Ermittlungen:"Ich muss sagen, leider Gottes sind wir verarscht worden."

Im Kern ging es dabei um die Frage, ob ein früheres Mitglied der Rockergruppe "Bandidos" seine Funktion als Spitzel des LKA, als ein sogenannter V-Mann also, ausgenutzt hat, um ungehindert mit Drogen handeln zu können. In einem ersten Prozess war der V-Mann zu fast sieben Jahren Haft verurteilt und in der Verhandlung von LKA-Leuten als Lügner und Fantast dargestellt worden. Das änderte sich beim zweiten Prozess vollkommen. Zwar wurde der V-Mann erneut verurteilt, mit Drogen hätte er so oder so nicht handeln dürfen. In strafrechtliches Zwielicht gerieten diesmal aber auch die LKA-Leute.

Über die sagte ein früherer Beamter der Würzburger Polizei vor Gericht: "Ich muss sagen, leider Gottes sind wir verarscht worden." Und zwar vom LKA. Ein Kollege der LKA-Beamten berichtete sogar, ihm sei "heiß und übel" geworden, als er merkte, dass seine Kollegen offenkundig Akten manipuliert hatten, um ihre Mitwisserschaft an Aktionen des Bandidos zu vertuschen.

Einer der Tatvorwürfe ist dann auch Urkundenunterdrückung: Material, das in den Akten stand und sie selbst ins Zwielicht gesetzt hätte, sollen LKA-Leute entfernt haben. Auch sollen zwei von ihnen von einem Diebstahl von Mini-Baggern gewusst und die Bandidos gedeckt haben - daher der Tatvorwurf des Diebstahls in mittelbarer Täterschaft. Auch soll der Tacho des Autos, mit dem der V-Mann unterwegs war, manipuliert worden sein: Verdacht des Betrugs und der Datenveränderung. Und schließlich sollen Beamte das Gericht im ersten Prozess bewusst mit der Unwahrheit bedient haben: Verdacht der Falschaussage. Alles andere als Kavaliersdelikte.

Bisher hat die Staatsanwaltschaft zwar keine Anklage erhoben, und solange kein Urteil vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung. Dennoch haben die Razzien eine verheerende Wirkung aufs Personal in der betroffenen LKA-Abteilung. Wie ein Beamter der SZ berichtet, werde unter den Polizisten bereits gewitzelt: "Wer meldet sich freiwillig, wenn es soweit ist, um den Chef festzunehmen und abzuführen?" Solche Sprüche gebe es im kleinen Kreis.

Andere Fragen, die sich die Kollegen stellen, sind weniger witzig: Wie kann jemand, gegen den ermittelt wird, die Dienstaufsicht führen? Warum werden diese Leute trotz massiver Vorwürfe von der LKA-Führung nicht suspendiert oder zumindest von der Leitungsfunktion entbunden? Nur der V-Mann-Führer wurde suspendiert. Wie glaubwürdig ist die Polizei, wenn Leute federführend gegen die Organisierte Kriminalität ermitteln, denen selbst gemeinsam begangene Straftaten vorgeworfen werden?

Die SZ richtete diese Fragen ans LKA. Dieses gibt keine Auskunft, man verweist an die Staatsanwaltschaft Nürnberg. Diese nennt keine Details. Nach SZ-Informationen aber prüft sie, ob eine der Führungskräfte die Zeugenaussage eines untergebenen Beamten beeinflusst hat. Eine Anweisung soll gelautet haben: "Zu denen sagst du gar nichts." Das sind schwere Vorwürfe, sagt ein Polizist, "da geht es um Vertuschungshandlungen im Amt". Die Autorität der Beamten sei nicht mehr gegeben. Das Strafmaß für Strafvereitelung im Amt sieht bis zu fünf Jahren Haft vor.

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