Fall Mannichl "Gesellschaftliche Vernichtung der Familie"

Passaus Polizeichef erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen Kollegen. Er und seine Familie seien "vom Opfer zum Täter gemacht" worden, kritisierte er.

Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl kritisiert, er und seine Familie seien "in einer Hetzkampagne vom Opfer zum Täter gemacht" worden. Was er nach dem Attentat im Dezember erlebt habe, sei "die gesellschaftliche Vernichtung der Familie Mannichl" gewesen, sagte er der Passauer Neuen Presse.

Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl fühlt sich einer "Hetzkampagne" ausgesetzt.

(Foto: Foto: AP)

Mannichl warf Ermittlern vor, die Stimmung nach dem Messeranschlag auf ihn mit anonymen Aussagen in den Medien noch verstärkt zu haben. Die Mitglieder der Sonderkommission nahm er jedoch ausdrücklich aus.

"Da wurde das Bild der Beziehungstat gemalt - obwohl zu dem Zeitpunkt die Münchner Ermittler noch überhaupt keine Details kannten", kritisierte Mannichl. "Einige Geschwätzige haben damit massiv Stimmung gemacht." "Aus meiner Sicht der Dammbruch war, als die Staatsanwaltschaft Anfang Januar plötzlich von 'Merkwürdigkeiten' sprach, weil auf der Tatwaffe nur meine DNA-Spuren seien", sagte Mannichl der Zeitung.

Jetzt entnehme er der Presse, dass es so viele sich überlagernde DNA-Spuren auf dem Messer gebe, dass die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei. "Da frage ich mich: Wie konnte es zu dieser widersprüchlichen Aussage kommen? Dafür habe ich keinerlei Verständnis."

Mannichl fühlt sich noch immer bedroht

Der Polizeichef wandte sich auch gegen Vorwürfe, er habe den Täter zu klischeehaft beschrieben: "Meine Aufgabe als Zeuge ist es, wahrheitsgemäße Aussagen zu machen. Auch wenn es andere gerne hören würden: Ich konnte nichts anderes sagen. Was er gesagt hat, hat er gesagt; wie er ausgesehen hat, hat er ausgesehen.

Und zu dem Vorwurf, meine Personenbeschreibung sei schwach, kann ich nur sagen: Ich habe in dem Moment einfach versucht, zu überleben." Mannichl fühlt sich noch heute bedroht. "Ich befürchte nach wie vor, dass ich nicht aus dem Schussfeld bin. Der Täter hatte mit dem Angriff einen gigantische Medienwirksamkeit. Das könnte ihn bewegen, das wiederholen zu wollen", sagte er.

"Ich persönlich glaube an einen durchgeknallten rechtsextremen Einzeltäter", sagte Mannichl. "Das Attentat wurde ja zu meinem Glück recht stümperhaft ausgeführt", ein geplantes Attentat rechter Kreise hätte er dagegen wahrscheinlich nicht überlebt. "Ob der mich töten oder mir nur eine Abreibung verpassen wollte, das wird man bei den Vernehmungen sehen, wenn er mal festgenommen ist", sagte der Polizeichef. Dass es dazu kommen werde, hoffe und glaube er. Auch weil dann endlich die Gerüchteküche stillstehe.

Die Vorwürfe Mannichls im Zusammenhang mit seiner Familie sind nicht neu: Bereits in einem Interview mit dem Magazin Stern hatten Mannichl und seine Frau Anneliese den Ermittlern vorgeworfen, zu spät auf die Spekulationen über eine Beziehungstat reagiert zu haben. Die "Hetze" gegen die Familienmitglieder sei kaum zu ertragen gewesen, sagte das Ehepaar der Zeitschrift. Entlastende Informationen hätten früher mitgeteilt werden müssen.