Erkan und Stefan müssen sterben Krass ist Vergangenheit

Florian Simbeck und John Friedmann hören nach zehn Jahren als Erkan und Stefan auf. Die beiden 35-Jährigen streben ins ernste Schauspielfach.

Von Stefan Mayr

Erkan und Stefan müssen sterben. Und das Ende kommt früher als mancher Fan sich das wünscht. Denn John Friedmann und Florian Simbeck, die Erfinder und Darsteller der radebrechenden Zweier-Connection, suchen neue Herausforderungen. Sie basteln - jeder für sich - an Karrieren als ernsthafte Schauspieler. "Künftig müssen Erkan und Stefan zurückstecken, wenn einer von uns andere Termine hat", kündigt Simbeck an, "bisher war es immer andersrum."

Erkan (l) und Stefan stehen mit der Schauspielerin Bettina Zimmermann am Set zu ihrem Film "Mächte der Finsternis"

(Foto: Foto: dpa)

Soll heißen: Solange Friedmann und Simbeck in anderen Rollen ausgelastet sind, wird es Erkan und Stefan nicht mehr geben. Drei Auftritte haben sie mit ihrer "10 Jahre Respekt"- Tour in diesem Jahr noch. Danach ist wohl erstmal Schluss mit dem Klamauk, der die Umgangssprache Jugendlicher von Grünwald bis Kreuzberg nachhaltig ("brontal") beeinflusst hat.

Zwei Ingolstädter Jungs

Die zwei 35-Jährigen sind durchaus gut beraten, Trainingsanzug, Baseball-Kappe und Turnschuhe in den Schrank zu hängen. Nach ihrem jüngsten Auftritt in Ingolstadt wurden die einstigen Zuschauermagneten sogar von der Heimatzeitung als Auslaufmodell bezeichnet.

Und das, obwohl die zwei sich bei der Rückkehr in jene Stadt, in der sie ihre Jugend verbrachten, sich kennenlernten und Abitur machten, mächtig ins Zeug legten. Dennoch blieben im Festsaal des Theaters viele Plätze leer.

Die Akademiker - Simbeck hat das erste juristische Staatsexamen, Friedmann ein abgeschlossenes Architektur-Studium - scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Nach einem Jahrzehnt, in dem sie bis zuletzt ihre wahre Identität hinter den Kunstfiguren Stefan Lust und Erkan Maria Moosleitner versteckten, zeigen sie sich jetzt so oft wie möglich ohne Handtuch und ohne fette Silberkette.

Sie sprechen Hochdeutsch und sind kaum wiederzuerkennen. Vor allem Florian Simbeck: Das Gangster-Kid aus der Münchner Gosse ist in Wirklichkeit der perfekte Schwiegersohn mit rahmenloser Brille und adrett frisiertem Haar. Seine ruhige, wohlartikulierte Ausdrucksweise hat null Ähnlichkeit mit dem "Hey Bunny, was geht"-Gejohle des idiotischen Stefan, den er seit Jahren verkörpert.

"Comic todernst"

Simbeck ist seit vier Jahren verheiratet und hat zwei Kinder. John Friedmann ist solo - abseits der Bühne verwandelt sich Erkan, der kindisch-primitive Türkischmann, in einen Sunnyboy mit Hemd, Pferdeschwänzchen und Esprit. "Ich habe keine Angst vor ernsten Rollen", sagt Friedmann, "ein Glaubwürdigkeitsproblem hätte höchstens das Gesicht von Erkan, aber als John Friedmann bin ich noch unverbraucht."

Viele erfahrene Schauspieler, sagt Friedmann, hätten großen Respekt vor Komikern, weil diese das perfekte Timing beherrschten. Der Wechsel von der Comedy ins ernste Fach sei dagegen weniger schwierig. "Viele Comic-Szenen sind ja todernste Situationen", ergänzt Florian Simbeck. "Und zehn Jahre Bühne und drei Kinofilme mit jeweils 30 Drehtagen kann nicht jeder ausgebildete Kollege bieten", so Friedmann, der wie sein Partner keine Schauspielschule von innen gesehen hat.

Ihre Karriere begann 1996 bei einem Münchner Lokalradio. Zwischen 1999 und 2004 drehten sie die "Erkan & Stefan"-Kino-Trilogie, von 2002 bis 2004 hatten sie ihre eigene Fernseh-Show headnut.tv. Es dauerte bis 2005, ehe sie das erste Radio-Interview als John und Florian gaben - und erst im Februar 2007 traten sie erstmals in einer TV-Talkshow ohne Trainingsanzug und Kanak Sprak auf - in Zivil und auf Hochdeutsch.

In Zukunft wollen sie vermehrt getrennte Wege gehen. Simbeck entwickelt eine Sitcom, für die er noch Schauspieler und einen Sender sucht. Ursprünglich war diese Produktion für beide gedacht. Aber Friedmann sagte ab - er hält bewusst Abstand zu seinem Partner und der Comedy-Schublade.

"Wir bekommen jede Menge Angebote als Duo, weil die Leute ein eingespieltes Komikerpaar brauchen", berichtet Simbeck. Doch Friedmann schreibt derzeit lieber an Drehbüchern, darunter eine satirische Auftragsarbeit und ein Drama. Zudem mimte er in einem Fernsehfilm "Die Augen meiner Mutter" einen Bandenchef.

Hinter den Kulissen bleiben Simbeck und Friedmann eng verbunden: Ganz nebenbei haben sie die Drehspieß-Imbisskette Dönertier AG aufgebaut, die deutschlandweit Franchise-Lizenzen vergibt. Bei der Eröffnung einer neuen Filiale kann es durchaus sein, dass Erkan und Stefan auftauchen. "Nach einem Monat Pause habe ich immer wieder fett Lust auf abkrassen", sagt Friedmann. Das Hintertürchen zum Schrank mit den Trainingsanzügen halten sie sich offen.