CSU bei der Europawahl "Wir haben es richtig gemacht"

Nur bei seinem Wahlgang am Sonntag im seinem Heimatort Wildenberg tritt Manfred Weber in den Hintergrund.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die CSU ist in Bayern stärkste Kraft, wenn auch mit vergleichsweise schlechtem Ergebnis. Nun muss Spitzenkandidat Manfred Weber nur noch Kommissionspräsident werden.

Von Wolfgang Wittl

Anders als andere Parteien hat die CSU am Sonntag lieber nicht zur "Wahlparty" eingeladen, sondern nur zum "Wahlabend". Die Vorsicht erklärt sich aus den jüngsten Bundes- und Landtagswahlen, nach denen das Feierbedürfnis eher gering ausfiel. Nicht einmal die beiden Hauptdarsteller sind in der Parteizentrale anwesend, nur kurz werden sie über die Leinwand flimmern. Das reicht allerdings, um die versammelte Basis in einen Zustand kollektiven Entzückens zu versetzen. 39,5 Prozent zeigt die erste Prognose an - es wäre das schlechteste Ergebnis der Partei bei einer Europawahl. Trotzdem bricht schon da lauter Jubel aus. "Der Trend nach unten ist gestoppt", wird Parteichef Markus Söder gleich sagen. "Der Pfeil zeigt wieder nach oben für die Volkspartei CSU", frohlockt Generalsekretär Markus Blume. Tatsächlich wird der Pfeil im Lauf des Abends noch weiter nach oben zeigen.

Während die Gäste in der Landesleitung sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, hält sich CSU-Vize Manfred Weber, der Spitzenkandidat der Union und der Europäischen Volkspartei, zusammen mit Söder in der Berliner CDU-Zentrale auf. Für beide ist die Wahl von historischer Bedeutung: Weber will Präsident der EU-Kommission werden; Söder verantwortet sein erstes Ergebnis als CSU-Chef. Als Partner könnten sie nicht ungleicher sein. Zwei Jahrzehnte lang haben sie sich intensiv beharkt. Doch seit einem Jahr sitzen beide im selben Boot - und rudern inzwischen sogar in dieselbe Richtung.

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Am Wahlabend stellt sich Söder demonstrativ an Webers Seite. Er ist mit ihm nach Berlin gereist, obwohl er wohl lieber in München geblieben wäre. Die nächsten Tage wird er Weber in Brüssel unterstützen. Im Wahlkampf hatte die CSU für ihren Spitzenkandidaten jede Bühne freigeräumt. Nun stehen Weber und Söder einträchtig nebeneinander und werden aus Berlin zugeschaltet, den Jubel in der Parteizentrale nehmen sie dankbar an. Man dürfe aber "nicht übermütig werden", bremst Söder die Euphorie, "wir haben noch eine Menge Luft nach oben". Weber sagt, das Ergebnis aus Bayern liefere "Rückenwind" für sein Ziel, Kommissionspräsident zu werden.

Die erweiterte Kommandobrücke der Partei nimmt die neue Harmonie erfreut zur Kenntnis. Der Streit mit der CDU, der Absturz bei den Bundes- und Landtagswahlen, der interne Machtkampf zwischen Söder und Horst Seehofer: All das hat die CSU gelehrt, dass sie nur geschlossen erfolgreich sein kann. Webers Förderer, der frühere Parteichef Erwin Huber, sagt: "Die CSU steht gut da." Sie sei der "stabilisierende Faktor" der Union, die im Bund deutlich unter 30 Prozent liegt. So klar war der Abstand zwischen CSU und CDU zuletzt vor zehn Jahren. Dies spreche eindeutig für einen "Weber-Effekt" in Bayern, analysiert Huber. "Ich bin sehr zufrieden", sagt auch der Europaabgeordnete Markus Ferber. "Wir haben es richtig gemacht."

Eine Stunde später zeigt der CSU-Pfeil die sehnsüchtig erhoffte Vier vorne an. Um 23 Uhr ergibt das vorläufige Endergebnis 40,7 Prozent. Das ist knapp über den historisch miesen 40,5 Prozent von 2014. Damals war die CSU jedoch von einer absoluten Mehrheit im Land aus tief abgestürzt. Nun startete sie von dürftigen 37,2 Prozent nach der Landtagswahl. "Klarer Aufwärtstrend", diagnostiziert der Bundestagsabgeordnete Max Straubinger. Ausgerechnet die oft vernachlässigte Europawahl hat die CSU stabilisiert.

"Die Europawahl ist erst mit der erfolgreichen Wahl von Manfred Weber zum EU-Kommissionspräsidenten abgeschlossen"

Seinen therapeutischen Zweck hat bereits der Wahlkampf erfüllt. Er war ein Prozess des Findens und Zusammenfindens. Die CSU hat unter ihrem Spitzenkandidaten Weber ihre Mitte wiederentdeckt und obendrein die Partnerschaft zur Schwesterpartei CDU. 2014 hatte sich die CSU ja nicht entscheiden können, wo sie stehen wollte: für oder gegen Europa.

Mit wie vielen Abgeordneten die Christsozialen ins Brüsseler Parlament einziehen, lässt sich zunächst schwer abschätzen. 2014 waren sie von acht auf fünf Sitze nahezu halbiert worden. Die ersten fünf Plätze sind auch diesmal sicher. Sie gehören Manfred Weber, Angelika Niebler, Markus Ferber, Monika Hohlmeier und dem jungen Oberpfälzer Christian Doleschal. Auch die Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler ist wohl dabei. Als die Hochrechnung um 19 Uhr kurzzeitig einen siebten Platz für den Münchner Bernd Posselt ausweist, bricht erneut frenetischer Jubel aus.

Die Partei werde Weber jetzt mit allen Kräften unterstützen, sagt Söder. "Heute war die erste Etappe." Jetzt folge der zweite Teil: "Die Europawahl ist erst mit der erfolgreichen Wahl von Manfred Weber zum EU-Kommissionspräsidenten abgeschlossen. Dafür kämpfen wir." Die nächste Runde beginnt an diesem Montagmorgen mit der Analyse im CSU-Vorstand. Vor der Sitzung wollen Söder und Weber vor die Mikrofone treten. Natürlich gemeinsam.

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