Die Finanzkrise der Städte, ach je. Kein Geld gibt’s in Kommunen doch immer. Oder erinnert sich jemand an Haushaltsberatungen ohne „auf Kante genäht“ und „Wasser bis zum Hals“?
Gut, eine Haushaltskrise in Ingolstadt, in Audi-City, das klingt jetzt tatsächlich nicht gut. Und aus Erlangen, Siemens-City, ist man auch alles andere als Panik gewohnt, stimmt schon. Andererseits: Am Ende wird doch alles immer gut in Bayerns schönen Städten. Oder?
Na ja. In Erlangen berät der Stadtrat am Mittwoch darüber, wie das noch aufzuhalten ist, was die eigene Kulturverwaltung in die Debatte eingebracht hat. Zusammenfassen könnte man deren Vorschlag so: Kein Geld ist mehr da, verstehen wir. Die Kultur muss auch sparen, sehen wir komplett ein. Nicht nur um Kleinbeträge geht es, ist uns völlig klar. Unser Vorschlag mithin: kein Poetenfest 2026.
Nicht filetiert, nicht an der Substanz herumgedoktert werden soll an diesem Festival. Nein, als Vorschlag steht in Rede: Komplettverzicht, Totalausfall.

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Kurz zur Einordnung: Dürfte man drei Kulturtipps geben, die so empfehlenswert sind im Norden Bayerns, dass man sie jeder und jedem so ziemlich uneingeschränkt ans Herz legen kann – so wären das diese drei: die Tanzsparte des Nürnberger Staatstheaters, die Bamberger Symphoniker und das Erlanger Poetenfest.
Letzteres, sagen Kulturmenschen in Erlangen, könnte man theoretisch natürlich in einer Diätversion planen. Jedes große Festival – und das Erlanger ist das wichtigste Literaturfestival des deutschen Bücherherbstes – kann man zur schnöden Minimalvariante eindampfen, andernfalls wär’ es kein großes Festival. Aber genau das möchten viele nicht. Dann lieber einmal ausfallen lassen.
Schön immerhin zu beobachten, wie sich die demokratischen Parteien gerade ins Zeug legen mit Vorschlägen vor dem Kulturausschuss. Die CSU genauso wie die Linkspartei. Sollen Sponsoren einspringen, das Publikum, der Freistaat? Wahrscheinlich, das hier als Prognose, wird’s doch ein Poetenfest geben am Ende. Womöglich sogar eines, das weiter als solches erkennbar ist.
Funfact zum Schluss: Nürnberg hatte sich kürzlich darum beworben, auf die Unesco-Liste der „Cities of Literature“ gesetzt zu werden. Und warb dabei, schon frech, auch mit dem Poetenfest, ohne den Erlangern groß Bescheid darüber zu geben. Das hätte lustig enden können: Die Unesco stimmt zu – und Erlangen beschließt kurz darauf den Verzicht aufs Literaten-Fest.
So freilich kommt’s auf keinen Fall. Vielleicht hatte die Unesco ja auf dem Schirm, dass dieses Erlangen mit seinem herrlichen Poetenfest gar kein Stadtteil von Nürnberg ist. Jedenfalls hat die Unesco bereits Ende Oktober beschlossen, was gerade erst die Runde macht in Nürnberg (zeitnahes Vermelden wurde Lokalzeitungslesern achtsam erspart): kein Zuschlag!

