FDP Helmut Markwort wird Alterspräsident im Landtag

FDP-Kandidat Helmut Markwort am Abend der Landtagswahl.

(Foto: Florian Peljak)
  • Der Gründer des Nachrichtenmagazins Focus, Helmut Markwort, hat den Sprung in den bayerischen Landtag geschafft.
  • Der 81-Jährige ist das älteste Mitglied des Landesparlaments und darf damit als Alterspräsident im November die erste Sitzung im Maximilianeum eröffnen.
  • Markwort will den Abgeordneten ins Gewissen reden: "Dass sie wieder selbstbewusster werden."
Von Martin Mühlfenzl

Mittwochs dürfte es für Helmut Markwort schwer werden, an Ausschuss-Sitzungen im Landtag teilzunehmen. Am Mittwoch spielt er seit Jahren Tennis in Grünwald, auch jetzt noch, im Alter von 81 Jahren. Er kann das mit Fakten belegen: Der Publizist und Gründer des Nachrichtenmagazins Focus hat beim dortigen Tennis-Club die Mitgliedsnummer zwei. In den vergangenen Wochen aber hat er allerdings auf Sprints auf rotem Sand verzichtet - mitten im Wahlkampf war ihm die Verletzungsgefahr zu groß.

Es kann aber gut sein, dass Markwort schon am Mittwoch wieder den Schläger schwingt. Dann nicht nur als frisch gewählter Abgeordneter, sondern auch als Alterspräsident des Bayerischen Landtags. Der Journalist hat - mit Verlaub - auf seine alten Tage die Seiten gewechselt und ist gewissermaßen als Zweitstimmenkönig im Landkreis München für die FDP ins Maximilianeum eingezogen.

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Zur Kandidatur kam Markwort eher wie die Jungfrau zum Kinde, denn eigentlich war in der Kreis-FDP längst ausgemacht, dass es der Neubiberger Tobias Thalhammer im Stimmkreis Süd, dem die Gemeinden Gräfelfing, Planegg und Neuried angehören, noch einmal versuchen sollte. Doch als der vollkommen überraschend, weil schon als Direktkandidat nominiert, zur CSU überwechselte, traten die Führung der Kreis-FDP und der bayerische Spitzenkandidat Martin Hagen an Markwort heran. Lange musste er nicht überlegen, sagt der prominente Import aus München: "Ich will mit meiner Kandidatur der FDP helfen, wieder in den Landtag zu kommen."

Ganz uneigennützig dürfte Markworts Bereitschaft zur Direktkandidatur im bevölkerungsreichsten Landkreis des Freistaats freilich nicht sein. Das passt nicht zum Naturell des ehemaligen Focus-Chefredakteurs, der auf vielen Bühnen zu Hause ist und für den es ein Leichtes ist, in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen: in die des nach Fakten lechzenden Rechercheurs, des seriösen Chefredakteurs, des Theaterschauspielers oder des Stammtischbruders beim Bayerischen Rundfunk. Gut möglich, dass er in Kürze die Rolle des Staatsschauspielers übernehmen wird.

Apropos Bayerischer Rundfunk. Seit 2007 moderierte Helmut Markwort dort federführend den Sonntags-Stammtisch; allerdings musste er nach Bekanntwerden seiner Kandidatur die Moderation abgeben. Das hinderte Markwort aber nicht daran, mit Fotos von sich beim BR-Stammtisch für Wahlkampfveranstaltungen zu werben - bis ihm dies juristisch vom Sender untersagt wurde, oder auf einer von ihm initiierten Veranstaltung, die seine Wahlkampfkasse füllen sollte, eine Nebenrolle in der BR-Sendung "Hubert ohne Staller" zu verlosen.

Hilfe von Stadt- und Gemeinderäten

Im Wahlkampf hat der Kandidat nicht die Nähe zum Rundfunk gesucht, sondern war mit seinem "Faktomobil", einem gelb lackierten Kleintransporter, auf Tuchfühlung zu den Wählern in einem Landkreis, der ihm bisher nicht allzu bekannt war. Daraus machte er auch keinen Hehl, arbeitete sich aber immer mehr in die Besonder- und auch Eigenheiten ein. "Ich lasse mir da von den wirklich tollen Stadt- und Gemeinderäten helfen, die das Fachwissen haben", sagte Markwort im Wahlkampf. Bei einer Veranstaltung mit dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner in Arget mehrere hundert kamen und Zuhörer sogar draußen vor dem Saal standen.

Seit Dienstagabend ist klar: Helmut Markwort zieht in den Landtag ein. Im Wahlkampf hatte er ein derart gutes Gefühl, dass er sich frühzeitig Gedanken über seine Eröffnungsrede als Alterspräsident bei der ersten Plenarsitzung gemacht hat. Er will, sagt Markwort, den Abgeordneten ins Gewissen reden: "Dass sie wieder selbstbewusster werden." Der Paragraf 153 könnte auch eine Rolle spielen. Der besagt, dass "selbständige Kleinbetriebe und Mittelstandsbetriebe" vom Freistaat zu fördern seien. Und: "Der Aufstieg tüchtiger Kräfte aus nichtselbständiger Arbeit zu selbständigen Existenzen ist zu fördern." Tatsächlich aber dauere es länger, eine Baugenehmigung zu bekommen, als zu bauen, beklagt der Liberale. Bürokratie will er abbauen, Wohnungsbau fördern, Kämpfer für den Mittelstand sein und ja nicht "dieses Politiker-Kauderwelsch" übernehmen. "Die Leute sollen uns verstehen."

Markwort ist irgendwie auch ein Kind der Achtundsechziger. Damals ist er in die FDP eingetreten, als Gegenbewegung zu all den jungen Linken. Daraus hat er nie ein Geheimnis gemacht. Jetzt könnte einer der bekanntesten deutschen Journalisten zum Politiker werden. Nur im Januar wird er noch einmal in eine andere Rolle schlüpfen: in die des Johannes Fust, des Geldgebers Johannes Guttenbergs im gleichnamigen Musical, das am Mainzer Unterhaus "Welturaufführung" unter der Leitung von Gunther Emmerlich feiern wird, wie Markwort sagt. Das Theater, die Schauspielerei ist seine Leidenschaft. "Ich habe meine Teilnahme schon zugesagt, da wusste ich noch nicht, dass ich kandidieren werde", sagt der Mann, der auch ein begnadeter Selbstdarsteller ist

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