Fernsehtheater BR setzt Chiemgauer Volkstheater ab

Zusammen mit seinem Kollegen vom Fernsehen entscheidet Harald Helfrich, was wie in Szene gesetzt werden soll.

(Foto: Claus Schunk)

23 Jahre hat der Bayerische Rundfunk mit dem Ensemble gedreht. Jetzt beendet der Sender die Zusammenarbeit. Und alle fragen sich: Was passiert nun mit dem Bild Bayerns in der Welt?

Kolumne von Matthias Köpf

Was die einigermaßen planbaren Ereignisse betrifft, ist das Fernsehen seiner Zeit ja gern voraus. Am Samstag und Sonntag zum Beispiel, zwei bis drei Tage nach der Sommersonnenwende, wird für den Bayerischen Rundfunk "Ein guter Rutsch" aufgezeichnet, und das klingt nicht zufällig nach Silvester. Eine Woche später ist dann "Nicht öffentlich" dran, wobei es trotz des Titels auch dafür Karten gibt. Das ganze Schauspiel ist ja nicht öffentlich, sondern sogar öffentlich-rechtlich, aber damit ist dann Schluss.

Denn der BR beendet laut eigener Mitteilung nach 23 Jahren die Zusammenarbeit mit dem Chiemgauer Volkstheater. Ob er auch damit seiner Zeit voraus ist oder nicht doch etwas hinterherhinkt, das ist Geschmackssache. Auf jeden Fall steht der BR nach eigenen Angaben unter steigendem Kostendruck, und so was ist natürlich immer aktuell.

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Die 180 Schwänke, die er von und mit den Chiemgauern im Archiv habe, will der BR natürlich weiterhin versenden. Angesichts dieser demnächst 182 Produktionen stellt sich zwar auch außerhalb des BR die Frage, ob es unbedingt noch die 183. braucht. Denn trotz mancher Modernisierung in der Szenerie und bei allen Wirrungen im Zwischenmenschlichen beschwört das Chiemgauer Volkstheater ganz genregerecht halt doch gern das Beständige. Live gastiert es im September in Oberstdorf, Bad Wiessee und Bad Füssing mit "Heiratsfieber".

Vielleicht ist das alles insgesamt kaum ohne Klischees abgegangen, doch um Bayerns Bild in der Welt haben sich all die Volks- und Bauerntheater jedenfalls seit Langem verdient gemacht. So füllte das Schlierseer Bauerntheater bei seiner umjubelten USA-Tournee 1885 mehrmals hintereinander alle 8000 Plätze im Lincoln Theater in Chicago, eilig nachgeholte fliegende Händler boten Lederhosen und andere Merchandisingartikel feil.

Auch die Kollegen aus Berchtesgaden tourten winters eifrig in Übersee und feierte ihre größten Triumphe 1951 in Namibia, laut Windhoeker Zeitung damals "ein Naturereignis". So weit strahlt der BR selten aus. Allerdings bemüht auch er sich weiterhin um den bayerischen Markenbildungsprozess. Er teilt mit, er wolle den Großteil der Bühnenproduktionen von 2019 an unter der bewährten Marke "Komödienstadel" zusammenfassen.

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