Fastnacht in Franken Wer wird hier gerade verspottet?

Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag sitzt als Mister Spock verkleidet bei der Fernseh-Prunksitzung 'Fastnacht in Franken'.

(Foto: dpa)

Selbst Kabinettsmitglieder fallen bei der Prunksitzung in Veitshöchheim reihenweise durch die Gesichtskontrolle. Und zwar nicht, weil sie sich so gut kostümiert haben. Einzige Ausnahme: Markus Söder, PR-Genie in eigener Sache.

Von Uwe Ritzer, Veitshöchheim

Um ein Haar wäre er nicht reingekommen. Albert Füracker drohte, bei der Einlasskontrolle zum After-Show-Empfang nach der Sendung im Veitshöchheimer Gemeindezentrum zu scheitern. Ohne spezielle Einladungskarte lasse man keinen durch, schickte sich ein Wächter an der Tür an, ein Exempel zu statuieren. Bayerns Finanzminister von der CSU hatte seine Einladung offenkundig nicht dabei. Und erkannt hat ihn der Zerberus im Elferrats-Jackett nicht. Da könnte ja jeder kommen. Nach gutem Zureden von Umstehenden erbarmte sich der Torwächter dann aber doch.

Die Zeiten, wo jeder jeden kannte, zumindest im politischen Bayern, sind wohl definitiv vorbei. Selbst die Kabinettsmitglieder fallen reihenweise bei Gesichtskontrollen durch, von den Oppositionellen gar nicht erst zu reden. Früher kannte man zumindest die wichtigsten landespolitischen Protagonisten, wenn vielleicht nicht auf den ersten, so doch auf den zweiten oder wenigstens dritten Blick. Heute müssen die Künstler der "Fastnacht in Franken" die Namen und Funktionen der kostümierten Polit-Narren in den ersten Saalreihen ausdrücklich benennen, damit Volk sie zu Hause am Fernsehschirm wenigstens erkennt, wenn sie schon verspottet werden. Und selbst die Interviewer des närrischen Haussenders BR hatten sicherheitshalber diskrete Listen mit Fotos, Namen und Funktionen derer dabei, die sie da befragen sollten. Manch Minister oder Oppositioneller hatte sich obendrein derart kostümiert, dass man ihn gar nicht mehr erkannte. So weit ist es gekommen mit der bayerischen Landespolitik.

Fastnacht in Franken

Sensation in Veitshöchheim: Söder geht als Söder

Einzige Ausnahme: Markus Söder, PR-Genie in eigener Sache. Er hat den Bekanntheitsmakel seiner Regierung offenbar erkannt und das komplette Kabinett vor die Kameras nach Veitshöchheim befohlen, nur die Landwirtschaftsministerin fehlte. Immerhin flimmerte die Frankenfastnacht von jedem zweiten bayerischen Fernsehgerät; mit 50,1 Prozent Einschaltquote im Freistaat und bundesweit knapp 3,8 Millionen Zuschauern war die Revue aus viel Klamauk und weniger Polit-Satire als in den Vorjahren die drittbeste Frankenfastnacht in der BR-Geschichte.

Söder, der seinen politischen Aufstieg einst mit teils grandiosen Masken in Veitshöchheim und entsprechender Medienpräsenz flankiert hatte, kam dieses Mal im Smoking samt Fliege in schwarz und orange, den Farben seiner CSU/FW-Koalition. "Ein Smoking ist auch eine Verkleidung", spöttelte Komiker Martin Rassau. Auch sein Vize, der eifrige Wirtschaftsminister Hubert "Hubsi" Aiwanger tauchte überraschend im dunklen Anzug auf, wobei er darin und in seinen Statements ("das ist Seehoferkostüm, Räuberzivil") wirkte, als wäre er der Klassensprecher, der sich beim Lehrer Söder hervortun will. Söder wiederum war sehr gelöst, schließlich hatte er an diesem Abend den Saal für sich und musste nicht mehr mit einem gewissen Horst Seehofer teilen. Der war gar nicht erst angereist.

Kaum war die Liveübertragung beendet, folgte Söder brav der Veitshöchheimer Tradition, wonach der amtierende Ministerpräsident auf die Narrenbühne steigt und umgeben von noch adrenalingetränkten Darstellern des Abends, den Exzellenzen des fränkischen Fastnachtsverbands und allerhand BR-Granden allen Beteiligten zum tollen Programm und der erstklassigen Stimmung gratuliert. Wobei der Nürnberger Söder dieses Mal unter launigen Beifallsbekundungen des Saalpublikums befand, "dass Franken eben schlauer und schöner" seien, als der Rest der Welt. Und weil eine gewisse Natascha Kohnen aus Oberbayern, Landeschefin einer bayerischen Splitterpartei namens SPD, dabei keine Miene verzog, rief der aufgeräumte Smoking-Söder sie mit einer Feststellung zur Ordnung: "Frau Kohnen hat da ned g'lacht."

Ehe sich Künstler und Zuschauer zum After-Show-Empfang oder gleich zum Weiterfeiern in die Lamm-Bar in Veitshöchheim aufmachten, ging es in den Mainfrankensälen genauso gefühlig weiter wie die TV-Prunksitzung geendet hatte: Mit einer Hommage an Barbara Stamm, der Ex-Landtagspräsidentin, welche die fränkische Fastnacht seit Jahrzehnten auch fernab der TV-Kameras lebt und liebt wie kein anderer bayerischer Politiker. Die Künstler und die Fastnachter mögen die ehemalige Landtagspräsidentin aufrichtig und überreichten ihr anlässlich ihres Abschieds aus der Politik eine Urkunde. Damit dürfe sie auf Lebzeiten kostenlos jede närrische Veranstaltung besuchen, klärte Frankens Fastnachts-Ehrenpräsident Bernhard Schlereth sie auf. Wobei die herzliche und einer zünftigen Feier nie abgeneigte Stamm sicher sein kann, von Karnevalisten immer erkannt zu werden. Auch ohne Eintrittskarte.

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