Käsespätzle gehen in Schwaben immer, insofern war das natürlich ein göttlicher Einfall von Pfarrer Heiko Seeburg. Um den maroden Kirchturm in der evangelischen Gemeinde in Fessenheim, Landkreis Donau-Ries, zu sanieren, braucht es 450 000 Euro, den Löwenanteil muss die Kirchengemeinde stemmen. Also hat sich der Pfarrer eine Spendenaktion einfallen lassen: Jeder, der mehr als 50 Euro spendet, erhält eine Portion handgeschabte Käsespätzle. Am Samstag, nach einem Käsespätzle-Festgottesdienst, steht der Pfarrer hinter dem Herd, 63 000 Euro sind schon zusammen gekommen. Seeburg und sein Team bereiten sich auf 500 Portionen vor. Ein Gönner, so viel steht bereits fest, lässt sich seine Käsespätzle für 10 000 Euro schmecken.

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Die Kirche, nicht nur in Schwaben, geht neue Wege, und das seit einigen Jahren. 2020 etwa, da war Bertram Meier gerade vom Papst zum Augsburger Bischof ernannt worden, beteiligte sich der katholische Würdenträger lustvoll an der sogenannten Dolly-Parton-Challenge: Die US-amerikanische Country-Sängerin hatte auf sozialen Netzwerken mit satirischen Spaßbildern einen Trend gesetzt. Bischof Bertram Meier zog nach: mit Priesterkragen, im Prachtgewand, mit einem Kinderfoto – und im Sinne des Flirtportals Tinder fröhlich lachend mit einer spärlich bekleideten Faschingsprinzessin.
Das hat ihm ebenso Sympathiepunkte eingebracht wie im Sommer dieses Jahres eine ungewöhnliche Spendenaktion der evangelischen Christuskirche Donauwörth half: Dekan Frank Wagner verteilte an jeden Gottesdienstbesucher einen Briefumschlag mit zehn Euro, geschenkt. Die Menschen sollten ihre Talente nutzen, angelehnt an ein Gleichnis aus dem Matthäus- und Lukas-Evangelium, um das Startkapital zu vermehren, dessen Erlös sie hernach für die Renovierung spenden sollten.
In Roggenburg nahe Ulm dagegen sperren die Prämonstratenser-Ordensmänner Gäste lieber in ihren Klosterräumen ein – und lassen sich dafür auch noch bezahlen. Sie haben einen Escape-Room eingerichtet, eigentlich sogar mehrere: Nur wer es schafft, die vorbereiteten Rätsel zu lösen, findet wieder hinaus. Im Spiel tobt der Dreißigjährige Krieg, es ist das Jahr 1632, die Teilnehmer müssen eine verborgene Klosterschatzkammer finden, um die anrückenden Schweden zu bestechen und das Kloster vor Verwüstungen zu retten.
Auch eine gute Idee, aber nicht überall anzuwenden: Für eine evangelische Gemeinde wie in Fessenheim ist es wohl doch sinnvoller, handgeschabte Käsespätzle anzubieten.

