Süddeutsche Zeitung

"Ausländer raus"-Rufe:Männer grölen rassistische Parolen auf Erlanger Bergkirchweih

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Gegen die Verdächtigen im Alter von 21 und 26 Jahren ermittelt der Staatsschutz. Veranstalter und Oberbürgermeister verurteilen den Vorfall, der an einen ähnlichen Fall auf Sylt erinnert.

Nach einem rassistischen Vorfall bei der Bergkirchweih in Erlangen haben sich die Festwirte sowie der Oberbürgermeister der Stadt, Florian Janik (SPD), mit deutlichen Worten davon distanziert. Zudem beschlossen die Gastronomen, das Lied "L'amour toujours" des italienischen DJ Gigi D'Agostino bei dem Fest nicht mehr zu spielen.

Am Freitagabend hatten zu dem Song nach Angaben der Polizei zwei Besucher rassistische Parolen skandiert. Das Kommissariat für Staatsschutz der Kriminalpolizei Erlangen leitete Ermittlungen ein, in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. Zudem erhielten die 21 und 26 Jahre alten Verdächtigen nach Polizeiangaben ein Betretungsverbot für die Bergkirchweih. Es gibt außerdem einen Zeugenaufruf der Polizei - Personen, die den Vorfall gesehen oder Videos und Fotos davon gemacht haben, werden gebeten, sich zu melden.

Zwei Polizeibeamte aus Essen, die am Freitag das Fest privat besuchten, hatten den Sicherheitsdienst verständigt und die Polizei gerufen, weil zwei Gäste "Ausländer raus" riefen. Die Verdächtigen wurden des Festes verwiesen. In einer Stellungnahme teilten am Samstag die Geschäftsführer des betroffenen Biergartens mit: "Wir als Inhaber und Betreiber des Altstädter Schießhauses distanzieren uns in aller Deutlichkeit von den skandierten Parolen und der damit verbundenen Gesinnung. Wir verurteilen jede Form von Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz auf das Schärfste und dulden solches Gebaren egal in welcher Form auf unserem Gelände nicht." Weiter schrieben sie, in ihrem Betrieb seien Menschen aus mehr als zehn Nationen beschäftigt. Es seien alle Gäste willkommen, "die sich zur freiheitlichen-demokratischen Grundordnung unseres Landes bekennen, und die fröhlich und friedlich essen, trinken und feiern möchten". Menschen mit extremistischen politischen Ansichten hätten "keinen Fußbreit Platz, ihre Ansichten zu verbreiten".

Oberbürgermeister Janik teilte mit: "Die Erlanger Bergkirchweih ist so bunt wie unsere Stadt." Der Rathauschef lobte das Vorgehen der Beteiligten. Sie hätten gezeigt, "dass Ausländerfeindlichkeit und Rassismus auf dem Berg nichts zu suchen haben". Die Bergkirchweih - auch kurz "Berg" genannt - hatte am Donnerstag mit dem traditionellen Fassanstich begonnen. Für das Fest in der mittelfränkischen Universitätsstadt erwarten die Veranstalter wie jedes Jahr bis zu einer Million Gäste.

Zuletzt hatte ein ähnlicher Vorfall auf der Ferieninsel Sylt bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem nur wenige Sekunden langen Video, das zu Pfingsten entstanden sein soll, ist zu sehen und zu hören, wie junge Menschen zur Melodie des mehr als 20 Jahre alten D'Agostino-Partyhits rassistische Parolen grölen. Scheinbar völlig ungeniert singen sie "Deutschland den Deutschen - Ausländer raus!".

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