Ermittlungen in Bayreuth Kein Verdächtiger mehr im Fall Peggy

Peggy Knobloch war neun, als sie verschwand. Ihre Leiche ist bis heute nicht aufgetaucht.

(Foto: dpa)
  • Der Fall Peggy bleibt weiter ungelöst.
  • Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat die Verfahren gegen drei Verdächtige eingestellt.
  • Peggy ist nun schon mehr als 13 Jahre verschwunden, das damals neunjährige Mädchen ist auf dem Heimweg von der Schule zum letzten Mal gesehen worden.
Von Katja Auer, Bayreuth

Der Fall Peggy bleibt weiter ungelöst. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat die Verfahren gegen drei Verdächtige eingestellt. "Mangels Tatnachweises", wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Wieder bleibt unklar, wer das Mädchen 2001 vielleicht verschleppt und möglicherweise sogar umgebracht hat. Nun gibt es nur noch ein paar offene Spuren, die nicht jene drei Männer betreffen. Sie sollen weiter untersucht werden, in einem Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt.

Fast 14 Jahre ist Peggy nun schon verschwunden, das damals neunjährige Mädchen ist auf dem Heimweg von der Schule zum letzten Mal gesehen worden. Seitdem rätseln sie in Lichtenberg im Frankenwald, wer es gewesen ist. So viele Geschichten sind da schon erzählt worden, so viele Verschwörungstheorien. Nach Tschechien könnte sie verschleppt worden sein, vom Stiefvater in die Türkei entführt, die Mutter könnte was wissen. Es wurde sehr viel geredet.

Die Leiche ist bis heute nicht aufgetaucht

2004 wurde Ulvi K. als Mörder von Peggy verurteilt, der geistig eingeschränkte Gastwirtsohn aus Lichtenberg habe sie missbraucht und später ermordet, um das zu vertuschen, begründete das Gericht. Die Leiche des Mädchens allerdings ist bis heute nicht aufgetaucht. Im vergangenen Jahr wurde der 37-Jährige in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Seine Unterstützer jubelten, sie hatten stets an seine Unschuld geglaubt. Der junge Mann muss allerdings in der Psychiatrie bleiben, dort sitzt er wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Gerade erst hat ein Gericht entschieden, dass es noch zu gefährlich wäre, Ulvi K. zu entlassen. Sein Anwalt will dagegen vorgehen.

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Chronologie eines rätselhaften Verbrechens

2001 verschwand die kleine Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule spurlos. Dann fand ein Pilzsammler Anfang Juli dieses Jahres ihre Knochen in einem Wald in Thüringen. Eine Chronologie.

Die Ermittler machten weiter, immer noch gab es ungeklärte Spuren, es soll überhaupt einiges schiefgelaufen sein bei den Untersuchungen damals. Eine beispiellose Suchaktion war nach dem Verschwinden des Mädchen angelaufen, Hunderte Polizeibeamte, Hunde, Taucher und sogar Tornados der Bundeswehr waren im Einsatz. Vergeblich. Vor einem Jahr hat die Polizei ein Grab auf dem Lichtenberger Friedhof geöffnet, doch auch bei der dort bestatteten alten Dame fand sie Peggy nicht. Genauso wenig wie in dem Hof am Lichtenberger Marktplatz, den die Ermittler vor knapp zwei Jahren aufgraben ließen. Bis auf ein paar Knöchelchen, die vermutlich von einem früheren Friedhof dort stammten, entdeckten sie nichts.

Die Ermittler sind 4800 Spuren nachgegangen

Das Anwesen gehörte einem Mann, der in das Visier der Staatsanwaltschaft Bayreuth geraten war, die seit 2012 wieder ermittelte. Der Rentner ist einschlägig vorbestraft, doch er bestritt die Tat, und der Verdacht gegen ihn erhärtete sich nicht. Auch nicht gegen die anderen beiden Männer. Einer war ein früherer Bekannter von Peggys Familie aus Halle, er sitzt im Gefängnis, weil er seine eigene Tochter missbraucht hat. Ebenso wie seine Nichte, die mit ihrer Familie neben Peggy in Lichtenberg wohnte, wo er regelmäßig zu Besuch war.

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Der im Fall Peggy freigesprochene Ulvi K. muss weiter in der Psychiatrie bleiben. Es gehe "nach wie vor eine Gefahr für die Allgemeinheit" von ihm aus, heißt es in der Entscheidung des Gerichts. K.s Anwalt sieht das anders - und will Beschwerde einlegen.   Von Katja Auer

Die Polizei fand bei ihm auch Fotos von Peggy, er soll ihr recht zugetan gewesen sein, gar vernarrt in das Mädchen. Er bestritt aber stets, etwas mit dem Verschwinden des Kindes zu tun zu haben. Ebenso wie der dritte Verdächtige, der Halbbruder des Mannes aus Halle und Nachbar von Peggys Familie. Gegen ihn wurde ebenfalls ermittelt, er hatte für die Tatzeit kein Alibi.

4800 Spuren gingen die Ermittler in den vergangenen zweieinhalb Jahren nach und sie befragten 180 Zeugen. "Alle Überprüfungsmöglichkeiten bezüglich der drei Beschuldigten sind nun ausgeschöpft worden", hieß es am Mittwoch im Juristendeutsch der Staatsanwaltschaft. Nun gibt es keinen Verdächtigen mehr im Fall Peggy. Nur noch ein paar wenige offene Spuren. Die sollen weiter "mit Nachdruck" verfolgt werden.