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Extremlauf in Münnerstadt:Die Bravehearts von Unterfranken

Sie tauchen durch Schlammlöcher, klettern über Strohwände und schwimmen durch eiskaltes Wasser: Mehr als 2000 Teilnehmer suchten bei der "Braveheart-Battle" in Unterfranken die extreme Herausforderung - darunter ein blinder Mann und ein Starter mit Beinprothese.

Mehr als 2350 Teilnehmer haben sich am Samstag im unterfränkischen Münnerstadt (Landkreis Bad Kissingen) der extremen Herausforderung der "Braveheart-Battle" gestellt. Sie tauchten durch tiefe Schlammlöcher, kletterten über riesige Strohwände und schwammen schlotternd durch eiskaltes Wasser.

Beim dritten Wettlauf der Bravehearts galt es, insgesamt 24 Kilometer mit zahlreichen natürlichen und künstlichen Hindernissen zu überwinden. Auch 178 Frauen stellten sich neben 2176 Männern dem Gewaltmarsch. 2246 Teilnehmer schafften es ins Ziel, allerdings rund 50 von ihnen aber nicht in der zugelassenen Zeitspanne von fünf Stunden. Nur knapp zwei Stunden brauchte indes der Sieger, Dennis Jünemann, ins Ziel.

Was für die Teilnehmer zunächst ein "perfektes Braveheart-Wetter" aussah, entpuppte sich nach Angaben von Mitorganisatorin Ursula Schemm mit wenigen Graden über null als doch recht kalt. "Wenn man dauernd ins Wasser muss, ist die Kälte schon eine Strapaze." Etwa 70 Rettungseinsätze seien nötig gewesen, gleich mehrere wegen Unterkühlung.

Dennoch seien die meisten Teilnehmer mit den Bedingungen und der Schwierigkeit zufrieden gewesen. Sie wollten eine anstrengende und schwierige Strecke bewältigen, sagte Schemm. Bei den Hindernissen kamen die Veranstalter diesem Wunsch entgegen.

So mussten die Sportler während des Rundkurses nicht nur das Schlammloch "Loch Ness" tauchend, watend und schwimmend durchqueren. Sie sahen sich zudem mit Reifenburgen, einem steinigen Bachlauf, von dornigen Büschen dominierten Wegen, extremen Steilhängen und einem meterlangen Hangelhindernis konfrontiert. "Das Wasser dürfte nicht wärmer als drei Grad gewesen sein", sagte Schemm.

Die sportliche Herausforderung nahmen Läufer nicht nur aus Deutschland an. Es hatten sich Mexikaner, Schweden, Engländer, Amerikaner und Schweizer angemeldet. 95 Prozent aller Angemeldeten sei als mindestens fünfköpfiges Team gestartet. "Bei uns stehen Teamgedanke und Spaß im Vordergrund. Das ist nicht wie bei einem Marathon, wo jeder für sich mit seinem ausgezehrten Körper kämpft", sagte Schemm.

Unter den Startern waren auch ein Blinder, ein Mann mit Beinprothese und ein vor wenigen Jahren noch Querschnittsgelähmter. "Das sind eigentlich die wirklichen Bravehearts." Der englische Begriff für Tapferkeit (bravery, braveness) ist Namensgeber des Laufes. Die Teilnehmer nehmen es als Herausforderung, "als Individuum oder als Gruppe von Gleichgesinnten einer schwierigen Situation furchtlos gegenüberzutreten".

Beim ersten Braveheart-Battle 2010 hatten sich 600 Menschen angemeldet, ein Jahr später waren es 1400. "Dieses Jahr haben sie uns schier überrannt", berichtet die Organisatorin. Als Helfer bei Unfällen wachten Rotes Kreuz, Wasserwacht, Bergwacht und Feuerwehr an der Laufstrecke.

© Süddeutsche.de/dpa/tob
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