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Fall Mollath:Mollath erzählt eine ganz andere Geschichte

Mollath, so liest sich das, beschimpft grundlos Pflegemitarbeiter, bringt sie in Zusammenhang mit "Terrortruppen", redet aber nicht mal mit dem Betroffenen darüber. Das wäre arg. Wenn es so wäre.

Gustl Mollath

Noch immer in der Psychiatrie: Gustl Mollath.

(Foto: dpa)

Mollath selbst, darauf angesprochen, erzählt eine ganz andere Geschichte. Demnach habe er den Mitarbeiter wegen dessen T-Shirt mit dem Aufdruck "Omon" zur Rede gestellt, eine Einheit der russischen Polizei. Es gibt viele, die Omon für zweifelhaft halten, spätestens seit der Grünen-Abgeordnete Volker Beck 2010 auf einer Schwulen-Kundgebung in Moskau mit ihr unfreiwillig grob in Konflikt geriet. "Deren Aufgabe ist es, Angst zu verbreiten" sagt Beck. Kreuze Omon auf, hätten "rechtsstaatliche Mittel keine Chance mehr". Und: "An Herrn Mollaths Stelle wäre ich auch verängstigt, wenn ein Betreuer mit so einem Schriftzug seinen Dienst versieht."

Stimmt Mollaths Darstellung? Ein ehemaliger Mitinsasse, inzwischen in Freiheit, bestätigt sie der SZ. Er sei Zeuge geworden, wie Mollath den Mitarbeiter auf das Shirt angesprochen habe. Mollath sei erregt gewesen, schließlich handele es sich bei dem Bezirkskrankenhaus "um eine mit öffentlichem Geld finanzierte Institution".

Seit Mai 2013 gibt es, weil Mollath um dienstrechtliche Überprüfung bat, sogar eine Stellungnahme des Sozialministeriums in der Sache. Demnach hat sich der Vorfall im September 2009 zugetragen. Der Mitarbeiter habe erklärt, das Shirt "ohne Kenntnis über die Hintergründe der kyrillischen Schriftzeichen und des aufgedruckten Wappens gekauft" zu haben. Seither habe er das Shirt nicht mehr getragen.

Selbst wenn dem so wäre, wenn der Mitarbeiter nicht wusste, was er da trug: Hätte die Klinik den Vorfall nicht unbedingt erwähnen müssen in der Stellungnahme? Immerhin werden Mollaths Äußerungen dort "gesondert hervorgehoben". Klaus Leipziger, Chef der Forensischen Psychiatrie in Bayreuth, erklärt dazu: Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass es "seit der Übernahme des Patienten" auf die jetzige Station zu keiner Konfrontation gekommen sei. Diese Übernahme sei 2012 erfolgt. Der "zeitlich lange zurückliegende und geklärte Vorfall" habe insofern nicht in die "Stellungnahme zum Berichtszeitraum" seit Dezember 2012 eingehen müssen.

Fall Mollath

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