Das Erlanger Poetenfest 2026 fällt nicht ausEs ist gerichtet? Es ist gerettet!

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Das spätsommerliche Poetenfest stand gefährlich auf der Kippe.
Das spätsommerliche Poetenfest stand gefährlich auf der Kippe. Erich Malter/Poetenfest

Die kommunale Haushaltskrise bringt auch Spitzenkultur in Gefahr. Die Stadt zeigt gerade vorbildlich, wie man ein Festival aus dem Würgegriff befreit.

Von Olaf Przybilla

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Alle suchen ja immer nach Best-Practice-Beispielen. Und in Zeiten der kommunalen Haushaltskrise lohnt da ein Blick nach Erlangen. Da war lange das Geld nicht knapp (Siemens), jetzt ist auch dort das Geld knapp (so weit zu hören ist: ebenfalls Siemens). Also ist Druck entstanden auf die Kultur, vor allem auf das Festival mit nationaler Ausstrahlung, das Poetenfest.

Dichter, die zu Dutzenden in einem Park sitzen, ohne Eintritt aus ihren Büchern vorlesen und mit Menschen ins Gespräch kommen – da fällt es nicht zu schwer, sich lokale Haushaltsverantwortliche vorzustellen, die da mal ein paar Fragen hätten in Zeiten verebbender Mittel. Diese wurden vorgebracht. Anschließend wussten die Macherinnen und Macher des Festivals, dass auch sie etwas beitragen müssen.

Nun gibt es bei jedem Kulturfestival von Rang Einsparmöglichkeiten, auch beim Poetenfest: Man könnte weniger, sogar viel weniger Schriftstellerinnen, Kritiker und Publizistinnen einladen. Man könnte den Schlosspark verrammeln, Eintritt verlangen und aus einer beschwingten Flaneurs-Veranstaltung eine Bildungsfestung machen. Und man könnte die Eingeladenen piesacken und ihnen weniger Honorar anweisen (der Dichter hat doch keine andere Möglichkeit, der wird schon kommen, wenn wir plötzlich nur noch die Hälfte zahlen).

Alles das machten sie in Erlangen nicht. Beim Umfang des Festivals hatte man ohnehin schon zu sparen begonnen zuvor – nur noch drei, statt ehemals vier Festivaltage. Sich sukzessive vom wichtigsten Lesefest des deutschen Bücherherbstes zur lokalen Lustbarkeit zu schrumpfen, lehnte man ab: Wer sich selbst klein macht, wird danach selten wieder groß.

Man kam stattdessen, sinngemäß, zum Resultat: Wir verstehen absolut, dass auch bei uns gespart werden muss, Kultur ist eben keine Insel der Seligen. Unter den gegebenen Umständen würden wir unseren Anteil für die kommenden Jahre gerne auf folgende Weise leisten: Absage des Poetenfestes 2026.

Bekannt gemacht wurde das als klassischer Verwaltungstext, nüchtern, ohne jeden Schaum vorm Mund, ohne Beigeschmack von (beleidigter) Leberwurst, ohne Untergang-des-Abendlandes-Attitüte. Und danach hatten also Stadtrat und Stadtgesellschaft das Wort.

Ergebnis: Es fand sich keine relevante politische Kraft in Erlangen, die nicht um die Rettung des Festivals gerungen hätte. Und auch die Stadtgesellschaft wurde kreativ. Voraussichtlich werden Menschen, die dieses Fest lieben, weil es den Weg zur Literatur so unbeschwert möglich macht, künftig spenden können für dessen Erhalt.

Das Poetenfest 2026 kann also stattfinden, Dichterinnen und Dichter werden bereits angefragt, ob sie – zu nicht sittenwidrigen Konditionen – im Spätsommer nach Erlangen kommen mögen.

Es ist gerichtet? Ist gerettet!

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