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Festspielhaus:Bewegung am Forggensee

Hotel-Investor geht auf Kritiker zu, die aber bleiben skeptisch

Der Bürgerentscheid ist auf den 20. Oktober terminiert, nun kommt aber doch noch einmal Bewegung in die Debatte um ein Fünf-Sterne-Hotel, das neben dem Festspielhaus in Füssen gebaut werden soll. In nicht-öffentlicher Sitzung hat Investor Manfred Rietzler den Stadträten Rede und Antwort über sein Projekt gestanden. Das Gremium steht mehrheitlich hinter den Plänen, im Gegensatz zu einer Initiative um den Kreisfischereiverein und den Bund Naturschutz, die das Bauvorhaben ablehnen und ein Bürgerbegehren initiiert haben. Nach der Sitzung im Stadtrat kündigte Rietzler an, weiterhin zu versuchen, "auf die Einwände und Argumente der Gegner einzugehen und nach einer bestmöglichen Lösung zu suchen".

Rietzler will am Forggensee ein Luxushotel mit 149 Zimmern eröffnen, nur so kann seiner Ansicht nach das defizitäre Festspielhaus in die Gewinnzone gebracht werden. Der Unternehmer, der im Allgäu groß geworden ist, hat das Festspielhaus 2017 übernommen, ein Hotel würde Synergien nutzen, so sein Kalkül: eine gemeinsame Küche, gemeinsame Logistik, Tagungsräume, der Komplex aus Hotel und Kulturstätte wäre so insgesamt in den schwarzen Zahlen. Eine Wirtschaftlichkeitsstudie eines Beratungsunternehmens sei zu demselben Ergebnis gekommen, das Festspielhaus solle so unabhängig werden von öffentlichem Fördergeld. Momentan, betont Rietzler, trage er die Verluste der Spielstätte, dazu sei er einige Jahre bereit, aber nicht länger. Kommt kein Hotel, das ist die unterschwellige Drohung, steht das Festspielhaus wieder ohne Investor und mit großen Finanzproblemen da.

Das ist genau die Sorge von Füssens Bürgermeister Paul Iacob, auch wenn Rietzler betont, noch keine endgültige Entscheidung getroffen zu haben, wie er bei der Planung weiter verfahren will. Iacob sieht ein breites Bündnis für das Projekt in seiner Stadt, schon allein Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel seien stark an einem gesunden Festspielhaus interessiert. Der Bürgermeister hofft, dass Rietzler die Pläne für sein Hotel noch einmal überarbeitet und dann "den Bürgerentscheid durchfechtet". Ein Ansatzpunkt wäre, den Hotelkomplex in einem größeren, geschwungenen Bogen zu planen, so würde der Bau nicht mehr ins Landschaftsschutzgebiet ragen.

Das allerdings, kündigt Alexander Beck vom Kreisfischereiverein an, würde als Kompromiss nicht ausreichen. Grundsätzlich seien die Gegner an einem Austausch mit Rietzler interessiert, bisherige Gespräche hätten aber zu keinem Ergebnis geführt. Das Hotel wäre seiner Ansicht trotz Umplanung überdimensioniert. Es würde trotzdem das Landschaftsschutzgebiet beeinträchtigen, allein durch die Logistik und zuführende Straßen. Für die Kritiker käme als Kompromiss nur ein anderer Standort in Frage, auf der anderen Seite der Bundesstraße etwa, was Rietzler ablehnt. "Voraussetzung für einen Kompromiss wäre, dass unsere Belange wirklich gehört werden." Beck hätte kein Problem, wenn das Festspielhaus künftig durch öffentliches Geld mitfinanziert würde: "Kunst und Kultur kosten etwas, dürfen aber nicht auf Kosten der Natur gehen", sagt er.