Mitten in Ettal:Schwarzbau für den Kini

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Mitten in Ettal: Der Pavillon der Landesausstellung von 2018 steht bis heute im Ettaler Klostergarten herum.

Der Pavillon der Landesausstellung von 2018 steht bis heute im Ettaler Klostergarten herum.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)

Von der bayerischen Landesausstellung 2018 steht im Ettaler Klostergarten immer noch ein hölzerner Pavillon herum. Der sollte eigentlich längst ganz woanders aufgebaut sein - doch niemand weiß, wo, wie und warum.

Von Matthias Köpf

Mit dem Maurischen Kiosk und dem Marokkanischen Haus ist es damals ja auch gegangen. Den Kiosk hatte seine Majestät, der Kini, 1867 auf der Pariser Weltausstellung entdeckt und ein paar Jahre später im Schlosspark in Linderhof aufstellen lassen. Zur Expo 1878 hat Ludwig II. dann den Hofbaudirektor Dollmann nach Paris geschickt, der ihm das Marokkanische Haus mitbrachte. Das ließ Ludwig am Fuß der Kreuzspitze aufbauen. Nach seinem Tod wurde es nach Oberammergau verscherbelt und 1980 von der Schlösserverwaltung in desolatem Zustand zurückgekauft und ebenfalls nach Linderhof transferiert. Warum also sollte so etwas nicht auch mit jener hölzernen Schneekugel gehen, in die das Haus der bayerischen Geschichte zur Landesausstellung 2018 Ludwigs sonstige Visionen für Linderhof projizieren ließ? Doch das Ding steht immer noch als Schwarzbau im Ettaler Klostergarten, und die Mönche wissen auch nicht, wohin damit.

Die Abtei war damals Bauherrin des vom Freistaat mit fast 600 000 Euro bezahlten und vom Landratsamt in Garmisch wegen des klösterlichen Denkmalschutzes bloß bis 2019 genehmigten Bauwerks. Die Landesstellung in Ettal sollte sich ursprünglich um den "Mythos Wald" drehen. Doch dann waren 2018 überraschend 100 Jahre Freistaat zu feiern. Zu jenem Jubiläum bayerischer Königslosigkeit brezelten die Impresarios ihre Schau ausgerechnet zu "Wald, Gebirg und Königstraum - Mythos Bayern" auf. Und Ludwigs Königsträume von einem byzantinischen Palast und einem chinesischen Schloss im nahen Graswangtal schwebten den 120 000 Besuchern dann in diesem Pavillon vor, mit dem die Staatsforsten eigentlich zeigen wollten, wie leicht und nachhaltig so ein Holzbau auf- und ab- und mit ganz neuer Nutzung anderswo wieder aufgebaut werden kann.

Nur ist jene ganz neue Nutzung leider noch keinem eingefallen, und der Pavillon ist auch viel massiver geraten und deutlich schwerer abzubauen, als sich alle das vorgestellt hatten. Das hat nun sogar den Obersten Rechnungshof auf den Plan gerufen, der sich Sorgen wegen der Wirtschaftlichkeit macht. Vielleicht sollten die Mönche den Pavillon einfach auf eine Weltausstellung stellen, da wird schon wer Gefallen dran finden. Oder ihn gleich in einem Königstraum aufbauen, womöglich neben dem byzantinischen Palast und dem chinesischen Schloss. Dort braucht es keine Baugenehmigung, und der Rechnungshof darf auch nicht hinein.

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