ErlangenDer Verlobte „Jan“ ist weiter zur Fahndung ausgeschrieben

Lesezeit: 2 Min.

Die Bergkirchweih 2026 hat Menschen weit über Erlangen hinaus in Atem gehalten – in zweifacher Hinsicht.
Die Bergkirchweih 2026 hat Menschen weit über Erlangen hinaus in Atem gehalten – in zweifacher Hinsicht.
Foto: Michael Gründel/Imago

Immer noch wird nach einem auf der Bergkirchweih verloren gegangenen potenziellen Ehemann gesucht. Ein letzter Versuch.

Glosse von Olaf Przybilla

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Die Bergkirchweih 2026 ist in die Geschichte der Volksfeste eingegangen, sie hat Menschen in Wallung gebracht, nicht allein in Erlangen. Es ging um die Frage: Sollte man „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang noch spielen auf einem Mitsing-Fest? Mitten über SZ-Schreibtische ist diese Lawine gerollt, beinahe musste zusätzliches Personal rekrutiert werden, um auf die Empörung angemessen zu reagieren. Wohlgemerkt: Empörung von beiden Seiten.

Bei Durchsicht der Prostest-Schreiben fällt auf, dass sich da zwar zwei Positionen unversöhnlich gegenüberzustehen scheinen. Dass die Lösung dieser vermeintlich maximal konträren Gefechtslage aber ganz banal sein könnte, würde man sich darauf verständigen können, beim Vorsingen und Mitgrölen das Nu-Wort (vor „ ... sich die Füße platt“) zu ersetzen. Und zwar schlicht durch den silbengleichen, aber deutlich weniger pejorativen Begriff „Huren“ – dürften wohl beide Seiten einigermaßen leben können damit.

Aber vermutlich wäre das zu einfach, man könnte sich dann ja nicht aufregen. Und andere für übergriffig, durchgeknallt, impertinent erklären.

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Im Sturm des allgemeinen Missvergnügens aneinander drohte etwas aus dem Blick zu geraten, was Menschen – im Angesicht der Bergkirchweih 2026, gleiche Zeit also, gleicher Ort – ebenfalls weit über Erlangen hinaus in Atem gehalten hat. Es ging da nicht um „Rosi“, sondern um „Jan“. Aber ebenfalls um eine triviale Angelegenheit: Auf dem „Berg“ sieht eine Frau einen Mann – und sucht daraufhin im Internet nach ihm. Folge: Tausende verzückte Reaktionen. Und das in einem Ton, als hätten alle stimmungsaufhellende Kräuter intus.

Auf einer digitalen Plattform hatte die Frau ihren potenziellen Ehemann folgendermaßen zur Fahndung ausgeschrieben: „Donnerstag zwischen 22.30 Uhr und 22.45 Uhr auf der Bergkirchweih. An einer der Imbissbuden gegenüber der Talstation. Nach Blickkontakt und einem innigen High Five haben wir uns kurzerhand spontan verlobt, Jan und ich. Dann musste ich leider schnell weiter. Habe dich noch mal kurz am Bahnsteig gesehen, bist in die S-Bahn Richtung Bamberg gestiegen, es ging zu schnell, um dich noch mal anzusprechen. Jetzt ist die Frage, wann und wo ist Hochzeit? Oder doch noch ein kennenlernen bei einem Kaffee vorab? Die Story wäre doch einfach zu gut. Vielleicht finde ich dich.“

Wer sich durch die überschwänglichen Reaktionen aus halb Europa klickt, die gemeinsame Verlobtenfahndung, die Herzchen, Herzchen, Herzchen, das große „Alle-Menschen-werden-Sucher“ – mag fast nicht glauben, dass so ein Austausch noch möglich ist. In Zeiten, in denen sich dieselbe Gattung Mensch in der Regel gegenseitig anschreit digital. Wenn’s sein muss: auch über Liedtexte.

Drei Monate nach dem Beginn der Suche bleibt allerdings festzustellen: Es gab heiße Spuren. Gefunden aber wurde der Verlobte „Jan“ – so weit zu sehen ist – bislang nicht.

Letzter Aufruf also. Zu Überredungszwecken wurden im Internet bereits angeboten: ein Hochzeitsauto, Trauredner, Eventmanagerinnen, Standesbeamte, ein Gästehaus in Spanien, drei Hochzeitskleider und sechs Blumenmädchen.

Und zur Sicherheit: ein Mentalcoach, eine Therapeutin und ein Scheidungsanwalt.

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