Kostümierte Politiker:Söder, der verkappte Moses

Kostümierte Politiker: Stammesältester? Oder doch Moses? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (hier mit seiner Frau Karin) musste sein Kostüm erklären.

Stammesältester? Oder doch Moses? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (hier mit seiner Frau Karin) musste sein Kostüm erklären.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Stammesvater, Bavaria oder Bergsteiger: Den Drang nach größerer Bedeutung sieht man Politikern im Fasching ganz besonders an. Was wirklich hinter den Politiker-Kostümen steckt.

Glosse von Franz Kotteder

Verkleidungen sind gerade groß in Mode. Das liegt an der Jahreszeit, die manche "die närrische" nennen - so, als ob die Menschheit den Rest des Jahres über vernünftig wäre. Viele verkleiden sich aber auch zu anderen Gelegenheiten. Da wäre der legendäre Auftritt der Masken-Millionärin Andrea Tandler vor Gericht: Baseballkäppi, Sonnenbrille, FFP2-Maske und ein schreiend-buntes Halstuch. Es ging um 48 Millionen Euro Provision für einen Corona-Maskendeal. Damals kam sie davon, aber jetzt sitzt sie in Untersuchungshaft, sie soll beim Deal Steuern hinterzogen haben. Womöglich kommt auch noch Subventionsbetrug hinzu, heißt es, wegen unrechtmäßig kassierter Corona-Unterstützung. Da kann man nur sagen: Respekt! Wenn das stimmt, wurde hier gar nichts ausgelassen.

Die letzte Konsequenz fehlt hingegen vielen aus der Landespolitik. Von der Veitshöchheimer Fastnacht weiß man, dass Markus Söder nicht nur ein leidenschaftlicher Selbstdarsteller ist, sondern auch gerne andere Figuren verkörpert. Diesmal war er angeblich "Stammesvater der Bayern". Also bitte, nicht so bescheiden! Das war doch Moses, der sein Volk ins Gelobte Land führt. Scheint sich bei den Bayern um ein Nomadenvolk zu handeln, denn die staatliche Bayernheim baut praktisch keine Wohnungen, wie man inzwischen weiß. Und dann kann so eine Reise etwas dauern, wenn die Verbindungen schlecht sind.

Aber ein gewiefter Stammesfürst will seine Schäfchen nicht entmutigen, weshalb Söder im wirklichen Leben die Sache mit der Bauverzögerung der Münchner Stammstrecke bis 2034 lieber gar nicht erst weitergesagt hat.

Den Drang nach größerer Bedeutung merkte man auch anderen Kostümen an. Wunsch und Wirklichkeit passen aber selten zusammen; beim grünen Führungsduo etwa ganz sicher nicht. Ludwig Hartmann als bayerischer Löwe ähnelte eher dem Horrorclown Pennywise. Und Katharina Schulze als Bavaria sah auch nicht aus wie die Allegorie Bayerns, sondern mehr wie das blonde Knallbonbon, das sie gern mal ist.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Mama Bavaria überzeugte eher, sie würde ihrer Rasselbande sicher gerne mal die Ohren langziehen. SPD-Chef Florian von Brunn kam als Bergsteiger. Sisyphos hätte wahrscheinlich besser gepasst, obwohl man sich den laut Albert Camus ja als glücklichen Menschen vorstellen muss. Da ist für die SPD aber noch Luft nach oben.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusRechtsextremismus
:Die Frau, die "Reichsbürger" sabotiert

Sabine Dobler führt im Grunde ein beschauliches Leben mit gutem Job, Mann, Kindern und Katze. In ihrer Freizeit aber pflegt sie ein ungewöhnliches Hobby. Sie infiltriert Chats von "Reichsbürgern" und Neonazis - und arbeitet dabei mit dem Staatsschutz zusammen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: