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Fall Peggy:Gericht prüft Ulvi K.s Unterbringung in Psychiatrie

  • Das Landgericht Bayreuth prüft, ob der im Fall Peggy freigesprochene Ulvi K. weiter in der Psychiatrie bleiben muss.
  • Sein Anwalt sagt, K. habe Anspruch auf Rehabilitation. Er will möglicherweise ein weites Wiederaufnahmeverfahren für den psychisch kranken Lichtenberger beantragen.
  • Das Verschwinden der damals neunjährigen Peggy ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle in Deutschland.

Der neue Anwalt von Ulvi K. will möglicherweise ein zweites Wiederaufnahmeverfahren für den psychisch kranken Lichtenberger beantragen. Der 37-Jährige, der 2004 für den Mord an der kleinen Peggy verurteilt und im vergangenen Jahr doch freigesprochen worden war, sitzt weiterhin in der Psychiatrie in Bayreuth, weil er Kinder missbraucht und Peggy vergewaltigt haben soll.

Kriminalität Chronologie eines rätselhaften Verbrechens
Fall Peggy

Chronologie eines rätselhaften Verbrechens

2001 verschwand die kleine Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule spurlos. Seitdem laufen die Ermittlungen - mit immer neuen Hinweisen. Eine Chronologie.

"Herr K. hat Anspruch auf Rehabilitation, er steht momentan noch da als Vergewaltiger von kleinen Mädchen und das muss irgendwann ausgeräumt werden", sagt Thomas Saschenbrecker am Donnerstag. Unabhängig von einem Wiederaufnahmeantrag, der bei Erfolg bedeutet, dass das Verfahren neu aufgerollt wird, bemüht sich der Rechtsanwalt, der Ulvi K. seit zwei Monaten vertritt, um die Entlassung des jungen Mannes aus der Psychiatrie oder wenigstens um spürbare Erleichterungen. Am Donnerstag fand die jährliche Anhörung vor dem Landgericht Bayreuth statt. Die Überprüfung ist Routine, dennoch bekam sie eine besondere Aufmerksamkeit, weil es die erste nach dem Freispruch im Mordfall Peggy war. Ein Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Eine Verurteilung hätte niemals 13 Jahre Haft ergeben, sagt der Anwalt

Mit einer sofortigen Entlassung rechnet Anwalt Saschenbrecker nicht, aber er sei zuversichtlich, dass die Kammer die Argumente ernst nehme. Vor allem sei das die Verhältnismäßigkeit. Wäre Ulvi K. damals wegen des sexuellen Missbrauchs verurteilt und nicht als schuldunfähig in der Psychiatrie untergebracht worden, "hätte das niemals für eine Verurteilung zu 13, 14 Jahren Haft gereicht", sagte Saschenbrecker. So lange ist Ulvi K. bereits in Bayreuth untergebracht. Sein Anwalt will erreichen, dass er beispielsweise in einer betreuten Wohngruppe leben kann.

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Ulvi K. selbst, der am Donnerstag nach der Anhörung zusammen mit seinen Eltern vor Journalisten und seine Unterstützer trat, sagte wenig. Was er sich wünsche, wird er gefragt. "Dass ich rauskomm'", sagte er. Gudrun Rödel, die Betreuerin des 37-Jährigen, die seit vielen Jahren für seine Freilassung kämpft, ist zurückhaltend optimistisch. Immerhin seien von den Ärzten Gespräche angekündigt worden, sagte sie. Die umtriebige Betreuerin ist wie ihre Mitstreiter aus dem Unterstützerkreis von der Unschuld des 37-jährigen Gastwirtsohnes überzeugt. Sie halten ihn für ein Opfer von Ermittlern und Gutachtern.

Das Verschwinden der damals neunjährigen Peggy in Lichtenberg im Landkreis Hof ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle in Deutschland. Die Schülerin verschwand auf dem Heimweg von der Schule. Eine beispiellose Suchaktion, bei der sogar Tornados der Bundeswehr eingesetzt wurden, blieb ohne Erfolg, bis heute ist das Mädchen verschwunden. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth ermittelt wieder in dem Fall. Allerdings gibt es keinen Hauptverdächtigen.

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