Narren in Bayern:Faschingsflaute wegen Corona

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Narren in Bayern: Am 11.11. waren die Narren in Würzburg noch - ein bisschen - optimistisch und feierten den Beginn der fünften Jahreszeit. Nun ist Bayerns größter Faschingszug abgesagt worden.

Am 11.11. waren die Narren in Würzburg noch - ein bisschen - optimistisch und feierten den Beginn der fünften Jahreszeit. Nun ist Bayerns größter Faschingszug abgesagt worden.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Kaum hat die fünfte Jahreszeit begonnen, steht sie vor einem jähen Ende. Nach und nach sagen Vereine ihre Veranstaltungen ab. Manche bleiben aber optimistisch.

Noch vor wenigen Wochen war die Zuversicht groß: Tanzmariechen probten Choreographien, Wortakrobaten feilten an Scherzen. Am 11.11. pünktlich um 11.11 Uhr läuteten mancherorts Närrinnen und Narren die fünfte Jahreszeit ein und präsentierten neue Prinzessinnen und Prinzen - wenn auch im kleineren Rahmen als gewöhnlich. Doch die anbahnende fünfte Corona-Welle überschwappt Frohsinn und Heiterkeit. In Bayern sagen immer mehr Vereine ihre Faschingsveranstaltungen ab.

"Für alle Verantwortlichen haben der größtmögliche Gesundheitsschutz aller Beteiligten und die Einhaltung der Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung oberste Priorität", teilte Marco Anderlik, der Präsident des Fastnacht-Verbands Franken kürzlich in einer Pressemitteilung mit. Die für Ende Januar geplante Aufzeichnung der Traditionssendung "Franken Helau", ein Format des Bayerischen Rundfunks (BR), das jedes Jahr die Prunk-Sitzung eines anderen Fastnacht-Vereins im Fernsehen überträgt, sollte in diesem Jahr in Amorbach im Odenwald (Landkreis Miltenberg) stattfinden und wurde bereits auf das Jahr 2023 verlegt. An der Planung der Kultsendung "Fastnacht in Franken" in Veitshöchheim, die am 18. Februar im Fernsehen laufen soll, halten die Verantwortlichen noch fest. "Die Fastnacht ist für den BR eine Herzensangelegenheit, wir können aber nichts erzwingen, sondern im Moment leider nur abwarten, was die kommenden Wochen bringen", sagte BR-Studioleiter Tassilo Forchheimer kurz vor Weihnachten. Eine Entscheidung solle noch im Januar fallen. Im vergangenen Jahr wurde die Sendung aufgrund der Corona-Pandemie erstmals seit Beginn der Erstausstrahlung 1987 aufgezeichnet - ohne Publikum und mit Lachern vom Band.

Der größte Faschingsumzug in Süddeutschland "rechts des Rheins", so die Eigenwerbung, wird am Rosenmontag nicht stattfinden. Normalerweise schauen bis zu 100 000 Menschen dem närrischen Treiben beim Faschingsumzug in Würzburg zu. Auch die Große Gala-Prunksitzung und der Prinzenball wurden abgesagt. Am 11.11. versammelten sich in der fränkischen Faschingshochburg noch etwa 150 Personen auf dem Sternplatz, und die 1. Karnevalsgesellschaft Elferrat Würzburg e.V. versuchte, Faschingsnormalität zu versprühen. In Dietfurt hingegen hatte nicht einmal der Faschingsauftakt stattgefunden und der bekannte Chinesenfasching wurde für 2022 aufgrund der Corona-Pandemie erneut abgesagt. "Schweren Herzens", wie Bernd Mayr, Erster Bürgermeister der Oberpfälzer Stadt, bekanntgab.

Seniorenfasching, Rathaussturm und Fastnachtszug mit anschließender Feier auf dem Schlossplatz, alles für Februar geplant, wurden in Aschaffenburg schon Ende November abgeblasen. "Gerade für die Karnevalsvereine, die sich monatelang auf die Veranstaltungen vorbereiten, ist die Entscheidung schmerzlich", sagte Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD). Aber für die Veranstaltung standen der Stadt zufolge kaum Programmpunkte zur Verfügung, denn viele Vereine sagten selbst Veranstaltungen ab und unterbrachen die Proben wegen der Auflagen. Ähnlich auch im Osten des Freistaats: Der Landesverband Ostbayerischer Faschingsgesellschaften hat den für Regensburg vorgesehenen Faschingszug 2022 gestrichen, und die Karnevalsgesellschaft Narragonia Regensburg sagte alle geplanten Veranstaltungen ab. Optimistisch bleibt man in der Landeshauptstadt. "Wenn auch dieses Jahr wieder, pandemiebedingt, Präsenzveranstaltungen nicht wie gewohnt stattfinden können, findet für die Münchner Gesellschaft der Fasching (...) trotzdem, oder gerade deswegen, statt. Wenn auch erneut in einer anderen Darstellung und Form", sagte Elferrätin Beatrice Nawrath. Vor allem Menschen in sozialen Einrichtungen und Seniorenheimen sollen unterhalten werden. "Denn gerade in diesen, für uns alle schwierigen Zeiten, ist es für die Narrhalla eine Herzensangelegenheit, auch den Menschen, die nicht selbst am bunten Treiben des Faschings teilhaben können, ein wenig Freude und Lebensmut zu bringen", sagt Nawrath.

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