Trendsport in ErlangenWie sich Roundnet vom Freizeitspiel zum Wettkampfsport entwickelt

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Intensives Technik-Training bei den Roundnet Rhinos aus Erlangen - den Champions der Bundesligasaison 2024/25.
Intensives Technik-Training bei den Roundnet Rhinos aus Erlangen - den Champions der Bundesligasaison 2024/25. (Foto: Cara Emilia Dühr)

Die Sportart „Roundnet“ kennen viele aus Parks oder vom Strand. Das Ballspiel professionalisiert sich zunehmend. Am Wochenende finden die deutschen Meisterschaften statt. Ein Besuch bei den amtierenden Bundesliga-Champions in Erlangen.

Von Cara Emilia Dühr, Erlangen

Gelbe Bälle sausen durch die Luft und berühren immer wieder die kleinen Netze auf dem Boden. Sie sehen aus wie Mini-Trampoline, die nur wenige Zentimeter über dem Gras schweben. Stollenschuhe bohren sich in die Wiese, während acht junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren um die Netze herumspringen und mit der flachen Hand einen Ball hin und her schlagen. Sie spielen Roundnet beim Verein der „Roundnet Rhinos“ in Erlangen – ein Trendsport, der vor allem unter dem Namen Spikeball bekannt ist.

Sie sehen aus wie Minitrampoline - die Roundnet-Netze. Bekannt durch die amerikanische Marke „Spikeball“.
Sie sehen aus wie Minitrampoline - die Roundnet-Netze. Bekannt durch die amerikanische Marke „Spikeball“. (Foto: Cara Emilia Dühr)

Ein Hechtsprung zum Ball, angespannte Beinmuskeln und ein präziser Schlag. Trainer Jan Könekamp beobachtet die Technik seiner Spieler genau. „Sehr schön! Aber versucht den Ball mal noch mehr in einem Bogen zu spielen“, kommentiert der 31-Jährige den Ballwechsel von zwei Spielern. In der Saison 2024/25 ist der Verein Champion der ersten Roundnet-Bundesliga geworden. Jeden Montag, Dienstag und Donnerstag trainieren die Spieler zusammen auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1904 Erlangen und im Röthelheimpark. Heute steht „Hitting“ auf dem Programm, ein besonderer Angriffsschlag, bei dem der Ball möglichst kraftvoll auf das Netz gespielt wird, sodass es für die Gegner schwer ist, ihn zurückzuspielen. „Okay, dann wechselt noch mal“, ruft Könekamp in die Runde.

Seit fast zwei Jahren ist Jan Könekamp Trainer bei den „Roundnet Rhinos“ aus Erlangen.
Seit fast zwei Jahren ist Jan Könekamp Trainer bei den „Roundnet Rhinos“ aus Erlangen. (Foto: Cara Emilia Dühr)

Roundnet ist ein Nischensport, der erst seit knapp zehn Jahren in Deutschland gespielt wird. Ursprünglich kommt der Sport aus den USA. Das schnelle Netzspiel erinnert mit seinen Regeln an Beachvolleyball: ein Ball, zwei Teams, drei erlaubte Ballkontakte, bevor er über das Netz wieder zum Gegnerteam gespielt werden muss. Berührt der Ball den Boden, gibt es einen Punkt, es gewinnt das Team, das als erstes maximal 21 Punkte erreicht. Dabei können sich die Spieler frei um das Netz herum bewegen. Gespielt wird eins gegen eins oder zwei gegen zwei.

Hier wird das Spielfeld eingezeichnet. In die Mitte kommt das Roundnet.
Hier wird das Spielfeld eingezeichnet. In die Mitte kommt das Roundnet. (Foto: Cara Emilia Dühr)

Jetzt geht das Training langsam in ein freies Spiel über. Es bilden sich zwei Gruppen à vier Spieler. Eine Person hat Aufschlag, eine andere steht leicht geduckt auf der gegenüberliegenden Seite, bereit den Ball zu verteidigen. Als dieser über das Netz zischt, rennen alle los – eine dynamische Abfolge aus Ballschlägen, Sprüngen und Zurufen beginnt. Gemeinsam mit drei Freunden spielt auch Könekamp eine Runde mit. Für ihn ist es das letzte offizielle Training vor den deutschen Meisterschaften in Tübingen am kommenden Wochenende – der Höhepunkt der deutschen Roundnet-Sommersaison und neben dem Bundesligafinale eines der wichtigsten deutschen Turniere. „Ich bin vorher noch in den Bergen, aber da kommt mein Netz natürlich mit“, sagt der 31-Jährige und schmunzelt. „Das Schöne an der Sportart ist, dass man sie eigentlich überall spielen kann.“

Trainieren kann Jan Könekamp im Grunde überall. Einfach Netz und Ball mitnehmen und schon ist das Spielfeld aufgebaut.
Trainieren kann Jan Könekamp im Grunde überall. Einfach Netz und Ball mitnehmen und schon ist das Spielfeld aufgebaut. (Foto: Cara Emilia Dühr)

Roundnet ist noch sehr jung und habe an vielen Stellen seinen „entspannten“ Parkspiel-Charakter nicht verloren, sagt Könekamp. Auch er hat vor knapp vier Jahren das Ballspiel in einem Park zum ersten Mal ausprobiert.

