Eigentlich weiß man davon, stand ja schon hinlänglich oft in der Zeitung: die gammelnden Universitätsgebäude von Erlangen. Aber dann steht man nach längerer Zeit mal wieder dort, wo man in Erlangen Geisteswissenschaften studieren kann. Und versetzt sich hinein in junge Frauen, die an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Germanistik studieren wollen. Und die ein Kind erwarten oder bereits stillen.
An der größten bayerischen Universität außerhalb Münchens müssen solche Frauen jeden Uni-Tag an Schildern vorbei, die ihnen mitteilen, dass sie sich doch bitte „bei längerem Aufenthalt“ mit den „Sicherheitshinweisen“ beschäftigen sollen. Das Stichwort dafür findet sich auch auf diesen Aushängen. Es lautet PCB.
Man muss kein Kind ausgetragen haben, um sich in etwa ausmalen zu können, was es mit Frauen macht, die täglich an so einem Schild vorbeimüssen. PCB, was war das doch gleich? Das weiß die Suchmaschine natürlich, „polychlorierte Biphenyle“, und teilt als Service noch mit: langlebige chlorierte Kohlenwasserstoffe. Die stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.
Erlangen liegt bekanntlich ziemlich zentral im reichen Freistaat Bayern. Und dort also werden junge Mütter – eine der schützenswertesten Personengruppen, die es gibt – darauf aufmerksam gemacht, dass „längerer Aufenthalt“ in ihrem Uni-Gebäude offenbar nicht unbedenklich ist. Was die Frage aufwirft: Wäre ernsthaftes Studieren, also unter Umständen auch mal ein längerer Aufenthalt im Hochschulgebäude, nicht wünschenswert für angehende Deutschlehrerinnen?
Die Schilder sind, stimmt schon, alles andere als neu dort. Nur: Macht das die Sache weniger schlimm? Oder eher noch verwerflicher?

Anfrage beim bayerischen Wissenschaftsministerium. Dieses klärt auf, dass „kleine Baumaßnahmen und Bauunterhalt“ in der Verantwortung der Uni lägen. Und schiebt dann eifrig nach, was immer kommt in solchen Fällen: „Freistaat investiert massiv in die FAU“, „seit 2019 ein gutes Dutzend neuer großer Bauvorhaben“, „Modernisierungsoffensive von rund zwei Milliarden Euro“. Beeindruckend, gewiss doch. Aber für junge Mütter, die dort Literaturwissenschaften studieren, mutmaßlich kein Grund für „So-toll-ist-Bayern“-Lobpreis.
Zumal die PCB-Belastung an den Gebäuden erstmals 2013 – vor mehr als zwölf Jahren also – festgestellt worden ist. Seit 2017, so die FAU, bestand demnach „die Notwendigkeit, Schwangere und Stillende rein vorsorglich auf die theoretisch möglichen Gefahren hinzuweisen“ und ihnen „eine arbeitsmedizinische Vorsorge mit inkludiertem Biomonitoring anzubieten“ – um eine „theoretisch mögliche Überschreitung“ der Grenzwerte im Körper auszuschließen.
Nun könnte man einwenden: Wurde da nicht mal saniert? Doch, nur konnten dabei nicht sämtliche PCB-Quellen beseitigt werden. Und sollen die Erlanger Geisteswissenschaften nicht ohnehin demnächst gesammelt in den hübschen „Himbeerpalast“ umziehen?
Richtig. Nur dauert das noch bis mindestens 2030.


