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Ermittlungen wegen Wahlmanipulation:"Ist doch super", wenn fast alle ausländischen Mitarbeiter wählen

Auch durch Geschichten wie die folgende ist das Misstrauen spürbar gewachsen: Als ein Nachbar mitbekommen habe, dass sich die Erntehelfer an der Wahl beteiligen wollen, habe der seine Hilfe angeboten. Schließlich sei so ein Wahlzettel für jemanden, der kaum Deutsch spreche, schwer verständlich. Dem Mann sei allerdings gesagt worden, er brauche sich nicht weiter zu kümmern. Die Arbeiter müssten nur unterschreiben, ausfüllen werde den Zettel "der Chef". Eine glatte Frechheit seien solche Unterstellungen, sagt Karl Baumann: "Wie käme ich dazu", Zwang auszuüben oder jemandem sogar den Stift zu führen?

Auf dem Hof der Baumanns steht ein roter Lieferwagen mit dem Muster einer Erdbeere, in fabrikgroßen Hallen surren Maschinen, die kistenweise Spargel waschen und sortieren.

Baumann beliefert Märkte in halb Deutschland und bis in die Schweiz. Während andere Bauern auf warme Temperaturen warten, fließt auf Baumanns Feldern bereits beheiztes Wasser durch unterirdische Rohre, damit sich der Spargel früher ernten lässt. Baumann gehört zu den Innovativen der Branche, diese Innovationskraft unterstellt ihm mancher nun auch bei den Kommunalwahlen.

An den Unterkünften der Arbeiter kleben CSU-Plakate

Karl Baumann stand nicht zur Wahl, doch seine Frau ist gerade nicht da. Und weil auch er die CSU unterstütze und die Vorwürfe inzwischen fast schon geschäftsschädigend seien, gebe er über diese "schöne Polit-Provinzposse" gerne persönlich Auskunft. Zunächst seien seine Mitarbeiter glücklich gewesen, als sie erfahren hätten, dass nun auch sie in ihrer Wahlheimat mitbestimmen dürften. Und wie entsetzt und traurig sie wegen der derzeitigen Diskussion in der Stadt seien.

Dass er Wahlwerbung gemacht hat, gibt Baumann offen zu. Bis heute kleben an den Quartieren seiner Arbeiter vier CSU-Plakate. Es sei das Normalste auf der Welt, dass seine Mitarbeiter Menschen wählten, die sie kennen und denen sie vertrauten. Also ihre Chefin, den Nachbarn, den Cousin, die Kollegin und den Freund der Tochter. Der Bürgermeisterkandidat der CSU sei wohl unterstützt worden, weil er sich für die Reaktivierung eines Supermarkts und mehr Ärzte in der Stadt einsetze. Habe er zumindest gehört, sagt Baumann. Aber die Ewa könne das bestimmt besser erzählen.

Die CSU-Plakate zieren bis heute die Unterkünfte der Erntehelfer.

Die CSU-Plakate zieren bis heute die Unterkünfte der Erntehelfer.

(Foto: Wolfgang Wittl)

Ein Anruf, und Ewa Urbach gibt gerne Auskunft. Seit gut zehn Jahren lebt die gebürtige Polin in Deutschland, bei den Baumanns arbeitet sie im Personalwesen. Nahezu akzentfrei erklärt sie, warum sie gewählt hat, wie sie gewählt hat. Weil sie gerne einen Supermarkt und mehr Ärzte in der Stadt hätte. Und dass man natürlich für Menschen stimme, die man kenne und denen man vertraue.

Drei weitere Mitarbeiter in der Halle sagen dasselbe. Eine Wahlbeteiligung von 96,5 Prozent unter den ausländischen Mitarbeitern? "Ist doch super", sagt Karl Baumann. Daran könne man sehen, wie ernst es den Menschen mit ihrem Wahlrecht sei. Die EU wolle zusammenwachsen, da solle man in Geiselhöring bitteschön nicht wieder anfangen zu spalten.