Gleichzeitig professionalisiert sich der Sport zunehmend. 2020 entstand der deutsche Dachverband „Roundnet Germany“, 2021 haben sich die „Roundnet Rhinos“ aus Erlangen mit drei Leuten gegründet. Inzwischen zählt der Verein mehr als 30 Mitglieder.

Seit rund drei Jahren gibt es eine Erste und eine Zweite Bundesliga sowie eine Regionalliga. Langsam aber stetig wächst die Turnierstruktur der Sportart in Deutschland: Während 2021 knapp 600 Spieler an deutschen Turnieren teilnahmen, spielten 2024 schon 2300 Spieler mit. „Da findet gerade viel Entwicklung statt. Das ist sehr schön. Es macht Spaß, den Sport mitgestalten zu können“, erzählt Könekamp.

Roundnet ist ein sehr dynamisches und schnelles Ballspiel.
Roundnet ist ein sehr dynamisches und schnelles Ballspiel. (Foto: Cara Emilia Dühr)

Gerade in diesem Jahr verändert sich beim Roundnet viel. Es werden neue Regelwerke getestet – auch in Erlangen. Diskutiert werden etwa eine äußere Begrenzung des Spielfelds und ein größerer Ball. „Das liegt daran, dass die Leute zu gut im Angriff werden und die Verteidigung zu schwierig wird.“ Könekamp sieht das als Chance, einen aktiven Part bei der Entstehung einer neuen Sportart zu übernehmen und sich bei der Anpassung des Regelwerks einzubringen. Bald dürfen die nationalen Verbände, darunter auch Deutschland, abstimmen, welche Regeln in Zukunft gelten sollen. „Es ist alles sehr dynamisch. Gleichzeitig ist aber alles immer noch so klein, dass man halt viele kennt und sich immer wieder trifft“, sagt der 31-Jährige.

Die Gemeinschaft oder „Community“, wie sie in diesem Sport genannt wird, sei ein großer Aspekt von Roundnet. Viele Freunde hat Könekamp über den Sport kennengelernt, als er vor zwei Jahren für das Lehramtsstudium hergezogen ist.

Trotz der zunehmenden Wettkampfstrukturen sei das Miteinander mindestens genauso wichtig wie das Gewinnen. „Das Wochenende der deutschen Meisterschaften wird zum Beispiel sehr schön. Wir werden am Sportplatz campen und ich freue mich, ganz viele Leute wiederzutreffen“, erzählt Könekamp. „Der Umgang miteinander ist einfach sehr offen, respektvoll und tolerant“, sagt er.  Dazu gehöre auch der Fairnessgedanke. Denn selbst bei offiziellen Turnieren gibt es beim Roundnet keine Schiedsrichter. Die Spieler machen alles unter sich aus und im Zweifel wird der Ballwechsel wiederholt.

Bei so viel Spaß im Training sollte Könekamp und seinen Mitspielern auch bei den deutschen Meisterschaften am Wochenende nichts im Weg stehen.
Bei so viel Spaß im Training sollte Könekamp und seinen Mitspielern auch bei den deutschen Meisterschaften am Wochenende nichts im Weg stehen. (Foto: Cara Emilia Dühr)

Ein Problem der jungen Sportart sei allerdings, Hallen zu bekommen. „Ich glaube, fast alle Trendsportarten betrifft das. Man muss kämpfen, um Förderungen und Spielmöglichkeiten zu bekommen, um sich weiterentwickeln zu können“, sagt Könekamp. Die Hallen und Sportplätze seien oft in der Hand von alteingesessenen Vereinen. „Dadurch, dass wir als Sportart noch nicht so etabliert sind, fallen wir schnell mal hinten über. Es gibt auch immer wieder die Angst um den Rasen und dass der durch Roundnet punktuell kaputtgehen könnte.“ In Erlangen würde die Kooperation mit der Stadt und der Spielvereinigung aber ganz gut klappen, erzählt der Sportler.

Das Ballspiel neigt sich langsam dem Ende zu. Der finale Aufschlag. Der Ball berührt die Kante des Netzes und fliegt in eine andere Richtung als intendiert. Könekamp und seine Spielpartnerin Melanie Spiska haben 21 zu 6 gewonnen und klatschen sich überschwänglich ab. Die deutschen Meisterschaften können kommen, Könekamp ist vorbereitet.

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