Skulptur:Nürnberg hat jetzt einen Gefühlseinstellungskubus

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Skulptur: Der Künstler Winfried Baumann vor seinem begehbaren Werk "Emotionsregulator", das Teil der Serie ClubKunst ist.

Der Künstler Winfried Baumann vor seinem begehbaren Werk "Emotionsregulator", das Teil der Serie ClubKunst ist.

(Foto: Olaf Przybilla)

Der Club war ja schon immer Kunst. Nun dürfen sich Fans zur Gefühlskontrolle auch noch in einen "Emotionsregulator" begeben. Alt-OB Maly hatte da schon eine prominente Testperson im Auge.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Der Emotionsregulator, ein Kunstwerk von Winfried Baumann, sollte eigentlich schon 2020 in Funktion gehen, als zweiter Teil der Serie "ClubKunst". Wurde nichts draus, die Pandemie. Geblieben aber ist ein Wort des damaligen Oberbürgermeisters Ulrich Maly, der bei der Planvorstellung die Anmerkung nicht unterdrücken wollte (was bei ihm mitunter vorkam), er könnte sich da einen Folgeabnehmer vorstellen für diesen "Emotionsregulator". Wen? "Uli Hoeneß".

Schon, aber in Nürnberg ist das Ding womöglich auch ganz gut aufgehoben, es soll da ja gelegentlich zur Aufwallung kommen. Insofern stellt sich der Künstler, wie es sich gehört, in den Dienst der guten Sache. Am Freitag stand sein Gefühlseinstellungskubus noch am Klarissenplatz, Ort der Kooperationspartner Neues Museum und Institut für Moderne Kunst. In den Folgetagen aber zieht sein Affektkorrektiv weiter aufs Clubgelände, zum Projektinitiator. Gegen Schalke könnte das dem einen oder anderen der Aufstiegsvereins-Fans (aus dem Pott) oder Nichtaufstiegsvereins-Anhänger (aus Franken) möglicherweise gut zupasskommen.

Hernach zieht die begehbare Skulptur in den Stadtraum, geplant ist eine Laufzeit von etlichen Jahren. Sie brauchen für Ihr Unternehmen in Nürnberg ein Einsatzmittel zur Steuerung der Gemütsbewegung? Einfach bei Baumann melden. Das Objekt hat fünf Kabinen, je nachdem, ob der Einheimische "Heat up" braucht, was vorkommen soll, oder eher "Relax" - einfach richtige Klinke drücken. Was in den WC-breiten Zellen passiert? Muss man ausprobieren, es hat mit Optik und Akustik als regulativer Faktoren zu tun.

Als ersten Teil der Serie ClubKunst hatte Dagmar Buhr 2019 Werbebanden bei einem Club-Spiel gekapert und mit kapitalismusskeptischer Wortkunst versehen, was in einer Branche, in der Menschen "gekauft" werden oder "verliehen", einen Reiz hat. Manfred Rothenberger, Direktor des Instituts für moderne Kunst, hat die Reaktionen im Netz verfolgt. Die Frage, wer da betrunken sei, konnte nicht für alle zweifelsfrei geklärt werden.

Dabei müssten Cluberer Kunst gewöhnt sein. Eines der einprägsamsten Poeme der Nachkriegszeit? Peter Handke, "Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27. 1. 1969: "WABRA / LEUPOLD POPP / LUDWIG MÜLLER WENAUER BLANKENBURG / STAREK STREHL BRUNGS HEINZ MÜLLER VOLKERT. Spielbeginn 15 Uhr."

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