Die fünf Männer, die wegen Anschlagsplänen für einen Weihnachtsmarkt im Raum Dingolfing festgenommen wurden, hatten offenbar noch kein konkretes Ziel ausgewählt. „Pläne für einen Anschlag an einem bestimmten Tag oder an einem bestimmten Weihnachtsmarkt gibt es nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht“, sagt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). „Durch die Festnahmeaktion in Niederbayern konnte eine konkrete Gefahr nach derzeitigem Stand bereits in einem sehr frühen Stadium unterbunden werden.“
Der aktuelle Vorfall zeige, „dass die anhaltend hohe abstrakte Gefährdungseinschätzung unserer Sicherheitsbehörden vollkommen richtig ist“, sagt der Minister. Zu Recht stünden Weihnachts- und Christkindlmärkte, auch wegen der Vorfälle der vergangenen Jahre, „stärker im Fokus unserer Sicherheitsbehörden“.
Allerdings gebe es „Stand heute“ keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung von Weihnachtsmärkten in Bayern. „Die Polizei und die Sicherheitsbehörden beobachten und beurteilen die Lage weiterhin aufmerksam.“ Es gebe daher „keinen Anlass, auf die Durchführung oder den Besuch von Weihnachtsmärkten zu verzichten.“
Auch der Landrat von Dingolfing-Landau, Werner Bumeder (CSU) bemühte sich am Sonntag darum, Zuversicht zu verbreiten: „Ich gehe selbst weiterhin auf Weihnachtsmärkte.“ Zwar sei auch er von der Nachricht erschüttert gewesen. Bei Anschlägen denke man erst mal an große Städte, sagte Bumeder, nicht aber an ihren Landkreis in Niederbayern. Seiner Information nach gehe man derzeit aber davon aus, dass die ganze Gruppe gefasst worden sei. Die konkrete Gefahr wäre damit gebannt. „Ich hoffe, dass unsere Leute die Weihnachtstage weiterhin genießen können.“
Die fünf Männer waren bereits am Freitag von Spezialeinsatzkräften festgenommen worden. Wo genau der Zugriff erfolgte, ist bislang unbekannt, die Mediengruppe Bayern berichtete, dieser sei „im Bereich des Grenzübergangs Suben“ passiert, also im Grenzgebiet zu Österreich. Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte dies nicht. Den Festnahmen waren nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft München intensive Ermittlungen unter Beteiligung des Landesamts für Verfassungsschutz vorausgegangen.
Bei den Männern handelt es sich den Ermittlern zufolge um einen 56-jährigen Ägypter, einen 37-jährigen Syrer und drei Marokkaner im Alter von 22, 28 und 30 Jahren. Der Ägypter, ein islamischer Prediger, soll demnach in einer Moschee im Raum Dingolfing-Landau dazu aufgerufen haben, in der Weihnachtszeit 2025 mit einem Fahrzeug einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt zu machen, „um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen“, wie die Generalstaatsanwaltschaft erklärte.
Der Ägypter lebt nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa bereits seit rund drei Jahrzehnten in Deutschland und verfügt über eine Niederlassungserlaubnis. Die drei Marokkaner sollen erst in den vergangenen Monaten als Fachkräfte eingereist sein. Der Syrer soll einen Asylantrag gestellt und etwa vor zwei Jahren subsidiären Schutz erhalten haben. Dieser Schutzstatus ist als vorübergehende Lösung gedacht und dient dem Schutz vor akuten Gefahren im Herkunftsland.
Die drei Marokkaner sollen laut Generalstaatsanwaltschaft bereit gewesen sein, den Anschlag auszuführen. Ihnen wird vorgeworfen, sich zum Mord bereiterklärt zu haben. Der Syrer soll die Männer in ihrem Entschluss bestärkt haben. Derzeit gehen die Ermittler von einer islamistischen Tatmotivation aus. Einen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sehen sie nicht.

Am Samstag ergingen Haftbefehle gegen vier der Männer. Sie befinden sich in Untersuchungshaft in verschiedenen Justizvollzugsanstalten. Einer wurde in Präventivgewahrsam genommen, wie die Generalstaatsanwaltschaft München bestätigte.
Die Zentralstelle der Generalstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus leitete den Einsatz, an dem auch das Landesamt für Verfassungsschutz beteiligt war. Ein ausländischer Nachrichtendienst sei nicht involviert gewesen, hieß es.
Er habe großen Respekt vor der Arbeit der Sicherheitsbehörden, sagte Landrat Bumeder am Sonntag. Lob kam auch vom Innenminister persönlich: „Dank der hervorragenden Zusammenarbeit unserer Sicherheitsbehörden konnten in kürzester Zeit mehrere Tatverdächtige festgenommen und damit ein potenzieller islamistisch motivierter Anschlag in Bayern verhindert werden“, sagte Herrmann.
Wir sind in der Lage, unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen!Innenminister Joachim Herrmann
Dies belege „eindrucksvoll die gute Reaktions- und Leistungsfähigkeit unserer Sicherheitsbehörden und zeigt: Wir sind in der Lage, unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen!“ Nun müssten die Hintergründe gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft München aufgeklärt werden.
Im Landkreis fragt man sich unterdessen, in welcher Moschee der 56-jährige Ägypter zum Anschlag aufgerufen haben könnte. In den Moscheen in Landau und Dingolfing sei er oft gewesen, berichtet der langjährige Landrat von Dingolfing-Landau, Heinrich Trapp (SPD). Er habe dort immer eine sehr offene Atmosphäre gespürt. Trapp äußerte die Befürchtung, die Nachricht über die Anschlagpläne könne der AfD weiter Aufwind verschaffen und Ressentiments gegen Migranten schüren. Diese seien schon jetzt spürbar. Er selbst gehe nach wie vor auf Weihnachtsmärkte. Diese seien auch einigermaßen gut abgesichert. Eine gewisse Sorge aber bleibe.
Weihnachtsmärkten gilt seit Längerem besondere Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden – auch wegen früherer Anschläge. So steuerte ein radikalisierter Islamist am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen in die Menschenmenge auf dem Berliner Breitscheidplatz und tötete damit 13 Menschen, wobei einer erst Jahre später an den Folgen starb.
Im vergangenen Jahr raste ein Autofahrer absichtlich über den Magdeburger Weihnachtsmarkt, tötete damit sechs Menschen und verletzte mehr als 300 weitere. Derzeit läuft am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den geständigen Täter aus Saudi-Arabien, der seit 2006 in Deutschland lebte.
Mit Material von dpa

