Almwirtschaft:Feind im Wolfspelz

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Almwirtschaft: Politiker im bayerischen Alpenvorland fordern, dass Wölfe schneller abgeschossen werden sollen.

Politiker im bayerischen Alpenvorland fordern, dass Wölfe schneller abgeschossen werden sollen.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Angesichts mehrerer gerissener Schafe innerhalb weniger Tage werden im Werdenfelser Land die Forderungen nach einem erleichterten Abschuss großer Raubtiere immer lauter.

Von Matthias Köpf, Farchant

Direkt an der Almhütte dieselt neuerdings ein Aggregat von der Feuerwehr, Scheinwerfer leuchten nachts das Gatter aus. Die Garmischer Weidegenossen haben es gezogen, um ihre Schafe zu schützen. So beschreibt Hans Hibler die Szenerie auf der Stepbergalm oberhalb von Garmisch. Hibler ist Vorsitzender der Werdenfelser Bergschafzüchter, seine eigenen Schafe hatte er bis Dienstag fünf Kilometer weiter im Talkessel zwischen Brünstlkopf und Notkarspitze. An jenem Abend aber haben die Weidegenossen aus Farchant ihre Tiere in aller Eile abgetrieben, denn in der Nacht zuvor seien zwei Schafe totgebissen worden und zwei so schwer verletzt, dass sie mit Schüssen erlöst werden mussten. Am Mittwochabend dann haben Farchants Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) und der Garmischer Landrat Anton Speer (FW) einen offenen Brief verschickt mit einer Forderung, die von Bayerns Bergbauern schon lang zu hören ist, nun aber mit neuer Dringlichkeit vorgebracht wird: Der Wolf müsse weg.

Da wären sie sich einig mit mehreren Staatsministern und dem Ministerpräsidenten, die zuletzt bei allerlei Almbegehungen einen erleichterten Abschuss gefordert haben. Jetzt müsse aber auch mal was passieren, verlangt Hibler. Ob es wirklich ein Wolf war, der unter den Farchanter Schafen gewütet und am Freitag zuvor auf der Stepbergalm ein halbes Dutzend Tiere getötet hat? Jener Riss war gleich ein heißes Bierzelt-Thema beim Trachtler-Gaufest am Sonntag in Partenkirchen, und die Einigkeit ist da groß im Werdenfelser Land. Bürgermeister Hornsteiner und Landrat Speer legen sich aber nicht fest auf den Wolf in ihrem Brief. Sie fordern die Staatsregierung auf, "sofort Maßnahmen zur Entnahmemöglichkeit von großen Beutegreifern zu erlassen". Man brauche die Almbauern, um die Kulturlandschaft zu erhalten. Derzeit sehe es aber so aus, als würden sich Wolf, Bär, Luchs und Schakal durchsetzen.

Zäune und Hunde sollen Herden schützen

Denn Wolf, Bär und Luchs sind streng geschützt, und der jüngst zugewanderte Goldschakal unterliegt bisher nicht dem Jagdrecht. Erst vor einer Woche hat das Landesamt für Umwelt, das derzeit auch die Fälle aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen prüft, den ersten Schakal-Riss bestätigt, vier Lämmer bei Huglfing im Landkreis Weilheim-Schongau. Eine staatliche Entschädigung gibt es in dem Fall noch nicht - wohl aber für jedes Tier, das von Wölfen, Bären oder Luchsen getötet wird. Naturschützer betonen zudem die Möglichkeit, Herden durch Zäune und Hunde zu schützen.

Das aber sei im Gebirge unmöglich, heißt es von den Bauern. Auch Hans Hibler sieht das so. Das Schafzüchten ist für viele Werdenfelser vor allem eine Leidenschaft. In der Region gebe es wohl an die 6000 Schafe, sagt Hibler. Die meisten Halter hätten vielleicht ein Dutzend Tiere, alle Schafe einer Genossenschaft verbringen den Sommer auf der Alm. Wer seine Schafe aber nicht sicher vor Rissen wisse, treibe sie womöglich bald gar nicht mehr hinauf. Jetzt geht es jedenfalls erst mal bergab. Die Farchanter Schafe sind schon im Tal, die Garmischer sollen am Wochenende folgen.

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