FDP: Landesparteitag Generalsekretärin als Blitzableiter

Miriam Gruß wird auf dem FDP-Parteitag nur knapp im Amt bestätigt - die Mitglieder machten sie zur Adressatin ihres Ärgers.

Von Mike Szymanski

Bayerns FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß hat geahnt, dass beim Parteitag Ärger auf sie zukommen würde. Tage zuvor prophezeite die Bundestagsabgeordnete aus Augsburg, dass ihr Wahlergebnis wohl enttäuschend ausfallen dürfte. Am Wochenende, beim Parteitreffen in Amberg kam es aber noch schlimmer als erwartet: Mit nur 54 Prozent der Stimmen hielt sich die 35-Jährige gerade so im Amt, es war fast schon ein Misstrauensvotum. Ob sie überlegt hatte, den Posten zur Verfügung zu stellen? "Nein", sagt Gruß: "Ich war eben der Blitzableiter."

Die Wiederwahl der FDP-Generalsekretärin in Bayern Miriam Gruß gleicht eher einem Misstrauensvotum. Mit nur 54 Prozent der Stimmen bleibt sie gerade so im Amt.

(Foto: dapd)

Bei Wahlen auf Parteitagen werden Rechnungen beglichen, manchmal offen, manchmal taktisch und dann gerne im Verborgenen. Miriam Gruß hat dieses Mal sehr unverhohlen all den Frust der Delegierten zu spüren bekommen, der sich wegen der anhaltenden Personalquerelen, des miserablen Erscheinungsbildes der Partei und der Wahlniederlagen aufgestaut hatte. "Die ganze Unzufriedenheit hat sich ausgerechnet bei ihr entladen", sagt ihr Bundestags-Kollege Horst Meierhofer.

Aus einem Denkzettel wurde fast schon eine Demontage - auch deshalb, weil sich der Ärger sonst kein anderes Ventil suchen konnte. FDP-Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger durfte jedenfalls um keinen Preis beschädigt werden, weil die Liberalen im Freistaat sie mit einem starken bayerischen Ergebnis im Mai auch in den Vorstand der Bundes-FDP hieven wollen. Leutheusser-Schnarrenberger erhielt bei ihrer Wiederwahl für ihre Verhältnisse herausragende 91 Prozent der Stimmen, obwohl sie als Justizministerin in Berlin für das schlechte Erscheinungsbild der Partei mitverantwortlich ist.

Das Traumergebnis für Leutheusser-Schnarrenberger spiegelt genauso wenig die Stimmung wider wie die Demontage von Miriam Gruß. Gruß hat - wenn man so will - den Kopf für Leutheusser-Schnarrenberger hinhalten müssen. Nach dem Wochenende gibt sie sich demütig. "Ich will besser werden", sagt sie und verspricht, sich häufiger an der Basis blicken zu lassen und als Generalsekretärin auch mal richtig hinzulangen. Das sind Vorwürfe, die aus der Partei tatsächlich kommen: Sie sei zu brav und durch ihre Arbeit in Berlin zu weit weg von den Problemen in Bayern. Eine Stimmung, sie als Generalsekretärin abzulösen, gibt es jedoch nicht in der Partei.

Das Parteitagsvotum schmerzt Gruß. Sie ist ehrgeizig und, seitdem sie 2005 in den Bundestag einzog, vor allem von Erfolg begleitet. Ihr Mann hält ihr den Rücken frei, damit sie Karriere machen kann. Leutheusser-Schnarrenberger hat Gruß 2009 zur Generalsekretärin gemacht, in Berlin ist die Mutter eines sechsjährigen Kindes stellvertretende Fraktionschefin, auch wenn sie als solche wenig in Erscheinung tritt.

Manche in der Partei sehen Gruß auf den Spuren von Leutheusser-Schnarrenberger. Die Augsburgerin gehört dem sozial-liberalen Flügel der FDP an, der in Bayern deutlich ausgeprägt ist. Sie ist auch Mitbegründerin des Dahrendorf-Kreises, der einen "mitfühlenden Liberalismus" in der FDP propagiert. Gruß erfährt gerade hautnah, was es heißt, die eigenen Interessen hintanstellen zu müssen.