nur weil zu befürchten ist, dass der ehemalige Hausherr in homophilen Posen auf der Leinwand erscheinen soll. Visconti hatte mit starkem Unmut aus der bayerischen Bevölkerung zu kämpfen, als er im Frühjahr 1972 in Füssen drehte. Königstreue schrieben sogar nach Bonn an den damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann. "Bett und Unterleib des Königs" gingen die Nachwelt nichts an.

Ein offeneres Ludwig-Bild hinterlässt der Film"Glanz und Elend eines Königs", gedreht unter Helmut Käutner. Kadidja Wedekind lieferte die literarische Vorlage dazu. Am 14. Januar 1955 wurde der Film in München erstmals gezeigt mit O.W. Fischer im Hermelinmantel. Kultstatus hat die Version nicht erreicht. Und doch trug auch dieser Historienstreifen zur Glorifizierung des berühmtesten bayerischen Königs bei.