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Fall Peggy:Wenn Dilettantismus die Spuren verwischt

DN-Fund im Fall Peggy

Ende September rückte die Polizei noch einmal am Fundort der toten Peggy an, um Spuren zu sichern.

(Foto: dpa)

Eine DNA-Spur des Rechtsextremisten Böhnhardt am Fundort der getöteten Peggy hatte wilde Spekulationen ausgelöst. Jetzt kommen Zweifel an den Ermittlern hinzu.

Kommentar von Annette Ramelsberger

Vor zwei Wochen teilte die Staatsanwaltschaft Bayreuth mit: Eine DNA-Spur des NSU-Mitglieds Uwe Böhnhardt wurde bei den Knochen der 2001 verschwundenen Peggy gefunden. Diese Nachricht hat ausgelöst, dass in Thüringen eine Sonderkommission eingerichtet wurde, die alle ungeklärten Kindermorde durcharbeitet. In Bayern wurde die Soko Peggy aufgestockt. Im NSU-Prozess fragte der Richter die Angeklagte Zschäpe, ob sie etwas von Peggy wisse. Und die Mutter des getöteten Mädchens wurde zurückkatapultiert in den Schmerz.

Und das alles nur, weil - vermutlich - bei der Kripo Thüringen ein Fehler passiert ist. Wieder einmal. So wie schon im Fall des Wohnmobils des NSU, das so dilettantisch gesichert wurde, dass alle Spuren durcheinanderrutschten. Natürlich hat dies Verschwörungstheorien befeuert, dass sich Böhnhardt und Uwe Mundlos gar nicht selbst getötet haben.

Wer vor zwei Wochen warnte, es könne alles Zufall sein, den brachte der Hinweis auf die Eindeutigkeit von DNA-Tests zum Schweigen. Doch DNA-Spuren sind nur sicher, wenn sie mit höchster Professionalität gesichert werden. Nicht wenige Staatsanwälte warnen ihre Freunde davor, eine Zigarettenkippe wegzuwerfen - sie könnten unter Verdacht geraten, wenn an der Stelle später jemand ermordet wird. Keiner werde ihnen dann noch glauben. Fehler und Irrtümer kommen viel häufiger vor als bisher bekannt.

© SZ vom 28.10.2016

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