Erlangen: Tiefgaragenmord:Mörder nein, Täter ja

Nur Indizien, keine Beweise: Der Mann, dem vorgeworfen wurde, eine Arzthelferin in einer Erlanger Tiefgerage ermordet zu haben, ist vor Gericht freigesprochen worden. Verurteilt wurde er dennoch.

Welches Urteil Richter Richard Caspar fällen würde, galt vor der Verkündung selbst in Justizkreisen als völlig ungewiss. Jetzt hat der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth den Angeklagten Peter S. vom Mordvorwurf freigesprochen. "Wir haben keine Tatzeugen", begründete der Vorsitzende Richter seine Entscheidung. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 45-jährigen vorgeworfen, vor elf Jahren eine Arzthelferin in einer Erlanger Tiefgarage erstochen zu haben, um zu verhindern, dass sich seine von ihm sexuell missbrauchte Tochter der Frau anvertrauen könnte.

Erlangen: Tiefgaragenmord: Tatort Tiefgarage: Der angeklagte Peter S. ist vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden.

Tatort Tiefgarage: Der angeklagte Peter S. ist vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden.

(Foto: Foto: ddp)

Nicht wegen Mordes, aber wegen der Vergewaltigung seiner Tochter wurde der Angeklagte schuldig gesprochen: Die Schwurgerichtskammer verurteilte Peter S. zu vier Jahren Haft wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zehn Fällen.

Die Taten waren Teil der Anklage. Im Prozessverlauf vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth hatte der Angeklagte eingeräumt, seine 13-jährige Tochter im Jahr 1998 mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Den Mordvorwurf hatte S. stets bestritten.

Die Arzthelferin Susanne M. wurde am Morgen im März 1999 mit mehreren Messerstichen getötet. Im Untergeschoss eines Parkhauses in der Erlanger Nägelsbachstraße soll ihr der Mörder aufgelauert haben. Die 27-Jährige war auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz.

2006 waren Ermittler auf die Spur des Angeklagten gekommen. Bei einer wiederholten Auswertung der Akten des bis dahin ungelösten Mordfalles fanden sie Hinweise auf sexuellen Missbrauch.

Die Verhandlung um den Tiefgaragenmord gilt als einer der größten Indizienprozesse in der Geschichte der Nürnberger Schwurgerichtskammer. Die Anklageschrift umfasste 735 Seiten, die Staatsanwaltschaft hatte 500 Zeugen und 29 Sachverständige zur Anhörung benannt.

© sueddeutsche.de/dpa/kred/abis
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB