FDP Bayern Ohne Krawatte in den Landtag

Die Krawatte seines Vorgängers Albert Duin reißt sich Daniel Föst recht schnell nach der Wahl wieder aus dem Hemdkragen. "Ich bin nicht der größte Krawatten-Fan", sagt Föst, der seit Samstag neuer FDP-Landesvorsitzender ist.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Mit Daniel Föst hat die Bayern-FDP eine ähnlich temperamentvolle, aber besser berechenbare Version des alten Parteichefs gewählt. Was die Partei jetzt noch braucht? Einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl.

Von Andreas Glas, Amberg

Bevor die Zukunft der Bayern-FDP dran ist, steigt ein Mann auf die Bühne, der erst mal Vergangenheit ist. Er trägt gelbe Krawatte und seine Kragenweite erzählt einiges über die jüngere Geschichte der Partei. Seit der Landtagswahl 2013 hat sich Albert Duin für die Partei aufgerieben, hat jedes Jahr vier Kilo zugelegt, "16 Kilo plus, super, danke", ruft Duin den Delegierten zu.

Man darf das als Metapher verstehen, denn seit der verheerenden Wahlpleite (3,3 Prozent) hat auch die bayerische FDP kräftig zugelegt. Duins Dankeschön ist daher auch eine Abrechnung mit seiner Partei. Auf bis zu neun Prozent kommen die Liberalen zurzeit in Umfragen - und wählen trotzdem einen neuen Parteichef. Na, herzlichen Dank.

Fünf Stunden später hüpft Daniel Föst, 41, auf die Bühne, die Zukunft der Bayern-FDP. Es ist Samstagnachmittag beim Parteitag in Amberg, als der bisherige FDP-Chef Duin dem neuen Landeschef Föst seine Krawatte um den Hals bindet. "Als Staffelübergabe", sagt Duin. Knapp 79 Prozent der Stimmen hat Föst bekommen. Als er am Rednerpult ankommt ist, reißt er Duins Krawatte wieder aus seinem Hemdkragen. "Ich bin nicht der größte Krawatten-Fan", sagt Föst. Wenn man so will, ist auch das eine Metapher: Die gelbe Krawatte steht für die alte FDP, die neue FDP trägt ihr Hemd lieber aufgeknöpft.

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Die Partei hat Albert Duin, 64, nicht abgesägt. Es ist eher so, dass Duin der Säge rechtzeitig ausgewichen ist. "Eine rein persönliche Entscheidung" sei es gewesen, beim Amberger Parteitag nicht erneut zu kandidieren, sagt Duin. Er habe "einfach keinen Puffer mehr", um seine Transformatoren-Firma in München zu führen und nebenbei für die Partei kreuz und quer durch Bayern zu touren. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit über seinen Rückzug, wenn überhaupt. Zuletzt war es eher der Fremdschäm-Puffer seiner Parteifreunde, der aufgebraucht war.

Vier Jahre lang hat Duin den Motivator gemimt, um einer geknickten Partei das Kreuz gerade zu drücken. Sein Temperament war der Impuls, den die FDP brauchte. Wenn es stimmt, dass Duin als Parteichef 200 000 Kilometer durch Bayern gefahren ist, dann hat er wohl jedem FDP-Mitglied persönlich den Frust aus dem Leib gestreichelt. Die Partei ist ihm dankbar, das ist in Amberg zu spüren. Einigen war es dann aber doch zu viel Impulsivität, die Duin zuletzt zeigte - vor allem im Internet, wo er sich aus Parteisicht recht peinlich zu Flüchtlingen, Russland und den Jamaika-Verhandlungen in Berlin äußerte.

Der Ärger war so groß, dass ein Lager um den unterfränkischen Bundestagsabgeordneten Karsten Klein eine Kampfkandidatur in Amberg geplant haben soll, um Duin zu stürzen. Indem Duin auf seine Kandidatur verzichtete, ging er dem Risiko aus dem Weg, von einer Mehrheit abgewählt zu werden, die den impulsiven Duin ihrerseits als Risiko im bevorstehenden Landtagswahlkampf sah. In Amberg stieg zwar spontan Robert Würll-Hörning als Gegenkandidat in den Ring. Er war aber chancenlos und holte nur 2,6 Prozent der Stimmen.

Mit Daniel Föst haben die FDP-Delegierten eine ähnlich temperamentvolle, aber besser berechenbare Version des alten Parteichefs gewählt. Föst kann motivieren, aber Fremdschämen musste sich noch keiner wegen ihm. Dass Duin die FDP wieder aufgerichtet hat, lobt Föst in seiner Amberger Rede grobschnäuzig wie sein Vorgänger: "Albert, wirklich, geiles Ding!" Darin steckt auch Eigenlob. Zuletzt war Föst Generalsekretär der Bayern-FDP, als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl war er mitverantwortlich, dass die Partei im Freistaat gut zehn Prozent holte.

Die Bundestagswahl, die Umfragewerte, all das sei aber "kein Grund zum Zurücklehnen, sondern zu noch härterer Arbeit", sagt Föst - und schwört die Partei auf den Landtagswahlkampf ein. Weil die CSU "die Mitte nach rechts" freigemacht habe, sei nun "viel Platz" für die FDP. Und noch einen Gesellschaftsbereich, der den Christsozialen zuletzt etwas abhanden gekommen ist, möchte Föst gewinnen: den ländlichen Raum. Dann zählt er die Themen auf, mit denen die FDP punkten will: mehr Bildungsgerechtigkeit, mehr Investitionen in Verkehr und Digitalisierung, schnellerer Wohnungsbau durch weniger Bürokratie.

Anders als Duin passt Föst in das junge, hippe Image, das Bundeschef Christian Lindner der Partei verpasst hat. Ein Lindner-Double ist der Münchner aber nicht. Föst trägt zwar Sechs-Tage-Bart und keine Krawatte, spricht über "Credibility" und "Skills" - doch ihm fehlt der intellektuelle Anstrich. Zum neuen FDP-Generalsekretär wählten die Delegierten den 34-jährigen Landshuter Norbert Hoffmann.

Was die Bayern-FDP jetzt noch braucht, ist ein Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Föst selbst kann diese Aufgabe nicht übernehmen, er sitzt ja jetzt im Bundestag. Albert Duin hat sein Interesse bekräftigt, der frühere Kunstminister Wolfgang Heubisch, 71, überlegt noch. Dass auf Plakaten ein Mann im Rentenalter für die hippe FDP wirbt, ist in der Partei jedoch umstritten. Selbst Heubisch fände es nicht ideal. Gäbe es einen jungen Kandidaten, der sich aufdränge, dann verzichte er "herzlich gerne. Aber wir haben ja keinen", sagt er beim Parteitag. Duin hört sich da schon selbstbewusster an: "Zwischen alt und alt gibt es ja unheimliche Unterschiede." Er wähnt sich offenbar im Vorteil gegenüber dem sieben Jahre älteren Heubisch.

Viel Zeit bleibt der FDP nicht mehr bei der Suche nach einem Spitzenkandidaten. Die Entscheidung soll zu Beginn des neuen Jahres fallen. Der Traum der Kollnburger FDP-Bürgermeisterin Josefa Schmid dürfte sich bis dahin eher nicht mehr erfüllen. Sie wünscht sich "einen bayerischen Christian Lindner".

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